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EU-Kommissar besucht Firma

Bruchsaler Start-up „Alpha-Protein“ kämpft mit Mehlwürmern gegen die Überfischung der Meere

Da ist sprichwörtlich der Wurm drin: Beim Bruchsaler Start-up „Alpha-Protein“ dreht sich alles um Insekten wie Mehlwürmer. Sie sollen künftig industriell hergestellt werden. Das lässt sogar einen EU-Kommissar aufhorchen, der die Innovationsschmiede jetzt besucht hat.

Es krabbelt in der Kiste: Diese Mehlwürmer könnten künftig Futtermittel wie Soja oder Fischmehl ersetzen. Der EU-Kommissar Virginijus Sinkevičius war jetzt zu Besuch beim Bruchsaler Start-up Alpha-Protein. Mit dabei Geschäftsführer Gia Tien Ngo (links) und Bruchsals OB Cornelia Petzold-Schick. Foto: Martin Heintzen

Das nächste Meer ist von Bruchsal mindestens 600 Kilometer entfernt. Das hinderte den EU-Kommissar für Fischerei, Virginijus Sinkevičius, aber nicht daran, auf einer kurzen Stippvisite dort Halt zu machen. Der Litauer sorgt sich - schon von Berufswegen - um die Überfischung der Weltmeere.

Und ein junges Bruchsaler Start-up könnte eine Antwort auf dieses und andere Problem haben. „Ja, das könnte eine Lösung sein“, zeigte sich der jüngste EU-Kommissar beim Blick auf Tausende krabbelnde Mehlwürmer interessiert.

Das Start-up „Alpha Protein“, vor zwei Jahren von zwei jungen Männern gegründet, will mit seiner vollautomatisierten Mehlwurmzucht die Herstellung von Futtermitteln revolutionieren.

Insekten sollen problematisches Fischmehl ersetzen

Was heute noch Fischmehl ist, könnte morgen aus Insekten bestehen. Genauso wertvoll zur Ernährung von Tieren, nur weniger problematisch. Und die Bruchsaler stellen die Infrastruktur her. Vereinfacht gesagt haben der Geschäftsführer Gia Tien Ngo und sein Mitgründer und technische Leiter Rohi Shalati ein Hochregallager entwickelt, in dem die Aufzucht von proteinhaltigen Insekten industriell bewerkstelligt wird. Der Prototyp besteht aus einem Gestell aus gestapelten Kisten, in denen Insekten zappeln, die vollautomatisch umgewälzt werden. Die Würmer werden gefüttert, die Kisten gereinigt und permanent überwacht - bis die Tiere „erntereif“ sind.

Und weil das Thema so viel Potenzial hat, will das heute 24-köpfige Bruchsaler Team die Insektenfarmen zumindest in Europa künftig gleich selbst betreiben. Virginijus Sinkevičius zeigte sich überzeugt von der Geschäftsidee beim kurzen internen Gespräch mit dem Geschäftsführer. Und der strahlte vor Glück über den hohen Besuch. Immerhin gilt es bis zur baldigen Erreichung der Serienreife weitere Fördermittel zu erlangen und Geldgeber zu überzeugen.

Mehlwürmer werden mit Abfällen gefüttert

Dass sein Metier für viele auf den ersten Blick nicht so appetitlich erscheint, nimmt Ngo sportlich. Er sieht in der industriellen Insektenzucht ein „riesiges Potenzial für die künftige Produktion von Futter- und Nahrungsmitteln“. Der Vorteil: Die Mehlwürmer, Grillen oder weiteres Getier können mit Abfällen gefüttert werden, Brotresten etwa. Upcycling nennt sein Partner Shalati das.

„Wenn sie frittiert sind, würde ich auf alle Fälle probieren“, erklärte der jüngste EU-Kommissar beim Blick in die Wurmkiste mutig. Und auch Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick hat bereits den Ekel überwunden. „Man muss das Kopfkino ausstellen“, sagte sie. „Ich bin überzeugt, das ist ein sinnvoller und zukunftsweisender Beitrag zur künftigen Ernährung der Weltbevölkerung.“

Wir wollen mit Insekten die Welt retten.
Rohi Shalati, technischer Leiter bei Alpha-Protein

Da durfte auch der Werbeblock für Bruchsal natürlich nicht fehlen: „Wir verstehen uns im Mittelzentrum als Innovationsmotor.“ Den haben Ngo, Shalati und das Team längst gezündet. „Wir wollen mit Insekten die Welt retten“, so Shalati selbstbewusst. „Corona hat gezeigt, wie wichtig es ist, autark zu sein“, pflichtet ihm Ngo bei. Heimisch produzierte Insekten könnten klassischem Futtermittel wie Soja aus Südamerika oder Fischmehl schon bald den Rang ablaufen.

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