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Irakischer Häftling tot

Alles deutet auf Suizid im Bruchsaler Gefängnis hin

Im Bruchsaler Gefängnis hat sich ein irakischer Häftling das Leben genommen - zu dieser ersten Erkenntnis kommen die Ermittler: Nichts deute auf ein Fremdverschulden hin. Die Gründe für eine Verzweiflungstat des Mannes liegen im Dunkeln.

Im Bruchsaler Gefängnis starb ein junger irakischer Häftling. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler ist von einem Selbstmord auszugehen. Foto: dpa Foto: N/A
Ein 25-jähriger irakischer Häftling ist am Dienstagmorgen tot in seiner Zelle des Bruchsaler Gefängnisses aufgefunden worden. Alles deute auf Selbstmord hin, teilten das Polizeipräsidium und die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit: „Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden haben sich für die Ermittlungsbehörden nicht ergeben.“

Die Gründe für die mutmaßliche Verzweiflungstat liegen nach Angaben der Ermittler und der Justizvollzugsanstalt (JVA) im Dunkeln. „Es gab keinerlei Hinweise auf Suizid-Absichten“, erklärte JVA-Leiter Thomas Weber auf Anfrage dieser Zeitung. „Der Mann war ganz normal im Gespräch mit uns, er war völlig unauffällig – und er war am Vortag auch noch im Unterricht.“

Mit Lebensgefährtin kurz zuvor telefoniert

Laut Polizei hatte der Mann am Montag erfahren, dass ein geplanter Besuch seiner Lebensgefährtin am Dienstag ausfallen musste – wegen der Vorsichtsmaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie. In allen Gefängnissen des Landes wurde ein Besuchsverbot verhängt, um die Infektionsgefahr einzudämmen – zum Leidwesen vieler Gefangener. Der irakische Häftling sei zwar über das Verbot verärgert gewesen, sagte Weber, doch er habe die Möglichkeit bekommen, mit seiner Lebenspartnerin aus Pforzheim zu sprechen: „Er hat mit ihr telefoniert und konnte den Besuch rechtzeitig absagen.“

JVA-Leiter sieht keinen Zusammenhang mit Besuchsverbot

Das Paar habe vereinbart, bis auf weiteres telefonisch und per Brief in Verbindung zu bleiben. „Von der Frau hatte er in jüngerer Zeit auch mehrfach Besuch erhalten“, erklärte der JVA-Chef – und fügte hinzu: Er hielte es für unangebracht, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem pandemie-bedingten Besuchsverbot und einer so existenziellen Entscheidung eines Menschen herzustellen.

25-jähriger Iraker saß wegen versuchten Totschlags

Seit Juli 2018 war der junge Iraker inhaftiert, unter anderem wegen versuchten Totschlags. Zunächst saß er in Karlsruhe ein, seit Juni 2019 in Bruchsal. Im Frühjahr 2022 wäre der Mann voraussichtlich entlassen worden.

Hinweis der Redaktion

Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten nicht über Suizide. Grund dafür ist, dass die Berichterstattung über Selbsttötungen erwiesenermaßen zu vielen Nachahmern führen kann. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn ein Fall durch bestimmte Umstände besonders relevant ist. Sollten Sie selbst Probleme haben oder über Suizid nachdenken, gibt es in Deutschland 104 Seelsorgestellen, die jederzeit eine anonyme Beratung anbieten. Die kostenlosen Rufnummern lauten 0800 - 1110111 oder 0800 - 1110222 . In Karlsruhe bieten zudem der Kriseninterventionsdienst K.i.D. ( 0721 - 830 36 47 ) und der Arbeitskreis Leben Karlsruhe ( 0721 - 811424 ) Hilfe und Beratung an.

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