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Gestiegene Nachfrage, sinkendes Angebot

Die Regale sind leergefegt: Der Tafelladen in Bretten ruft Privatpersonen zu Lebensmittelspenden auf

In der Obst- und Gemüseabteilung des Brettener Tafelladens sieht es noch ganz gut aus. Wer dagegen nach Mehl oder Milch sucht, der sucht oft vergeblich. Diakonie-Leiter Achim Lechner sagt, warum das so ist, und was der Laden dagegen unternimmt.

Radieschen gibt es reichlich: An haltbaren Lebensmitteln mangelt es dagegen. Bufdi Eric Henrichs räumt gerade eine Handvoll Packungen mit Mehl ein.
Radieschen gibt es reichlich: An haltbaren Lebensmitteln mangelt es dagegen. Bufdi Eric Henrichs räumt gerade eine Handvoll Packungen mit Mehl ein. Foto: Catrin Dederichs

Die Nachfrage steigt, das Angebot sinkt: Die Lage im Brettener Tafelladen spitzt sich zu. „Von allem haben wir zu wenig“, sagt Achim Lechner, der Leiter des Diakonischen Werks, und fügt an: „Wir suchen händeringend nach Lebensmitteln.“

Um seine Regale zu füllen, ruft der Tafelladen erstmals auch Privatleute zum Spenden auf. Ab sofort nehmen Ehrenamtliche zweimal die Woche haltbare Lebensmittel entgegen.

Bis dato kommen die Waren im Tafelladen fast ausschließlich von Supermärkten und Discountern. Gelegentlich sammelten Schulen noch Spenden und versorgten den Tafelladen mit zwei, drei Autos voll mit Lebensmitteln.

Aus den Supermärkten kommen immer weniger Lebensmittel in den Brettener Tafelladen

Mit Beginn von Corona ist die Warenmenge der Supermärkte jedoch deutlich zurückgegangen. Drei Faktoren kommen laut Lechner zusammen: Erstens kaufen die Menschen mehr Nahrung ein, weil sie mehr Zeit zuhause verbringen.

Zweitens disponieren die Discounter genauer, sodass am Ende des Tages weniger übrigbleibt. Und drittens verkaufen die Geschäfte Produkte, die bald ablaufen, inzwischen häufig selbst zum reduzierten Preis.

Deutlich sieht das Lechner nicht nur im Diakonie-Tafelladen, sondern auch im Lager. „Früher waren sie immer voll. Aber das, was da drin war, haben wir gleich zu Beginn der Pandemie rausgehauen.“ Zugleich seien immer mehr Menschen berechtigt, im Tafelladen einzukaufen.

Als einen Grund nennt Lechner den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Fluchtbewegung. „Wir haben viele neue Kunden aufgenommen“, sagt der Diakonie-Chef. Nichtsdestotrotz sei die Nachfrage teilweise verhalten, ganz einfach deshalb, weil die Regale zu häufig leer seien. „Sie kommen, sehen, es gibt gar nicht viel, und bleiben wieder weg.“

Viele Kunden seien enttäuscht, bestätigt Eva Bajus, Leiterin des Tafelladens. „Aber wir waren noch nie ein Vollversorger. Wir müssen das, was kommt, teilen.“ Entsprechend richtet sich die Menge, die ein Berechtigter einkaufen darf, nach der Größe seines Haushalts. „Wir können ja nicht einem Single genauso viel mitgeben wie einer siebenköpfigen Familie“, sagt Bajus.

Mit Frischwaren wie Bananen, Mandarinen oder Brokkoli sieht es noch ganz gut aus, berichtet Lechner. „Es ist nicht mehr das ganz große Paket wie früher, aber irgendwas ist immer da.“ Das bestätigt sich bei einem Besuch vor Ort: In der Frischeabteilung liegen reichlich Radieschen und Möhren. Ebbe herrscht dagegen bei Grundnahrungsmitteln wie Teigwaren, Mehl, Tomatenmark oder Milch. „Es ist das Handfeste, das fehlt“, sagt Lechner.

Aus der Not heraus spricht das Team nun Privathaushalte an. „Etwa zu Weihnachten sehen wir, dass die Menschen durchaus bereit sind, Sach- und Warenspenden zu geben.“ Jede Spende sei herzlich willkommen, sagt Lechner. „Egal, ob jemand mit zwei oder drei Päckchen Spaghetti kommt oder gleich mit einem ganzen Karton. Wir nehmen alles dankbar an.“

Service

Die Annahme für Privatspenden ist donnerstags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 13 Uhr. Der Tafelladen ist in Bretten in der Weißhofer Straße 65.

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