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Wo Masketragen nicht geht

Zahnärzte im Corona-Winter: Wie klappt das mit der Hygiene?

Zahnarzt sein ist manchmal schwer, vor allem in Corona-Zeiten. Maske tragen, Abstand halten – einfache Regeln, die jeder befolgen sollte. Doch wie geht das beim Zahnarzt?

Dr. Thomas Ruef und seine Assistentin haben ihren Behandlungsplatz vorbereitet und erwarten den nächsten Patienten Foto: Sylvia Mutter

„Bitte den Mund weit öffnen und den Kopf zu mir drehen.“ Jeder kennt diesen Satz, den auch Eva Gärtner in ihrer Praxis schon sehr oft gesagt hat. Und doch sei im Moment alles ganz anders, meint Praxismanagerin Julia Müller. Denn auch wenn das Wartezimmer leer ist, haben Zahnmediziner genug zu tun. „Die Patienten werden immer direkt ins Behandlungszimmer geleitet“, erläutert Müller: „Und wenn es tatsächlich zu Wartezeiten kommt, dann geht das nur mit einem wartenden Patienten, die Raumverhältnisse lassen gar nichts anderes zu.“

Allerdings wussten Zahnärzte schon immer um die Relevanz von Hygienemaßnahmen, auch vor Covid-19 gab es bereits Infektionskrankheiten. „Jetzt arbeiten wir zusätzlich mit Doppelmundschutz, mit Visieren und Lupenbrillen“, erklärt Eva Gärtner. Doch auch für sie galt es in mancherlei Hinsicht, Dinge neu zu denken.

So werden bei der Prophylaxebehandlung keine Instrumente mehr verwendet, die Sprühnebelerzeugen, um niemanden durch Aerosole zu gefährden, nun wird vermehrt poliert. Immer am Start sind die Telefone. In den Praxen müssen sehr viel mehr Fragen beantwortet werden als vor der Pandemie, meint Gärtner.

Abläufe müssen fast täglich angepasst werden

„Viele Patienten sind stark verunsichert, das müssen wir berücksichtigen“, betont sie, was auch in der Praxis von Michael Schneider und Norbert Goll bestätigt wird. „Zu Beginn der Pandemie überschlugen sich täglich Meldungen, Anweisungen und Verordnungen seitens der Ämter und Berufsverbände.

Fast täglich musste der Praxisablauf diesen Vorgaben angepasst werden“, erinnert sich Schneider. Eine der ersten Empfehlungen war, dass nur noch akute Schmerzbehandlungen durchgeführt werden sollten, das bedeutete, „dass unser gesamtes Prohylaxeprogramm auf Null heruntergefahren werden musste. Unsere Fachkräfte wurden nach Hause geschickt, viele auch in Kurzarbeit.“

Für die Praxis, die sich gerade zu diesem Zeitpunkt um eine zusätzliche Zahnärztin erweitert hatte, hatte das ein erneutes komplettes Umgestalten der Schichtpläne zur Folge. Es wurden zwei getrennte Schichten gefahren, um die Begegnungen der Patienten in der Praxis zu verringern, und um im Falle eines (Infektions-)Falles die Praxis nicht schließen zu müssen.

Logistischer Aufwand nur mit viel Engagement möglich

Zusätzliche Trennwände und ausgewiesene Patientenwege würden die Risiken deutlich reduzieren, selbst alternative Wartebereiche wurden eingeführt. „Dieser logistische Aufwand konnte nur durch großes Engagement aller hier in der Praxis umgesetzt werden“, betont Schneider. „Zum Glück aber hat sich die anfängliche Unsicherheit der Patienten gelegt, sehr viele erkennenden erweiterten Mehraufwand an.“

Von allen Befragten wird die Tatsache bedauert, dass es momentan keine Chance gibt, in Kindergruppen oder in Schulklassen das spielerische Erlernen guter Zahnpflege zu vermitteln. „Wir tragen hier eine Verantwortung, der wir nicht gerecht werden können“, meint Gärtner. „Auch Altenheimbesuche sind im Moment problematisch .“ Es gibt aber auch Gewinner in der Krise, Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel haben sich mitunter massiv verteuert, „die Kostenentwicklung war dramatisch“, bedauert Gärtner, während Thomas Ruef für die Praxis Ruef und Tietze über teils massive Nachschubprobleme spricht.

Mitunter kamen „speziell angefertigte Alkohol-Desinfektionslösungen aus der Apotheke zum Einsatz.“ Auch er spürt die gestiegenen Preise für Einwegartikel wie Handschuhe. Allerdings sieht er auch einen grundsätzlichen Vorteil: „Wir sind die Ärztegruppe, bei denen Patienten ohnehin absagen, wenn sie anderweitig erkrankt sind.“

Vor allem aber freut er sich, dass seine Praxis bislang ohne Kurzarbeit und vor allem ohne Erkrankungen im eigenen Team durch die Krise kam. „Außerdem sind die Patienten ungeheuer kooperativ“, betont seine Assistentin Kerstin Müller. Auch Michael Schneider sieht das Gute in der Situation. Denn die Krisenbewältigung stärke bei allem Unbill auch den Zusammenhalt im Team: „Auf meine ‚Truppe‘ bin sehr stolz!“

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