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Umfrage zur Konjunkturhilfe

Wer hat von der Mehrwertsteuersenkung profitiert?

Wir fragen bei Brettener Bürgern nach: Hat das Steuergeschenk etwas gebracht? Was sagen Handwerker und Händler, was sagen Verbraucher rund um Bretten?

Schilder mit der Aufschrift "16% Mehrwertsteuer geschenkt auf alle Artikel" sind einem Schaufenster in der Hamburger Innenstadt zu sehen. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einzudämmen, gilt seit dem 1. Juli eine geringere Mehrwertsteuer - bis zum Jahresende. Die meisten Mittelständler sehen darin wenig Positives. Foto: Christian Charisius picture alliance/dpa

Am 1. Januar endet die für sechs Monate befristete Senkung der Mehrwertsteuer. Dann sind wieder regulär 19 Prozent Steuern fällig. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, war die Mehrwertsteuer zum 1. Juli um drei Prozentpunkte auf 16 Prozent reduziert worden. Diese Steuer wird auf alle Waren und Dienstleistungen erhoben, somit sind alle Endverbraucher hiervon betroffen.

Für Handwerker und Händler handelt es sich um einen sogenannten durchlaufenden Posten, der sie nicht direkt belastet, aber dennoch Auswirkungen auf das Kundenverhalten hat.

Die Brettener Nachrichten wollten wissen, blieb von der Steuersenkung überhaupt etwas hängen, wurden deshalb größere Anschaffungen getätigt? Wir haben uns bei Geschäftsinhabern und Passanten umgehört.

Definitiv spürbar: Manfred Mößner hat als Installateur- und Elektromeister alle Hände voll zu tun, um alle Aufträge abzuarbeiten. Er spüre den Effekt der Steuerminderung deutlich, sagt er. Foto: Michael Fritz

Manfred Mößner spürt den Steuereffekt definitiv. Der Installateur- und Elektromeister hat bis zum Jahresende alle Hände voll zu tun, um die anstehenden Aufträge abzuarbeiten. „Bei einer neuen Heizung oder Badsanierung sind da schon 400 bis 500 Euro Ersparnis drin. Das haben einige Kunden gezielt genutzt und Aufträge vorgezogen.“ Auch in der anderen Richtung seien Effekte erkennbar gewesen, als zum Beispiel öffentliche Auftraggeber nach Ankündigung der Steuersenkung Aufträge ins zweite Halbjahr verschoben haben. Ob nun eine Flaute zu Beginn des Jahres einsetze, bleibe abzuwarten, meint Mößner.

Keinen großen Effekt: Christian Müller handelt mit Hausgeräten. Er meint, bei Hausgeräten sei die Ersparnis wohl nicht groß genug, als dass sie bei ihm deutlich zu Buche schlüge. Foto: Michael Fritz

Christian Müller, der Hausgeräte repariert und verkauft, konnte keine so großen Effekte feststellen. „Manche Kunden wollten die Lieferung in den Juli verzögern, aber bei Hausgeräten ist die mögliche Ersparnis jetzt auch nicht so riesig.“ Viel mehr habe nach seiner Einschätzung das Homeoffice gebracht. „Die Menschen waren mehr zu Hause und wollten es sich da schön machen“, erkennt Müller als Grund für einen stärkeren Umsatz.

Keine Jahresendralley: Uwe Fischer darf in seinem Autohaus im Lockdown keine Neuwagen mehr verkaufen. Da der Zeitpunkt der Auslieferung zähle, seien neue Autos keine Produkte für kurzfristige Steuervorteile. Foto: Michael Fritz

Uwe Fischer kann in seinem Autohaus keine Jahresendralley feststellen. „Seit dem Lockdown dürfen wir keine Neuwagen mehr verkaufen, sondern nur noch die laufenden Verträge abwickeln. Da der Zeitpunkt der Auslieferung zählt, ist ein Auto kein Produkt für einen kurzfristigen Steuervorteil.“ Im Gegenzug wurden die Kunden, die bereits im März und April ein Auto bestellt hatten, dies aber erst ab Juli bekamen, vom Steuervorteil überrascht. Hier wurde die Intention der Steuersenkung - die Ankurbelung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr - eher verfehlt.

Das Autohaus unterstützt: Jürgen Parr nutzte die Steuersenkung als Impuls, um das neue Auto etwas früher als nötig zu kaufen. Foto: Michael Fritz

Genau diesem Ziel diente Jürgen Parr. Der Brettener kaufte sich ein neues Auto. „Das alte hätte wohl noch eine Weile gehalten, aber ich wollte mein Autohaus unterstützen und die Steuersenkung gab dann den entscheidenden Impuls. Bei einem Neuwagen machen sich drei Prozent Ersparnis schon bemerkbar.“ Dass die Steuer jetzt wieder hochgehe, ohne dass sich die Pandemiesituation entscheidend gebessert habe, hält Parr „nicht für das Gelbe vom Ei.“ Andererseits brauche der Staat die Einnahmen, um die ganzen Maßnahmen zu bezahlen.

Ein paar Euro gespart: Bastian Bätz hat bei ein paar Anschaffungen fürs neue Haus ein paar Euro gespart. Foto: Michael Fritz

Auch Bastian Bätz kam teilweise in den Genuss der Steuerersparnis. Gerade ist er von der Pfalz nach Ruit gezogen und konnte bei den Anschaffungen für das neue Haus Einiges sparen. „Eben habe ich noch eine Matratze bestellt und fünf Euro gespart“, lacht Bätz. Da aber viele Händler zehn Prozent und mehr Rabatte gewährten, fielen die drei Prozent nicht immer ins Gewicht. „Bei der Maklerprovision für das Haus hätte sich das deutlicher gezeigt, aber die wurde leider vor der Steuersenkung fällig.“

Im Alltag nicht gespürt: Drei Prozent Unterschied fielen Manuela Galot aus Dürrn bei Alltagskäufen kaum auf. Große Anschaffungen hat sie nicht getätigt. Foto: Michael Fritz

Keine größeren Anschaffungen hat Manuela Galot aus Dürrn getätigt. „Die drei Prozent im Einzelhandel fallen im täglichen Leben eher nicht auf“, so ihr Fazit. „Man hätte das auf zwei Jahre ausdehnen sollen, damit es spürbar wird. Aber sechs Monate waren hierfür zu kurz.“

Für sie kein Anstoß: Petra und Bernd Paschke fanden die drei Prozent Mehrwertsteuersenkung zwar gut, nahmen sie aber selbst nicht zum Anlass, eigens darum etwas Zusätzliches zu kaufen. Foto: Michael Fritz

Auch Petra und Bernd Paschke aus Bretten haben nicht gezielt wegen der Steuersenkung investiert. „Drei Prozent sind schon gut, aber deswegen haben wir nichts Zusätzliches gekauft.“ Wie viele andere, blicken auch sie auf die gewaltigen Schulden, die der Staat aufgenommen hat. „Diese müssen ja auch irgendwann wieder bezahlt werden.“

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