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Bewegte Geschichte

770. Geburtstag von Burg Ravensburg: Jubiläumswein und Picknick im Weinberg

Es ist eines der altehrwürdigsten Weingüter in der Region. Jetzt feiert die Burg Ravensburg in Sulzfeld einen ganz besonderen Geburtstag. Es geht um 770 Jahre bewegte Geschichte.

Kulturgut auf dem Kraichgau-Hügel: Seit 2010 ist der Anbau bei Burg Ravensburg biodynamisch. Das Weingut ist mit einem Prädikat ausgezeichnet. Foto: Michael Fritz

Stolz thront die Burg Ravensburg über ihren Weinbergen und dem Kraichgau. Seit der Römerzeit wird hier Wein angebaut. Das Weingut selbst wurde erstmals 1251 urkundlich erwähnt. Anlass war die Schenkung eines Weinbergs an den Bischof von Speyer.

Der Schenker: Burgherr Göler von Ravensburg. Mehr als 30 Generationen war das Weingut in Familienbesitz, bis es 2009 von der Familie Heiler, Eigentümer des benachbarten Weinguts Heitlinger, übernommen wurde. Seit 1995 ist Claus Burmeister Betriebsleiter und leitet die Geschicke des Weinguts quasi in zweiter Generation, da vor ihm bereits sein Vater den Betrieb führte.

Mit einer Tradition von 770 Jahren gehört das Weingut Ravensburg zu den zehn ältesten Weingütern der Welt. Grund genug, um dieses Jubiläum mit einem kleinen – aber dafür umso feineren – Event zu feiern. Claus Burmeister und seine Frau Ulrike hatten zu einem exquisiten Picknick in die Weinberge unterhalb der Burg geladen.

Zweite Generation: Seit 1995 lenkt Claus Burmeister die Geschicke des Weingutes Ravensburg. Foto: Joachim Schultz

Kenntnisreich und lebendig gewährte Burmeister Einblicke in Besonderheiten des Weingutes rund um die Burg. Seit wenigen Tagen stünden die Reben in Vollblüte und seien damit 25 Tage später dran als im letzten Jahr.

Diese kältebedingte Verzögerung beunruhigt den erfahrenen Winzer indes nicht. „Ich habe da einen guten Fixpunkt“, erklärt Burmeister. „Am 24. September habe ich Geburtstag. In diesem Jahr werden wir wohl kurz danach mit der Weinlese beginnen. In den letzten Jahren waren wir an meinem Geburtstag meistens schon mit der gesamten Lese fertig. In den 1990er Jahren und davor war die Weinlese Ende September aber ganz normal. Also kein Grund zur Beunruhigung.“

Seit 2010 wird das Weingut biodynamisch bewirtschaftet

Man merkt, dieser Winzer ruht in sich und kann auf jahrzehntelange Erfahrung bauen. Das hindert Burmeister jedoch nicht, offen für neue Wege zu sein, immer die Verbesserungen seines Produkts – des Weines – im Blick. Ein Meilenstein war die Aufnahme in den VDP, den Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Auf den historischen Lagen „Husarenkappe“, „Löchle“ und „Dicker Franz“ wachsen Riesling, Burgunder und Lemberger, die im Gault&Millau mit „ausgezeichnet“ beziehungsweise „hervorragend“ bepunktet werden.

Das gesamte Weingut wird mit vier Trauben und der Bestnote „Deutsche Spitze“ bewertet. Seit 2010 ist das Weingut biozertifiziert und ab 2014 hat Claus Burmeister auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. „Unsere charakterstarken Weine sollen die Geschichte des Ortes erzählen, an denen sie wachsen“, betont der passionierte Winzer. „Wein soll Spaß machen. Wein ist in Flaschen gefüllte Emotion.“

Wein ist kein Naturprodukt. Wenn Rebensaft nicht sachkundig ausgebaut wird, bekommt man Essig.
Daniel Deckers, Weinhistoriker

Mit diesem Statement leitet Burmeister zum Hauptredner des Abends über, zu Daniel Deckers, Ressortleiter Politik bei der FAZ, den Burmeister aber als „den renommiertesten deutschen Weinhistoriker“ ankündigt. Deckers räumt gleich zu Beginn seiner spannenden Ausführungen mit einer romantischen Vorstellung auf. „Wein ist kein Naturprodukt. Wenn Rebensaft nicht sachkundig ausgebaut wird, bekommt man Essig.“

Neuzeitlicher Weinbau nach dem zweiten Weltkrieg

Deshalb sei Wein ein Kulturprodukt und auf keine andere Pflanze habe die Menschheit so viel Zeit und Hingabe verwendet, um durch die Zähmung einer Wildrebe und Verfeinerung ihrer Früchte, Wein zu kreieren. Deckers spannt den Bogen in sieben Epochenschritten von der Römerzeit über Mittelalter und Dreißigjährigen Krieg bis zur Gegenwart und stellt immer wieder auch einen wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Zusammenhang her.

Der neuzeitliche Weinbau begann erst nach dem zweiten Weltkrieg, noch später erfolgte der Aufstieg der badischen Weine. Die qualitätsvollen Weine des Weinguts Ravensburg gehörten heute mit zur Weltspitze, so der Weinexperte. Die Zuhörer kamen in den vorzüglichen Genuss die Jubiläumsweine 2011 Husarenkappe Riesling und 2011 Dicker Franz Lemberger direkt am Ort ihres Wachstums zu verkosten.

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