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Bad Schönborner Revierleiter geht in Ruhestand

Bad Schönborner Revierleiter Gerd Volland geht nach 42 Jahren in Ruhestand

42 Jahre Polizist – Gerd Volland blickt auf ein langes Berufsleben zurück. Der Bad Schönborner Revierleiter scheidet Ende November aus dem Polizeidienst aus. „Ich kann gut loslassen“, sagt er kurz vor seinem Abschied. Statt dem Streifenwagen wartet jetzt das E-Bike.

Positive Bilanz: Gerd Volland ist Leiter des Polizeireviers Bad Schönborn und geht Ende November in Ruhestand. Er ist mit sich und seiner Arbeit im Reinen. Foto: Marc Gundermann

Die Praktikanten und jungen Kollegen – sie imponieren dem Ersten Polizeihauptkommissar Gerd Volland. Als Leiter des Polizeireviers Bad Schönborn hat er regelmäßig mit Berufseinsteigern zu tun. „Die meisten haben es sich gut überlegt, welche berufliche Zukunft sie einschlagen möchten“, beschreibt er seinen Eindruck. Auch wenn die jungen Frauen und Männer erst einen Umweg gehen – ein Studium beginnen oder eine andere Ausbildung machen –, so folgten sie am Ende doch ihrem Herzen.

Die einen stehen am Anfang ihrer Karriere, für Gerd Volland geht seine nun nach 42 Jahren zu Ende. „Ich gehe in einer Phase, in der ich noch völlig gesund bin, darüber bin ich sehr glücklich“, sagt der 60-Jährige. Auf ihn warten nun ein neues E-Bike für Touren mit seiner Frau, sein Engagement im Verein und Lions Club sowie drei Enkelkinder – und „ein Enkelhund“, wie er lachend ergänzt.

Nur Liegenschaften sorgen für Ärger

42 gute Jahre, so zieht er gerade persönlich Bilanz. Bei seiner Abschiedsfeier möchte er aber auch über die Entwicklung der Polizei selbst sprechen. Eine zeitgemäße Ausstattung, eine moderne Technik und Fahrzeugflotte, dazu eine gute Ausbildung – vieles habe sich zum Besseren verändert. Nur die Liegenschaften sorgten durch Mängel oder fehlende Funktionalität immer wieder für Ärger. Volland ist selbst mit einer Dauerbaustelle Leid geprüft, seit acht Jahren wird der neue Polizeiposten in Ubstadt-Weiher einfach nicht fertig.

In Bad Schönborn war Volland nach zwölf Jahren als Referatsleiter wieder näher an der polizeilichen Arbeit dran. Bei großen Lagen ging er bewusst mit seinen Kollegen raus. „Das war die Erwartung anderer an mich und das war auch meine eigene Erwartung.“ Er lobt seine Kollegen und das gute Miteinander im Revier, den Austausch mit den Kommunen und ihm gefällt auch der Menschenschlag, der im nördlichen Landkreis lebt. „Die Leute sind sehr freundlich und offen. Die Polizei erfährt hier noch große Anerkennung.“

Einsätze, die ein Polizistenleben prägen

Einsätze und Fälle, die ein Polizistenleben prägen, kennt auch Volland. Nie hat er den Blick einer Mutter von vier Kindern vergessen, als sie erfuhr, dass ihr Mann in Karlsruhe von einem betrunkenen Autofahrer überfahren worden war. Wie nahe ihm dieser Fall heute noch geht, kann und will Volland nicht verbergen. „So etwas lässt niemanden kalt.“ Als er in den Beruf einstieg, war man als Polizist jedoch noch der harte Mann. Solche Geschehnisse machte man mit sich oder bestenfalls mit den Kollegen seiner Dienststelle aus. Anders heute: psychologische Schulungen gehören zur Ausbildung, eine psychosoziale Betreuung zum Arbeitsalltag. „Wir müssen selbst gesund bleiben.“

Fitness allein reicht nicht

Denn es gehe in diesem „sehr körperlichen Beruf“ eben nicht nur um eine große Fitness, sondern auch um eine starke Präsenz, die sich durch „Stressfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Empathie im Umgang mit Menschen“ zeige. „Wir treffen auf Menschen aller Couleur. Sie so anzunehmen, wie sie sind, das ist die größte Herausforderung.“ Und sie wird nicht kleiner, im Gegenteil sinke seit Jahren in der Bevölkerung die Akzeptanz gegenüber dem Gesetz und damit gegenüber der Polizei.

Volland verweist auf die Krawallnächte von Stuttgart, aber auch auf den Umgang mit den geltenden Corona-Verordnungen. „Es ist wichtig, den Menschen zu erklären, warum und wie wir vorgehen und warum wir eine Maßnahme während eines Einsatzes durchsetzen müssen“, erklärt Volland. Für seine Kollegen sei eine professionelle Distanz bei solch schwierigen Einsätzen unverzichtbar: „Ich sage mir immer, der meint nicht mich als Person, sondern die Uniform, also den Staat.“

„Wenn die Polizei aufhört, das zu sein, was sie ist, dann ist der Staat am Ende.“
Gerd Volland, Bad Schönborner Revierleiter

Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten, Gefahren durch Extremismus und Terrorismus oder auch die Auseinandersetzung mit Reichsbürgern sind für die Männer und Frauen bei der Polizei heute Alltag. Aber auch die Behörde selbst gerät in die Kritik, zuletzt machten Chat-Gruppen Schlagzeilen, die rechtes Gedankengut austauschten. In Baden-Württemberg sieht Volland die Polizei nicht vor solchen Problemen wie etwa in Nordrhein-Westfalen. „Wir haben gutes Personal, nur leider zu wenig. Bei der Einstellung treffen wir eine sehr genaue Auswahl“, ist er sich sicher. Wichtiger Teil der Ausbildung sei die Vermittlung demokratischer Grundwerte. „Und als Vorgesetzter muss man sich auch mal einer schwierigen Diskussion mit den Kollegen stellen.“ Denn eines macht Volland im Gespräch sehr deutlich: „Wenn die Polizei aufhört, das zu sein, was sie ist, dann ist der Staat am Ende.“

Werdegang

Seinen Werdegang begann Gerd Volland 1978 bei der Bereitschaftspolizei in Lahr. Danach wechselte er zum Polizeipräsidium Karlsruhe und trat dort seine erste Stelle beim (inzwischen nicht mehr existierenden) Polizeirevier Mühlburg an. 1987 ging er an die Hochschule und wechselte mit dem Abschluss in den gehobenen Dienst. Er arbeitete in verschiedenen Revieren als Dienstgruppenleiter. 2009 wurde Volland zum Revierleiter in Bad Schönborn ernannt. Davor hatte er zwölf Jahre das Referat Aus- und Fortbildung im Karlsruher Polizeipräsidium geleitet.

Rund 60 Beschäftigte unterstehen Volland in Bad Schönborn mit den drei Polizeiposten in Kraichtal, Östringen und Ubstadt-Weiher. Im Zuständigkeitsbereich leben rund 60.000 Menschen, es umfasst eine Fläche von 210 Quadratkilometern. Ab dem 1. Dezember übernimmt Gerald Gack als Revierleiter.

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