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Seit fünf Jahren in Deutschland

Warum ein Brettener Unternehmen seinen ukrainischen Mitarbeiter nicht einstellen darf

Eigentlich sollte man meinen, dass Ukrainer seit dem Krieg sehr unkompliziert in Deutschland arbeiten könnten. Was ist bei Denis K. anders?

Feuerfunken
Denis K. arbeitet als Schweißer in einer Werkstatt in Bretten. Dass ihn sein Chef nicht anstellen darf, hat für beide Seiten Nachteile. Foto: Stefan Sauer/dpa

Ein junger Ukrainer arbeitet als Schweißer in einer Werkstatt in Bretten. Wir schreiben zu seinem Schutz nur abgekürzte Nachnamen, weil Denis K. Konsequenzen in Polen befürchtet. Der 30-Jährige ist seit fünf Jahren mit kurzen Unterbrechungen immer in derselben Werkstatt tätig, völlig legal. Bloß anstellen darf sein Chef ihn nicht. Warum? Weil Denis K. schon zu lange in Deutschland ist.

Zu lange heißt: zu lange vor dem russischen Angriffskrieg. Wer mehr als 90 Tage vor dem russischen Einmarsch bereits in Deutschland war, zählt nicht als Flüchtling. Ein befristetes Aufenthaltsrecht erhalten aber nur die Ukrainer, die als Flüchtlinge gekommen sind. Und ihnen erlaubt es das Aufenthaltsrecht, in Deutschland zu arbeiten.

Wenn ich als Flüchtling gekommen wäre, dürfte ich hier arbeiten.
Denis K.
Ukrainer

K. bringt es auf den Punkt: „Wenn ich als Flüchtling gekommen wäre, dürfte ich hier arbeiten.“ Keine Rolle spielt dabei, dass ihm in seiner Heimat sofort der Kriegsdienst droht.

Dass er auch ohne Aufenthaltsrecht seit Jahren in der Brettener Werkstatt legal als Schweißer tätig ist, liegt an seinem Arbeitsvertrag. Denis K. ist nämlich nicht bei seinem Chef in Bretten angestellt, sondern bei einer polnischen Leiharbeitsfirma. Was bedeutet: weniger Lohn für dieselbe Arbeit.

Es ist einfach eine wacklige Sache. Deshalb würde ich würde ihn gern einstellen, damit er mehr verdient und hier richtig Fuß fasst.
Simon D.
Unternehmer

Auch für K.s Chef, Simon D., hat das Nachteile. „Es ist einfach eine wacklige Sache“, sagt der Unternehmer. „Deshalb würde ich würde ihn gern einstellen, damit er mehr verdient und hier richtig Fuß fasst.“

Seit rund zwei Jahren versucht Simon D., diese „wacklige Sache“ zu beenden. Er ruft bei der Arbeitsagentur an, bei der Botschaft, bei der Stadt Bretten. Ohne Erfolg. „Ich weiß gar nicht, was wir noch alles unternommen haben“, sagt der Geschäftsführer.

Seit fünf Jahren arbeitet Denis K. im Wechsel in Bretten und in Polen

Denis K. ist 25 Jahre alt, als er seine Heimat verlässt. „In der Ukraine habe ich Arbeit gesucht, aber man verdient da sehr schlecht“, sagt er. Er geht nach Polen, eine Leiharbeitsfirma stellt ihn ein. Seither arbeitet K. im Wechsel immer mehrere Monate in Deutschland und in Polen.

Ende 2021 bekommen Denis K. und seine Frau Nachwuchs. Seine Frau und die kleine Tochter leben damals noch in der Ukraine. Als aber wenige Monate später der Krieg ausbricht, flieht die junge Frau mit dem gemeinsamen Baby zu ihrem Mann nach Bretten. Ks Frau ist somit ein Flüchtling. Entsprechend bekommt sie einen Aufenthaltstitel, inzwischen arbeitet sie in einem Kindergarten.

Denis K. will in Bretten bleiben. „Mir gefällt die Arbeit und mir gefällt es in Deutschland“, sagt er. Welche Möglichkeit es für ihn noch gibt, um doch noch hier angestellt zu werden, erläutert Ellen Reinold von der städtischen Pressestelle. Sie schreibt, alle Ukrainer, die nicht als Flüchtling hier leben, müssten für einen langfristigen Aufenthalt ein Visumverfahren durchlaufen. Zuständig dafür ist die Botschaft. Und die Arbeitsagentur schreibt auf Nachfrage, sollte sich die Firma melden und um Hilfe bitten, helfe die Behörde gern.

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