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Spektakuläres Bauprojekt

Skepsis an Plänen für „Melanchthon Tower”: Brettener Bürgermeister sieht derzeit keine Versäumnisse

Die Pläne für den „Melanchthon Tower” sowie irreführende Referenzen des Investors werfen in Bretten Fragen auf. Doch Nachfragen weicht das Unternehmen aus.

Visualisierung der Melanchthonhöhe in Bretten: Am Alexanderplatz soll ein dreiteiliger Komplex mit Kongresszentrum, Wohnungen, Büros, Tiefgarage und Panoramacafe entstehen. Foto: Quelle: Archita Architekturbüro Stuttgart

Die Debatte um das Projekt „Melanchthon Tower“ in Bretten geht in eine neue Runde. Die Stuttgarter BVA-Immobilien-Gruppe plant bekanntlich, auf der Melanchthon Höhe einen wuchtigen Gebäudekomplex, der auf ein sehr geteiltes Echo stößt. Auch das Unternehmen selbst präsentiert sich undurchsichtig, von den allermeisten als Referenz angegebenen Projekten gibt es nur Visualisierungen. Dabei werden Vorhaben angegeben, bei denen ein Bezug zu BVA nicht zu finden ist.

Gerne hätten die Brettener Nachrichten Licht ins Dunkel gebracht und haben deshalb bei BVA bereits am vergangenen Freitag um einen Gesprächstermin gebeten. Doch man wurde vom Büro des Geschäftsführers Volker Gairing auf Montag vertröstet – der Chef habe gerade keine Zeit für uns - und am Montag auf Mittwoch. So nebenbei erfuhren wir, dass Gairing sehr wohl Zeit für die Presse hatte – allerdings nur für die Brettener Woche, bei der er sich interviewen ließ.

Herr Gairing sei gerade sehr beschäftigt, lautete die Auskunft auf unsere wiederholte Anfrage vor diesem Pressegespräch auf einen Gesprächstermin danach. Der Investor sucht sich offenkundig die genehmen Medien aus, über die er die Brettener Bürger über sein Vorhaben informieren und die Ungereimtheiten ausräumen möchte.

Brettens Bürgermeister Michael Nöltner, der bei diesem Pressegespräch nicht dabei war, sieht auf Nachfrage in der Debatte um die Bebauung der Melanchthon Höhe zum aktuellen Zeitpunkt keine Versäumnisse der Stadt. „Die Firma BVA hat das Grundstück gekauft und angefragt, was sie dort bauen kann und eine Konzeption vorgestellt“, bekundet Nöltner. Jetzt werde geprüft, wie es weitergeht. Im Frühjahr könne dann ein Bebauungsplan aufgestellt werden. „Geld investiert die Stadt nicht, wir sind lediglich die baurechtliche Genehmigungsbehörde“, sagt er. Im Übrigen sei das Vorhaben zum jetzigen Zeitpunkt eine rein privatrechtliche Angelegenheit.

Als Referenzobjekt habe Gairing auf das Stuttgarter Quartier Milaneo verwiesen, erklärt Nöltner. Beim Nachforschen stellt sich allerdings die Frage, worin denn bei diesem Projekt die BVA-Beteiligung lag. Projektträger sind das ECE Projektmanagement, die Baufirma Strabag Real Estate und die Bayerische Hausbau. Gebaut wurde das Quartier nach einem Entwurf von RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau, in einem Gestaltungswettbewerb um den zentralen Mailänder Platz hatte sich der Entwurf des Planungsbüros Atelier Dreiseitl durchgesetzt.

Stadt kann über Bebauungsplan Einfluss nehmen

Grundsätzlich habe die Stadt ein Interesse an der Aufwertung des Stadteingangs, bekundet Nöltner weiter. Auch der OB habe das Projekt mit dem wuchtigen Turm als Blickfang mit hohem Wiedererkennungswert begrüßt. Über die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans, der zwingend notwendig sei, weil der aktuelle Bebauungsplan so eine Bebauung gar nicht zulasse, können die Stadt auf die Planung Einfluss nehmen, so der Bürgermeister.

Etwas selbstkritischer äußert sich Brettens Stadtbaudirektor Karl Velte. „Ich habe die Firma zunächst nicht eingehend geprüft“, räumt er ein. Das Milaneo und das Steigenberger Hotel, an dem die BVA-Immobilien in irgendeiner Form beteiligt gewesen sein soll, habe ihm zunächst als Referenz genügt. Doch mittlerweile ist Velte skeptischer: „Ich habe mich schlau gemacht und festgestellt, dass es nicht viele realisierte Projekte gibt“, erklärt der Bauamtschef.

Allerdings handle es sich bei der BVA auch um eine Investorengruppe, die Bauprojekte nur bis zur Leistungsphase vier betreibe. Laut Velte wird in Phase eins das Terrain erkundet, in Phase zwei ein Vorentwurf gemacht, in Phase drei ein Entwurf erarbeitet und in Phase vier der Bauantrag gestellt. In Phase drei und vier müsse dann auch der Bebauungsplan festgelegt werden. Nach Phase vier würden dann weitere Investoren und ein Bauträger gesucht, der das Vorhaben umsetzt.

Vorhaben noch im Wunschstadium

„Bislang ist noch nicht mehr passiert, als dass ein Investor eine visuelle Darstellung vorgelegt hat, wie das Projekt aussehen könnte“, bekundet Velte. Momentan sei das ganze Vorhaben noch im Wunschstadium. Jetzt müssten Pläne folgen, die man dann auf ihre Realisierbarkeit prüfen werde.

Der Kontakt zu BVA ist laut Velte über den Brettener Projektentwickler Siegbert Kössler zustande gekommen. Man wolle am Brettener Stadteingang etwas Großes bauen, hieß es seinerzeit, einen weithin sichtbaren Blickfang. Nachdem die BVA-Immobiliengesellschaft das Grundstück im Februar erworben hatte, habe es vier oder fünf Gespräche mit den Stadtoberen gegeben, dann habe man auf Wunsch des Investors die Präsentation für die Öffentlichkeit anberaumt. Dieser Investor ist nun gefragt, die vielen offenen Fragen zu beantworten und Referenzprojekte zu präsentieren, die auch tatsächlich gebaut wurden.

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