Skip to main content

Lokale Geschichtsschreibung

Wie die Stadt- und Gemeindearchive im Landkreis Karlsruhe Corona dokumentieren wollen

Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren. Auch in den Aufzeichnungen der Kommunen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Wege, wie die Ereignisse der aktuellen Zeit der Nachwelt überliefert werden. Dies zeigt eine kleine Umfrage unter Archivaren im Landkreis.

Stadtarchivarin Tamara Frey hat in Bruchsal bereits mehrere Ordner zum Thema Corona angelegt. Foto: Thomas Moos

Wie schnell vergisst man Ereignisse, die man nicht selbst erlebt hat, und was kann man dagegen tun? Diese Fragen haben sich schon viele Menschen in der Vergangenheit gestellt und deshalb angefangen, wichtige Dokumente und Informationen aufzuheben. Wie ist es aber heute, wer hält die Details zu Ereignissen wie der Coronapandemie für die Nachwelt wie fest?

Eines ist zumindest klar, es wird nicht mehr nur analog archiviert, sondern auch digital. Das bestätigt die Bruchsaler Stadtarchivarin Tamara Frey. Bei ihr hält auch die Pandemie und deren Auswirkungen Einzug in die Aufzeichnungen. „Den einen Coronaordner gibt es nicht, sondern mehrere“, sagt sie. Die gesammelten Informationen beziehen sich hauptsächlich auf Bruchsal.

Frey erklärt, dass zum Beispiel die Videobotschaft der Oberbürgermeisterin zum Gedenken an die Coronaopfer in einem digitalen Ordner archiviert wurde. Allerdings hat man neben Archivalien zur Stadtpolitik und der Verwaltung auch einen Aufruf an die Bevölkerung gestartet, selbst Berichte einzusenden, die dann für die Zukunft festgehalten werden.

Bruchsaler können eigene Corona-Erlebnisse ins Archiv beisteuern

„Der Rücklauf blieb hinter den Erwartungen zurück, doch wir freuen uns über jeden dieser Berichte“, sagt die Stadtarchivarin. Trotz der geringen Rückläufe bestehe für jeden Bruchsaler weiterhin die Möglichkeit, einen persönlichen Bericht zur eigenen Situation in der Coronazeit einzusenden. Das ist einmalig, zur Spanischen Grippe gibt es nahezu gar keine Archivalien, geschweige denn Selbstberichte. Für die Forschung der Zukunft kann dies jedoch von enormer Bedeutung sein.

Auch im Stadtarchiv in Waghäusel sammelt man Informationen für die Nachwelt, ebenfalls mit Bezug auf die Große Kreisstadt selbst. „Bei der Arbeit im Stadtarchiv Waghäusel steht an erster Stelle die gesetzliche Pflichtaufgabe der Archivierung der bei der Stadtverwaltung geführten Unterlagen“, erklärt dort die Stadtarchivarin Katja Hoffmann.

Allerdings sei auch in Waghäusel die Bewahrung von anderen Informationen für die Nachwelt interessant. Dies geschehe etwa durch „Presseberichte, Fotos, Film- und Tonbeiträge, Vereinsveröffentlichungen, oder auch durch private Nachlässe und Schenkungen“, wie Hoffmann aufzählt.

Corona-Pandemie wohl am besten dokumentierte Krise der Weltgeschichte

In Östringen werden ebenso vor allem öffentliche Dokumente und Artikel aus den Stadtnachrichten dokumentiert, wie die Leiterin des Heimatmuseums Gabriele Offner erklärt. „Wir können auch in 20 Jahren noch nachvollziehen, was in der Stadt bezüglich Corona geschehen ist“, sagte sie.

Fasse man die Archivalien aller Archive in Deutschland und der Welt zum Thema Corona zusammen, werde man in hundert Jahren eine derart ausführliche Informationslage haben, wie zu keiner Pandemie jemals zuvor, ist sich Offner darüber hinaus sicher.

nach oben Zurück zum Seitenanfang