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Mehr als 100 Bauwerke

Von verschwunden bis prächtig: Schlösser und Burgen im Raum Bretten

Trutzige Burgen und märchenhafte Schlösser: Der Kraichgau gehört zu den burgenreichsten Gegenden in Süddeutschland. Eine Zeitreise durch die Geschichte der Schlösser und Burgen in der Region.

Das Schloss Gondelsheim ist eines der letzten, das in Deutschland noch erbaut wurde. Foto: Arnd Waidelich

Im Mittelalter lebten hier Ritter und Edelleute. Heute hat die Zeit ihre Spuren an den Schlössern und Burgen im Raum Bretten hinterlassen. Einige sind noch gut erhalten, andere existieren als versteckte Ruinen weiter, wieder andere sind ganz verschwunden.

In einer kleinen Serie stellen die Brettener Nachrichten eine Auswahl der historischen Bauwerke vor - und was von ihnen heute noch übrig ist. Den Auftakt bildet eine Zeitreise durch die Geschichte der Schlösser und Burgen in der Region.

„Der Kraichgau gehört zu den burgenreichsten Landschaften in Süddeutschland“, erklärt der Bruchsaler Heimatforscher Thomas Adam. Mehrere 100 Schlösser und Burgen gab es im Mittelalter in der Region. Etwa ein Viertel von ihnen ist nach Schätzungen von Adam heute noch erhalten. Eine Übersicht bietet das Buch „Burgen und Schlösser im Kraichgau“ von Hartmut Riehl und Jürgen Alberti.

10. und 11. Jahrhundert

In Bretten und Umgebung entstehen die ersten Burgen. Bauherren sind die Gaugrafen, vom König ernannte Verwalter des Kraichgaus. Die Burgen sind damals gleichzeitig Wohn- und Wehrbauten. Von der Burg, die die Gaugrafen südlich von Bretten, im heutigen „Burgwäldle“, bauten, zeugen heute nur noch wenige Überreste.

12. bis 13. Jahrhundert

Nach dem Vorbild der Gaugrafen beginnen nun auch die Ortsadligen, Burgen zu bauen. In jedem Ort hat damals ein anderes Adelsgeschlecht das Sagen, erklärt Heimatforscher Adam: „Jedes Adelsgeschlecht baute sich seine eigene Burg.“

In Flehingen, heute ein Ortsteil von Oberderdingen, errichten die Herren von Flehingen ein Wasserschloss. Die Herren von Neibsheim bauen im gleichnamigen Brettener Ortsteil zwei Burgen, von denen heute jedoch fast nichts mehr übrig ist.

14. Jahrhundert

Die Zeit der Burgengründungen endet. Die bestehenden Anlagen werden aus- und umgebaut: Die Burgherren lassen Wehrtürme und zusätzliche Tore errichten, vergrößern die Wohn- und Wirtschaftsgebäude und legen sogenannte Vorburgen an.

15. Jahrhundert

Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen verlieren die Burgen ihre militärische Funktion. Sie werden von Schlössern abgelöst, die als Repräsentationsbauten des Adels dienen. Nur wenige Burgherren rüsten ihre Burgen für die Erfordernisse moderner Kriegsführung auf. Ausnahme ist die Ravensburg in Sulzfeld, die mit Geschütztürmen versehen wird.

16. Jahrhundert

Ein „Bauboom“ bei den Schlössern und Burgen setzt ein: Die Gebäude werden mit Fenstern ausgestattet, durch prunkvolle Portale und verzierte Erker geschmückt. So will der Adel seine Macht und seinen Reichtum demonstrieren.

17. Jahrhundert

Mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) kommt die Bautätigkeit fast komplett zum Erliegen. Viele Adelsgeschlechter verarmen oder erlöschen sogar. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts errichten die Adligen wieder repräsentative Schlösser.

19. Jahrhundert

Ende des 19. Jahrhunderts, in der „Gründerzeit“, werden Schlösser und Burgen mit mittelalterlichen Elementen wie Erker, Türmchen und Zinnen versehen. Ein Beispiel ist das Schloss Gondelsheim.

20. Jahrhundert

Mit dem Ersten Weltkrieg endet das Zeitalter des Schlossbaus in Deutschland. Das Schloss Gondelsheim, das 1906 seine letzten Anbauten erhielt, gehört laut Adam zu den letzten Schlossbauten bundesweit.

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