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Andrang bei Wiedereröffnung verhalten

Besucher überrascht von vielseitiger Präsentation in den Brettener Museen

Nur wenige Besucher finden bislang den Weg in die wieder eröffneten Brettener Museen. Doch die, die kommen sind beeindruckt von der vielseitigen Präsentation im Stadtmuseum.

Susanne Silber und ihr Lebensgefährte Bernhard Troltsch aus Großheubach begutachten einen der beiden großen Webstühle, die im Brettener Stadtmuseum in der Ausstellung „Textilgeschichten“ zu sehen sind. Foto: Tom Rebel

Die Besucher, die von weither mit der Bahn nach Bretten angereist sind, um das Museum im Schweizerhof zu besuchen, sind positiv überrascht. „Das hatten wir nicht erwartet, so eine tolle Präsentation und eine so beeindruckende Sammlung“, sagt Susanne Silber aus Großheubach. Ihr Lebensgefährte Bernhard Troltsch pflichtet ihr bei.

Im vergangenen Jahr hatten die beiden Karten für das Schäfer-Jubiläumskonzert gebucht, das dann ausfiel. Auch zum Peter-und-Paul-Fest wollte das Paar mit dem Faible für mittelalterliche Festivals anreisen. Doch auch das fiel der Pandemie zum Opfer. So haben sie sich am Wochenende ganz spontan auf den Weg gemacht, um sich Bretten einmal genauer anzuschauen.

Nach dem Stadtrundgang am Pfeiferturm vorbei durch die Altstadt stand das städtische Museum mit den rund 300 Exponaten zum Thema Schutzengel auf dem Programm. „Das interessiert uns, wir sind gläubige Menschen“, sagen sie.

Impfausweise und Tests werden am Eingang kontrolliert

So langsam läuft auch in Bretten der Museumsbetrieb wieder an. Der Andrang im Stadtmuseum wie im Melanchthon- oder Gerberhaus ist zwar noch verhalten. Doch immerhin: Es dürfen wieder Besucher kommen.

Die einzige Hürde: Geimpft, getestet oder genesen müssen die Besucher sein. Die Dame am Eingangstresen kontrolliert die gelben Impfausweise oder die Testbescheide, die ihr in Papierform oder per Smartphone vorgezeigt werden.

Museumsleiterin Linda Obhof hat die Sonderausstellung „Textilgeschichte(n)“ im Stadtmuseum konzipiert. Foto: Tom Rebel

Dass die Publikumsresonanz noch verhalten ist, bereitet Museumsleiterin Linda Obhof im Schutzengel-Museum, kein Kopfzerbrechen. „Das braucht eine Weile, bis die Leute wieder kommen“, sagt sie. Sie überlege es sich ja auch zweimal, ob sie jetzt auf den Marktplatz zum Kaffeetrinken geht, wenn sie dafür immer einen Test benötige.

Textilgeschichte(n) in der Ausstellung im Stadtmuseum Bretten

Die Museumsbesucher aus Heubach begutachten derweil die beiden riesigen Webstühle, die im Erdgeschoss aufgebaut sind. Sie gehören zur aktuellen Sonderausstellung „Textilgeschichte(n)“, die im Stadtmuseum gerade angelaufen ist. Eigentlich hätte diese Ausstellung bereits vor einem Jahr starten sollen. Jetzt hat es endlich geklappt.

Zu sehen ist, wie aus Schafswolle und Leinen Stoffe entstehen, wie sie eingefärbt und verarbeitet werden. Und welche Kleidungsstücke und welche Mode zu verschiedenen Zeiten dabei herauskommen.

Stolz zeigt die Museumsleiterin eine Schnürbrust, die in der Brettener Bessergasse gefunden wurde und die um das Jahr 1700 kurz nach dem Stadtbrand entstanden sein muss. Versteift wurde das Gewebe aus Leinen und Wolle mit Schilf und Fischbein.

Von der Faser bis zum Stoff dokumentiert die Ausstellung die vielfältigen Arbeitsschritte und zeigt handgesponnene, pflanzengefärbte und nach Originalfunden nachgearbeitete Gewebe, wie sie in der Eisen- und Römerzeit getragen wurden.

„Die waren durchaus farbenfroh und nicht wie viele meinen grau in braun“, erzählt die Museumschefin. Dem Färben der Stoffe hat sie eine eigene Abteilung gewidmet und legt dar, dass in der mittelalterlichen Farbpalette durchaus auch Neonfarben wie pink oder knallgelb zu finden waren.

Vielfältige Ausstellungsstücke

Beim Kleidersortiment können die Besucher einen über 200 Jahre alten Schäfermantel begutachten, daneben die Kraichgauer Tracht – eine Sonntagskluft, die sich um 1800 als Kleidung für bessere Leute durchgesetzt hatte und dann wieder in Vergessenheit geriet.

Hochzeitskleider, Hüte und Mützen sowie Hosenträger nebst Schnitten und Schnittmustern runden die Textilausstellung ab, in der auch ein Bügeleisen-Arsenal und eine Spinnrad-Parade nicht fehlen darf. Die Gäste sind angetan von der „beeindruckenden Präsentation“.

Berührende Schicksale

Auch im Melanchthonhaus ist man froh, dass wieder Besucher kommen dürfen. Auch wenn das bislang nur wenige sind. In der imposanten Gedächtnishalle mit den überlebensgroßen Skulpturen der Reformatoren und den wuchtigen Rundpfeilern, die das Kreuzrippengewölbe tragen, lockt überdies eine Sonderausstellung, die ein weniger erfreuliches Kapitel deutscher Geschichte zum Inhalt hat: die Deportation der Brettener Juden durch die Nazis nach Gurs.

Ute Prüfer aus Bretten betrachtet im Melanchthonhaus die Sonderausstellung über die Deportation der Brettener Juden. Foto: Tom Rebel

Ute Prüfer ist an diesem Vormittag eigens zu dieser Ausstellung gekommen. Das Melanchthonhaus kennt die Brettenerin schon, doch die Gurs-Ausstellung hatte sie pandemiebedingt verpasst. Jetzt nutzt sie die Gelegenheit, die detailreiche Dokumentation zu betrachten.

„Ich bin sehr betroffen, von dem, was man den jüdischen Mitbürgern in Bretten seinerzeit angetan hat“, bekundet die Mitarbeiterin der Stadtveraltung, die auch die Stolperstein-Aktion mitverfolgt. Einzelne Schicksale von Brettener Juden sind ihr bekannt, deren Namen findet sie auch auf den ausführlich betexteten Bildtafeln wieder.

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