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Sportstudie

KIT untersucht in Bad Schönborn seit 29 Jahren die Ursachen für körperliche Fitness im Alter

Was hält Menschen bis ins hohe Alter gesund? Das untersucht das Sportinstitut am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) seit 29 Jahren in Bad Schönborn. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Auch Corona spielt eine Rolle.

Teilnehmerin von Anfang an: Gerda Wünsch-Hartwig hält sich im Rahmen des Projekts „Gesundheit zum Mitmachen“ fit. Seit 29 Jahren läuft das Projekt des KIT-Sportinstituts in Bad Schönborn. Foto: Heike Schaub

5,6 Kilogramm haben die Menschen in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie durchschnittlich zugenommen. Grund ist vor allem Bewegungsmangel – Sportvereine und Fitnessstudios mussten lange schließen. Da kommt die Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“ des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zur rechten Zeit.

Sie erforscht in Bad Schönborn die Zusammenhänge zwischen körperlich-sportlicher Aktivität, Fitness und Gesundheit im mittleren und späten Erwachsenenalter. Was hält den Menschen auch im Alter gesund? Am Mittwoch wurde in der Schönbornhalle die sechste Untersuchungsreihe mit bis zu 480 Teilnehmenden vorgestellt. Auch die Folgen von Corona werden untersucht.

Einige der sportlich Aktiven machen bereits seit 29 Jahren mit. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Alexander Woll, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am KIT, attestiert beispielsweise den Teilnehmern Gerda Wünsch-Hartwig (74) und Jochen Jentsch (73) eine überdurchschnittliche Fitness. Gegenüber der ersten Untersuchung im Jahr 1992 habe sie sich nur um 15 Prozent verschlechtert.

Positive Ergebnisse schon mit moderater Bewegung
Jochen Jentsch, Studien-Teilnehmer aus Bad Schönborn

„Drei- bis viermal pro Woche gehe ich mit meiner Frau spazieren“, beschreibt Jentsch sein Patentrezept. Im Sommer kommen Schwimmen und Radfahren dazu. Der Vergleich mit anderen Studien-Teilnehmern ist seine Motivation. „Ich bin überrascht, dass man durch moderate Bewegung bereits relativ positive Ergebnisse erzielen kann“, so der agile 73-Jährige.

Die Neugierde hat Gerda Wünsch-Hartwig 1992 zur Teilnahme motiviert. Über einen Zeitraum von fast 30 Jahren sieht die 74-Jährige, wie sich ihre Fitness verändert hat. Das Gewicht konnte die begeisterte Radfahrerin halten und Muskeln aufbauen. „Mit zwei Stunden Radfahren, Walken oder Schwimmen pro Woche hat man ein fünffach niedrigeres Risiko, an Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herzinfarkt zu erkranken“, zitiert Woll die Ergebnisse aus der Studie 2015.

Jentsch und Wünsch-Hartwig seien der beste Beweis: Der Sport-Professor attestiert ihnen eine biologische, um 20 Jahre jüngere Fitness.

Untersuchungen laufen bis Ende Juli

Ob Fitness die Folge von Genetik oder individuellem Lebensstil ist, das sollen die Untersuchungen zeigen. Sie laufen noch bis Ende Juli. 428 Menschen aus Bad Schönborn haben bereits teilgenommen. Bis zu 480 werden es nach Einschätzung des Sportinstituts werden.

Zwei Stunden dauert die kostenlose Untersuchung in der Schönbornhalle. Die Teilnehmer müssen einen Fragebogen zu Lebensstil und sportlichen Aktivitäten ausfüllen. Der Body-Mass-Index wird ebenso ermittelt wie Blutwerte oder die Körperfettzusammensetzung.

Nach einem halbstündigen Gespräch mit einem Arzt schließt sich ein Parcours mit 15 Stationen an. Getestet werden Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Jochen Jentsch steht dazu beispielsweise auf einem Bein zwischen zwei Kegeln und versucht mit dem anderen Bein eine Acht nachzuzeichnen. Gleichgewichtssinn und Koordination werden so überprüft.

Überdurchschnittlich fit: Jochen Jentsch stellt Koordination und Beweglichkeit beim Projekt „Gesundheit zum Mitmachen“ unter Beweis. Foto: Heike Schaub

Die Auswertung der Tests soll es im Herbst geben. Untersucht wird dabei auch, wie sich die Fitness der heute 35- und 55-Jährigen gegenüber 1992 verändert hat. Einige der Teilnehmer hatten Corona. Welche Folgen hat das? Das ist eine andere Frage.

KIT-Fitnessstudie mit ganzheitlichem Ansatz

Mit der Studie verfolgt das Sportinstitut einen ganzheitlichen Ansatz: Abgefragt wird auch, wie zufrieden die Teilnehmer mit ihrem Leben sind. Soziale Unterstützung, Lebensfreunde und Sinnhaftigkeit sind nach Beobachtung von Professor Woll eine wichtige Schutzfunktion im Alter. Das bestätigt Teilnehmerin Wünsch-Hartwig. Sie verweist auf ihre sinnstiftende Mitgliedschaft in einem Gesangverein.

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