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Obst-Gen-Garten

Besucher können in Bad Schönborn seltene Apfelsorten ernten

Die Tourist-Information Bad Schönborn und der Arbeitskreis Heimat, Natur und Umwelt lud zur ersten Apfelwoche in den Obst-Gen-Garten ein. Besucher konnten dort ihre Lieblingssorten direkt selbst pflücken.

Im Obst-Gen-Garten konnten die Teilnehmer an der Bad Schönborner Apfelwoche selbst Obst ernten Foto: Petra Steinmann-Plücker (psp)

Die Veranstalter der Apfelwoche staunten nicht schlecht, als sich mehr Menschen als erwartet versammelten. Klaus Heinzmann, Leiter der Tourist-Information in Bad Schönborn, und Erwin Holzer, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimat, Natur und Umwelt (AHNU) Bad Schönborn, zählten an einem sonnigen Oktobertag über 20 Besucher beim Auftakt zur ersten Apfelwoche in der Kurgemeinde.

Vor zwei Jahrzehnten gründete der AHNU den „Obst-Gen-Garten“, um vor allem alte, selten gewordene und regionale Obstsorten zu erhalten. Inzwischen gedeihen auf dem zwei Hektar großen Areal gut 250 Bäume. Sie tragen vor allem Äpfel und Birnen, aber auch Nüsse, Kirschen, Pflaumen oder Zwetschgen.

Eigentlich waren rund um den Apfel zwei Termine geplant. Mit einer Führung durch den Garten und einem Erntetag sollte das Obst beim Kooperationsprojekt von Tourist-Information und AHNU so in den Mittelpunkt gerückt werden. Doch aufgrund der Wettervorhersage wurde beides auf einen Tag gelegt, was die Planung der Besucher, die unter anderem aus Stutensee und Bruchsal anreisten, vereinfachen sollte.

Die Streuobstwiese ist Lebensraum für tausende Tierarten

Zunächst berichtete Klaus Heinzmann davon, dass die „Streuobstwiesen mit den Heilquellen zum großen Schatz von Bad Schönborn“ gehöre. Laut Erwin Holzer wurde der Begriff „Streuobstwiese“ tatsächlich erst in den 70-er Jahren geprägt. Im Gegensatz zum Spalierobstbau, wo Obstbäume an einem Gerüst befestigt werden, stehen auf der Streuobstwiese unterschiedliche Obstbäume verteilt auf der Wiese.

Tausende Tierarten würden dort ihren Lebensraum finden, sagt Holzer. Der Obst-Gen-Garten ist auch eine Erhaltungsstätte und bietet eine genetische Vielfalt. Vor allem Äpfel, bei denen das Risiko einer allergischen Reaktion aufgrund ihres hohen Gehaltes an Bitterstoffen gering sei. Nach einem Ausflug in die Geschichte des Apfels und nach Almaty, der kasachischen Stadt des „Urapfels“, ging der Obstexperte der Frage nach der Seele des Baumes nach.

Dabei versuchte er die Besucher davon zu überzeugen, dass ein Baum ein Gehirn habe. Er nannte eine Reihe von Fakten, um seine Überlegungen zu belegen: Von der Hormonbildung, der Erzeugung von Abwehrstoffen gegen Ungeziefer, bis zum jährlichen Wechsel in der Blütenbildung, mit der sich der Obstbaum eine Erholungsphase verschafft.

Besucher bei der Apfelwoche in Bad Schönborn: „Kaiser Wilhelm“ im Körbchen

Beim Gang durch den Garten befüllten die Gäste ihre zur Verfügung gestellten Körbchen mit den Apfelsorten „Kaiser Wilhelm“ und „Börtlinger Weinapfel“. Außerdem übten sie sich am Teleskop-Obstpflücker, um die höher hängenden Früchte ernten zu können.

Werner Frick kam sogar aus Flehingen für den Aktionstag angereist. Er setzt sich für alte Obstsorten und den Erhalt von Streuobstwiesen ein und freut sich, dass „hier so ein Paradies für traditionellen Obstanbau“ geschaffen wurde. Zum Abschluss der ersten Bad Schönborner Apfelwoche kam die mobile Apfelsaftpresse beim Feuerwehrhaus Mingolsheim zum Einsatz. Hier wird im Herbst aus Äpfeln des Obst-Gen-Gartens und von anderen Streuobstwiesen Saft hergestellt und in Kanister abgefüllt.

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