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Großnichte von Babette Ihle hat Skulptur gestiftet

Auf den Spuren von Bruchsals bekannter Mundartdichterin

In Bruchsal ist ein Platz nach Babette Ihle benannt. Und eine Skulptur der von 1871 bis 1943 lebenden Mundartdichterin fehlt seit 2013 auch nicht. Wer war die Frau?

Rosemarie Ihle (links) hat die Skulptur ihrer Großtante Babett Ihle gestiftet. Sie befindet sich mitten in Bruchsal auf einem Platz an der Stadtkirche, der seit einigen Jahren nach der Mundartdichterin und Marktfrau benannt ist. Die „Bawtt” wird auch über 75 Jahre nach ihrem Tod als Bruchsaler Persönlichkeit gewürdigt. Foto: Martin Heintzen

Da sitzen sie einträchtig beieinander. Die historische Bruchsaler Mundartdichterin und ihre Großnichte. Babette Ihle, legendäre und immer noch bekannte Bruchsalerin mit Rosemarie Ihle, pensionierte Gymnasiallehrerin und Stifterin der Babette-Skulptur bei der Stadtkirche.

Wortgewand, schlagfertig, am öffentlichen Leben interessiert, davon erzählend und und es pointiert kommentierend. So wird die von 1873 bis 1943 lebende Marktfrau und Dichterin Babette, genannt Bawett, charakterisiert. Und diese Eigenschaften blitzen im Gespräch mit ihrer Nachfahrin auf.

Kein Wunder, dass sich Rosemarie Ihle gern mit der Schwester ihres Großvaters Josef beschäftigt. „Von Babettes Initiative und Unternehmungsgeist könnte so mancher Zeitgenosse etwas lernen. Sie lehnte eine Bevormundung durch den Staat ab. Sie war konservativ, christlich, katholisch, also eine typische Bruslerin.”

Aber der Eigenanbau ihres Obst und Gemüses ist aktuell und ihr Werk ist natürlich ein Zeitdokument“ , meint ihre Großnichte. Dabei hat sie sich erst relativ spät auf die Spuren der Vorfahrin begeben. Es begann in den 2000er Jahren, als Bruchsals Frauengeschichte in den Blickpunkt rückte.

Der 150. Geburtstag von Ihle steht im Jahr 2021 an

Mit dabei unter anderem Inge Ganter und Ilse Kölmel. Durch sie erfuhr Rosemarie Ihle mehr über Babett und begann mit einer umfangreichen Materialsammlung. Denn aus Familienbesitz war ihr neben Erzählungen kaum etwas schriftlich hinterlassen worden.

„Außer zwei längeren Texten ’Frieher un Heit’ und „“Wie’s de Rosl em Diene gange isch“ von 1929, ist auch nichts Originales öffentlich zugänglich. Ich hätte gern gehabt, dass zur Enthüllung zur Skulptur von Pieter Spohl 2013 eine Sammlung erscheint, das hat leider nicht geklappt, aber das kann ja noch werden”, meint Rosemarie Ihle. Die Dolmetscherin und Lehrerin für Deutsch und Englisch weiß natürlich um die anderen Bemühungen, Babettes Werke zu würdigen.

Das Theater „Die Koralle” zeigte ebenfalls in den 2000er Jahren mehrere Programme als Hommage, die von von Stefan Schuhmacher und Ilse Kölmel realisiert wurden. Und vielleicht gibt es ja bei der Stadt oder bei Verlagen neue Initiativen mit Blick auf den 150. Geburtstag der Dichterin, der 2021 ansteht.

Babette Ihle war Marktfrau in Bruchsal und lebte von 1871 bis 1943. Sie ist bis heute eine bekannte Brusler Mundartdichterin geblieben. Foto: Archiv.

Denn noch immer fasziniert vor allem der heitere poetische Einsatz des Dialekts bei der „Bawett”, wie die als Barbara getaufte Marktfrau in Bruchsal genannt wird. ‘”Uff oimol do gehts Hofdor uff / Un zu de Schdäg (Treppe) ruft äbber ruf: / Häh! seidr heit deham do howe? Häh! Hehret denn dir nix do drowwe?” So heißt es in der Geschichte der Rosl in kräftiger Mundart.

„Bruslerisch” ist ein Teil jene Dialekts, der in Baden zwischen dem Raum Karlsruhe über den Kraichgau bis hin zum Main gesprochen wird und wissenschaftliche Südfränkisch heißt. Auch wenn diesen Begriff kein Sprecher benutzt. Aber kann so man diese Mundart vom Kurpfälzischen, Schwäbischen und Alemannischen abgrenzen.

Bawett schrieb über Vereinsausflüge, die Eisenbahn oder Jubilare, über den Markt und auch die erste Reichstagswahl 1919. Dabei forderte sie die Frauen zur Beteiligung auf und empfahl die Zentrumspartei. Bei privaten oder Fastnachtsauftritten wurden die meist langen Gedichte vorgelesen.

Babette lebte mit fünf Brüdern in der Württemberger Straße 106, sie sang im Chor der Pfarrei St. Peter und hat nie geheiratet. Begraben ist sie auf dem Friedhof hinter der Barockkirche.

Auch Rosemarie Ihle blieb unverheiratet. Im Gegensatz zu Babett konnte sie nach dem Besuch des Justus-Knecht-Gymnasiums die Welt sehen, unter anderem mit einem Sprachstipendium nach Seattle. Sie lebt in Heidelberg und Bruchsal und wie man sie kennt, wird sie in ihrem bereits starken Engagement für die Dichterin nicht nachlassen.

Sie kann sich beispielsweise vorstellen, die Skulptur bei der Stadtkirche mit technischen Möglichkeiten des Smartphones zum Sprechen zu bringen.

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