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Gemeinderatssitzung

Kritik von den Eltern: Die Musikschule in Bad Schönborn muss umziehen

Seit Anfang Dezember mehren sich über verschiedene Kanäle Stimmen und Meinungen in Bad Schönborn. Im Zentrum steht die Musikschule Mehrklang. Von Schließung und „Zerstörung“ ist die Rede.

Altes Rathaus am Marktplatz Mingolsheim
Im alten Rathaus am Mingolsheimer Marktplatz war bisher die kommunale Musikschule Mehrklang untergebracht. Nun zieht das Bauamt von Langenbrücken hier ein. Foto: Petra Steinmann-Plücker (psp)

„Die Musikschule in Bad Schönborn macht zu“. Mit dieser Nachricht wendet sich der Vater einer Musikschülerin Anfang Dezember an diese Redaktion. In der Gemeinderatssitzung am 12. Dezember hakte ebenfalls ein Vater nach und wollte wissen, „ob Räumlichkeiten für die Musikschule in Aussicht stehen“ würden, wie und wann die Gemeindeverwaltung die Eltern informieren wolle.

Auch wies er darauf hin, dass der Unterricht der Musikschule Mehrklang seit einem halben Jahr in der Grundschule Langenbrücken unter nicht optimalen Bedingungen stattfinden müsse. In derselben Sitzung taucht im Rahmen der Vorberatungen zum Haushaltsplan eine zusätzliche Ausgabenposition über 60.000 Euro für den Umbau der Fabrik Bös in Mingolsheim zur Nutzung als Musikschule auf.

Am 16. Dezember macht Hagen Bleeck, Lehrer an der Musikschule Mehrklang, seinem Ärger auf Facebook Luft. Er spricht von „mangelhaftem Informationsfluss“, mache sich Sorgen um die Jugendarbeit, davon, dass Zerstören schnell gehe, Wiederaufbau oft sehr lange dauern würde. Und auch hier reagiert ein Nutzer mit: „Wie, die Musikschule macht zu?“

Um herauszufinden, was da nun tatsächlich die Gemüter so beschäftigt, bedarf es eines Blickes in die Vergangenheit, Gesprächen mit Bürgermeister Klaus Detlev Huge (SPD) und dem Mehrklang-Leiter Ulrich Brückmann sowie Stift und Papier. Letzteres, um die Zusammenhänge aufzudröseln, denn die sind komplex.

Träger der Musikschule in Bad Schönborn ist die Gemeinde

Zunächst einmal: Träger der Musikschule Mehrklang ist die Gemeinde Bad Schönborn. Vor 48 Jahren gegründet und zunächst Mitglied der MuKS Bruchsal, entschied der Bad Schönborner Gemeinderat 1992, die damalige Jugendmusikschule als gemeindeeigene Einrichtung zu führen.

Zum 40-jährigen Bestehen wurde sie in Musikschule Mehrklang umbenannt, weil nicht mehr nur Jugendliche das Angebot nutzten. Finanziert werde die Einrichtung durch Unterrichtsentgelte, Zuweisungen und Spenden, informierte Schulleiter Brückmann den Rat vor zwei Jahren.

Das decke knapp 40 Prozent der jährlichen Gesamtkosten in Höhe von 962.000 Euro, das Defizit von fast 600.000 Euro übernehme die Gemeinde, so Huge. Seit 1995 findet der Unterricht in den alten Rathäusern der Ortsteile statt.

Langenbrücker Rathaus muss geräumt werden

Vor rund zwei Jahren fiel die Entscheidung, das bislang in Langenbrücken beheimatete Bauamt nach Mingolsheim umzuziehen und dafür die Räume im alten Rathaus zu nutzen. Dafür sollte die Musikschule einen neu zu errichteten Anbau in der Mone-Schule erhalten.

Eine Fassadensanierung des „neuen“ Rathauses in Langenbrücken war vorgesehen. Nun spitzte sich die Lage allerdings zu, und das gleich an mehreren Fronten.

Wegen Wassereinbrüchen sei es mit einer neuen Fassade nicht getan, Schimmelbefall gefährde die Gesundheit der Rathausmitarbeiter in Langenbrücken, weshalb ein sofortiger Umzug des Bauamtes nach Mingolsheim unausweichlich sei, erklärte der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung.

Auch Bürgerbüro und Standesamt mussten umziehen. Zunächst werde im neuen Rathaus zusammengerückt, bis ein Umzug ins benachbarte alte Rathaus möglich sei.

Wir sind unglücklich, dass wir gleichzeitig aus beiden angestammten Gebäuden raus müssen.
Ulrich Brückmann
Leiter Musikschule Mehrklang Bad Schönborn

Musikschulunterricht soll in verschiedenen Örtlichkeiten erfolgen

Da in diesem Jahr aber auch das Gebäude der Musikschule in Langenbrücken im Zuge der Neugestaltung Huttenstraße saniert wurde und nur eingeschränkt bis gar nicht nutzbar war, der Unterricht verlagert werden musste, stieß diese doch sehr überraschende Nachricht des raschen Auszuges nicht eben auf Begeisterung bei Mehrklang.

„Unglücklich“ sei man, „dass wir rausmüssen, und zwar gleichzeitig aus beiden angestammten Gebäuden und das nicht als Zwischenlösung. Es wird dann Musikschule für Jahre nur verteilt über örtlich unterschiedlichste Räumlichkeiten geben“, so Mehrklang-Leiter Brückmann auf Nachfrage.

Lösungssuche soll im Dialog stattfinden

Im Dialog mit allen Verantwortlichen werde nach Lösungen gesucht, um die nächsten drei Jahre zu überbrücken, gab Bürgermeister Huge an. Gerade werden mehrere Alternativen geprüft. Allerdings sei der Anbau der Mone-Schule vom Tisch, da er nicht schnell genug realisierbar sei.

Saniertes „neues“ Rathaus in Langenbrücker als kultureller Treffpunkt diskutiert

In Langenbrücken werde das Bürgerbüro im Erdgeschoss des alten Rathauses angesiedelt und der große Saal als Trauzimmer umgewidmet, der zusätzlich auch von der Musikschule genutzt werden könne. Als Perspektive werde im Rat diskutiert, in drei Jahren das dann sanierte „neue“ Rathaus Langenbrücken als kulturellen Treffpunkt zu nutzen und dort die Musikschule anzusiedeln.

Eine solche Einrichtung leiste sich die Gemeinde deshalb, weil sie „einen wichtigen kulturellen Beitrag für die Ortsgemeinschaft“ darstellt und alles getan werde, um „ein geeignetes Zuhause“ für Mehrklang zu finden. Sobald „eine Lösung sich verfestigt, werden die Eltern und die Öffentlichkeit informiert“, so Bürgermeister Huge.

Die Musikschule leistet einen wichtigen kulturellen Beitrag für die Ortsgemeinschaft.
Klaus Detlev Huge
Bürgermeister Bad Schönborn
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