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Seit fünf Jahren in Deutschland

Vom Flüchtling zur Einser-Schülerin: Heba aus Sulzfeld erhält Landes-Förderung

Die 15-jährige Heba ist ein Ausnahmetalent und hat in nur sieben Monaten Deutsch gelernt. Jetzt wird die gebürtige Syrerin durch das Programm „Talent im Land“ gefördert.

Die 15-jährige Heba Allah Aljokhadar aus Sulzfeld erhält ein Stipendium vom Programm „Talent im Land“. Foto: Corinna Stein

Dankbar sei sie und froh, sagt Heba Allah Aljokhadar. Dankbar über die Chancen in Deutschland, die ihr das Leben in Syrien nie geboten hätte. Und froh, hier mit ihrer Familie in Frieden leben zu können. Die 15-Jährige ist zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und zwei Brüdern im Herbst 2015 aus ihrer Heimat geflüchtet. Die Flucht führte sie in nur zehn Tagen über den Libanon, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich nach Karlsruhe – nur die Kleidung am Körper und ein Kuscheltier im Arm.

„Wir wollten eigentlich nicht weg aus Syrien. Ganz im Gegenteil. Aber es ging nicht mehr. Von Haus zu Haus mussten wir ziehen, immer weiter, weil der Krieg alles zerstörte“, erzählt sie. Den Vater seinem bis heute ungewissen Schicksal zu überlassen, das hätten sie sich lange nicht vorstellen können. Im Dezember 2012 habe er auf dem Heimweg von der Arbeit seine Frau angerufen, dass sie das Essen fertig machen könne, berichtet die Tochter. Angekommen sei er nie. Später am Abend sei noch ein Anruf von ihm bei ihrem Cousin eingegangen.

Aljokhadar hat seit 2012 nichts mehr von ihrem Vater gehört

Ihr Vater habe darin den Verwandten gebeten, gut auf seine Familie aufzupassen, da er entführt worden sei. Daraufhin sei das Telefonat beendet worden. „Die Hoffnung, dass wir ihn wiedersehen, geben wir nicht auf. Opa, Tanten und Onkel leben noch dort. Sie können ihm sagen, wohin wir geflüchtet sind. Die wichtigsten Dinge haben wir für ihn mitgenommen.“

Im Januar 2016 landete die Familie in Sulzfeld, wo sie ein Jahr in der Flüchtlingsunterkunft lebte. In nur sieben Monaten lernte Heba an der Blanc-und-Fischer-Schule Deutsch. „Das fiel mir leicht“, sagt sie. „Motivation fand ich in dem Wunsch, mit anderen Kindern spielen und nach den Sommerferien die reguläre Schule besuchen zu können.“

In diesem Jahr möchte ich noch deutlich besser werden.
Heba Allah Aljokhadar Schülerin aus Sulzfeld

Nach einer freiwilligen Wiederholung der vierten Klasse in Sulzfeld startete die Syrerin am Edith-Stein-Gymnasium in Bretten richtig durch. Das vergangene Schuljahr beendete sie mit einem Notenschnitt von 1,6. „In diesem Jahr möchte ich noch deutlich besser werden“, sagt die Achtklässlerin lächelnd. Nebenbei holte Heba auch noch das Deutsche Sportabzeichen des Badischen Sportbundes und belegte beim Turnier des Sulzfelder Schachclubs den ersten Platz unter den Mädchen.

Klassenlehrerin unterstützt die begabte Schülerin

Klassenlehrerin Elke Wild-Siebert beschloss: „Diese Begabung muss gefördert werden.“ Sie schlug ihrer ehrgeizigen Schülerin eine Bewerbung für das Programm „Talent im Land“ vor. Damit unterstützen die Baden-Württemberg-Stiftung und die Josef-Wund-Stiftung begabte Schüler, die wegen ihrer sozialen Herkunft auf dem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife Hürden zu überwinden haben. Die jungen Talente erhalten finanzielle Förderung, Beratung bei der Berufsorientierung sowie attraktive Bildungsangebote.

„Noreen Eberle und Andreas German von ‚Talent im Land‘ unterstützen mich an sieben Tagen in der Woche, wenn es notwendig ist“, betont die frischgebackene Stipendiatin dankbar. „Sie haben immer ein offenes Ohr für mich, auch wenn ich abends um zehn einfach nur reden möchte.“ Pläne für die Zukunft hat Heba auch: „Ein Einser-Abitur und ein Studium in Medizin, Architektur oder Ingenieurwesen. Und irgendwann möchte ich meine Familie, die mir alles auf der Welt bedeutet, auch noch vergrößern!“

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