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Wohnungsbau stockt

Am Bleichweg in Bruchsal soll mehr wachsen als nur das Unkraut

In Bruchsal wundert man sich schon lange über die Brache am Bleichweg. Längst sollten dort Wohnungen gebaut sein. Doch dort wächst bisher nur das Unkraut. Jetzt könnte Bewegung in die Angelegenheit kommen.

Da tut sich schon lange nichts mehr: In Bruchsal wundert man sich über die Brache am Bleichweg. Schon längst sollten dort Wohnungen bezogen sein. Jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen. Foto: Martin Heintzen

Dorothea Herzig wundert sich schon lange. Die Bruchsalerin wohnt in der Nähe des Bleichwegs. Von einem Zimmer ihrer Wohnung aus hat sie freie Sicht auf die Brache zwischen dem Weg und der Wilderichstraße und sieht das Unkraut sprießen.

„Warum tut sich da nichts? Das ist doch ein echtes Sahnestück“, sagt sie. Herzig hat Recht: Seit einigen Jahren herrscht auf der 4.500 Quadratmeter großen Fläche Stillstand. Innerstädtisch gut gelegen, angrenzend an den Schlossbezirk mit dem Schlossgarten sollte sie schon längst aufgewertet, sprich neu bebaut, werden.

Doch bislang kamen die Bagger nur, um das dortige Gebäude abzureißen, das zuletzt eine Bar war, aber auch einmal eine Videothek und ein Supermarkt. „Immerhin wird die Fläche inzwischen als Parkplatz genutzt, aber das kann doch nicht alles sein“, ergänzt die Anwohnerin.

Neuer Entwurf kriegt Zustimmung des Gemeinderats

Nein, das ist auch nicht der Plan. Und dass es dort nun weitergehen kann, dafür hat der Bruchsaler Gemeinderat inzwischen die Weiche gestellt. Noch vor den Sommerferien einigte sich die Stadträte darauf, wie die Fläche gegenüber der Johann-Peter-Hebel-Schule bebaut werden soll.

Vor mehr als sechs Jahren hatte alles vielversprechend angefangen. Eigens war ein Architektenwettbewerb ausgelobt worden. Die Jury hatte sich schon auf einen Entwurf geeinigt. Der Siegerentwurf sollte für eine eigene Planung dienen, abgestimmt zwischen den Stadtplanern und dem Investor. 20 Millionen Euro wollte der für den Bleichweg in die Hand nehmen. Von einem Einzug ab 2017 war die Rede.

2017 zog der Gemeinderat die Reißleine

Doch die gemeinsamen Pläne wollten sich nicht so recht entwickeln. Es knirschte ganz schön, auch viele Stadträte waren unzufrieden. Bei einer Sitzung des Gemeinderats im Juli 2017 zogen diese dann die Reißleine, nachdem ihnen die vorgeschlagene Nachverdichtung des Gebiets zu weit gegangen war. 60 Prozent mehr an der Bruttogeschossfläche standen im Raum. Ein weiterer Knackpunkt: Eines der vorgesehenen Punkthäuser wäre mit geplanten neun Geschossen höher als das Bruchsaler Schloss gewesen.

Der Plan wurde abgelehnt. Das Unkraut konnte sprießen. Inzwischen arbeitet der Investor, die Fränkle-Unternehmensgruppe, mit dem Bauunternehmen Heberger zusammen und hat einen überarbeiteten Entwurf vorgelegt. Dieser orientiert sich nun wieder stärker am ersten, dem ursprünglichen Siegerentwurf. Zwei Punkthäuser, das eine fünf das andere sechs Geschosse hoch, sind geplant, dazu ein Riegelgebäude an der Wilderichstraße und ein Parkhaus mit 129 Stellplätzen. 68 Wohnungen unterschiedlicher Größe und Zuschnitte sollen entstehen.

Das Stadtplanungsamt findet diese Konzeption nachvollziehbar und städtebaulich gerade noch akzeptabel.
Sitzungsvorlage für den Gemeinderat

In der Sitzungsvorlage heißt es: „Das Stadtplanungsamt findet diese Konzeption nachvollziehbar und städtebaulich gerade noch akzeptabel.“ Begeisterung klingt anders, aber dennoch ist man im Rathaus froh, eine Lösung für den Bleichweg gefunden zu haben. „Wir haben es geschafft, dass eine hohe Wohnqualität geschaffen und eine soziale Durchmischung erreicht wird“, sagt Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos).

Sozialgebundene Mietwohnungen eingeplant

Nach den baulandpolitischen Grundsätzen, die sich die Stadt Bruchsal Ende 2019 selbst auferlegt hat, ist bei Bauprojekten der soziale Wohnungsbau zu berücksichtigen. So auch im Bleichweg. Nach Angaben der Stadtverwaltung sollen 20 der 68 geplanten Wohneinheiten sozialgebundene Mietwohnungen sein.

Nun hat der Gemeinderat den Entwurf verabschiedet. Wie lange dauert es also noch, bis die Brache am Bleichweg verschwindet? Eine Weile. Denn nun muss erst einmal das Bebauungsplanverfahren vorangetrieben werden. Dafür steht als nächstes die Planoffenlage an, bei der sich unter anderem Behörden, Verbände oder auch Anwohner äußern können. In unmittelbarer Nähe in der alten Tabakfabrik, die früher ein Möbelhaus beherbergten, entstehen derweil 18 exklusive Wohnungen.

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