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Wohnen im Denkmal

Alte Malz- und Tabakfabrik: Ministerin besucht beispielhaftes Bruchsaler Projekt

Einige Jahre stand sie leer, die denkmalgeschützte Malz- und Tabakfabrik in Bruchsals Zentrum. Nun kommen Wohnungen für höchste Ansprüche hinein.

Denkmaltour Razavi
Nicole Razavi, in der baden-württembergischen Regierung zuständig für Wohnen, schaut sich die ehemalige Malz- und Tabakfabrik in Bruchsal an. Architekt Fermin Alonso Gomez erläutert, was an alter Substanz in den Wohnungen erhalten bleibt. Links Ulli Hockenberger. Foto: Martin Heintzen

Als positives Beispiel für den Erhalt eines Denkmals durch moderne Nutzung bezeichnete Baden-Württembergs Ministerin Nicole Razavi (CDU) die Umwandlung der einstigen Malz- und Tabakfabrik in Bruchsals Kaiserstraße.

Die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen ist vier Tage lang im Land unterwegs – im Vorfeld zum Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag, 11. September. „Was kann einem Denkmal besseres passieren, als dass wieder Menschen einziehen? Es geht einem das Herz auf, wenn man sieht, wie hier in den Bestand investiert wird“, sagt Razavi.

Im vierstöckige Gebäude von 1890 mit Sandsteinsockel und rotem Backsteinmauerwerk versorgte Möbel Fuchs von 1974 bis 2016 vielen Menschen in Bruchsal und Umgebung mit Sofas, Küchen und Schlafzimmern.

Alte Malz- und Tabakfabrik in Bruchsal: Investor ist spezialisiert auf Denkmalnutzung

Die alte Fabrik stand seitdem leer, bevor sie Michael G. Weigel erwarb, um darin 18 Wohnungen mit höchsten Ansprüchen zu schaffen. „Sie sind inzwischen alle verkauft“, berichtete der auf Denkmalnutzung spezialisierte Investor.

Zwischen 70 und 200 Quadratmetern umfassen die Wohnungen. Eine Penthouse-Wohnung wird zusätzlich aufs Dach gesetzt, ohne die bekannt Optik zu zerstören. Im zweiten Quartal 2023 solle alles fertig sein, sagte Architekt Fermin Alsonso Gomez. Er hat für die Rückseite des Gebäudes neue Balkone geplant. Der alte Anbau mit dem Hinweis auf Möbel-Fuchs wird noch abgerissen, aber die Schornsteine bleiben erhalten. Derzeit sind sie niedriger als zuvor, die abgetragenen Steine aber noch vorhanden.

Gebäude der Architektur- und Heimatgeschichte

Ruth Cypionka vom Landesdenkmalamt erläuterte der Ministerin und ihrer umfangreichen Begleitung Geschichte und Gegenwart des für Bruchsal in vieler Hinsicht prägenden Gebäudes.

Zum Kreis bei der Besichtigung am Mittwochnachmittag gehörten Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos). Die OB erinnerte daran, dass auch einmal eine Hotel-Nutzung im Gespräch war für das Möbelhaus Fuchs. Dort hatte sich einst auch Landtagsabgeordneter Ulli Hockenberger (CDU) nach einer Küche umgeschaut.

Der Bau Kaiserstraße 27 ist nicht nur als Malzfabrik von Moritz Marx ein herausragendes Beispiel für schlossartige Industriebauten aus der Zeit des deutschen Kaiserreichs. In der Heimatgeschichte Bruchsal spielen die verschiedenen Besitzer, auch der Tabakfabrik, eine Rolle.

Säulen mit Jugendstil-Verzierungen bleiben erhalten

Die Wohnungen werden über das bestehende Treppenhaus und einen Fahrstuhl erschlossen. Prägend für den künftigen Raumeindruck werden die erhaltenen gusseisernen Säulen mit Jugendstil-Verzierungen und die sogenannten Preußischen Kappendecken. Dabei handelt es sich um typische Elemente für Industriebauten im 19. Jahrhundert mit T-Trägern und ausgemauerten Zwischengewölben.

„Wir sind mit vielen solchen Industriedenkmalen konfrontiert derzeit und der Frage, wie lassen sie sich nutzen“, sagte Claus Wolf, der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege. „Zum Glück halten alte Fabriken viel aus, auch Jahre, in denen sie leer stehen, bis der richtige Moment für die künftige Nutzung kommt. Dabei ist es nicht selbstverständlich, dass Wohnraum entsteht“, so Wolf.

Am Sonntag, 11. September, ist die Alte Malz- und Tabakfabrik in der Bruchsaler Kaiserstraße 27 zu besichtigen. Zwischen 10 und 12 Uhr gibt es Führungen.

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