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Die Gleise unterqueren

Millionenprojekt in Bruchsal: Neue Bahnhofs-Unterführung ist endlich offen

Ein Jahr länger als geplant hat es gedauert. Nach 100 Jahren Trennung ist die neue Unterführung am Bahnhof Bruchsal ein wichtiger Durchbruch – mit einem kleinen Schönheitsfehler.

Eingeweiht: Die neue Unterführung am Bahnhof Bruchsal war mit einer Mauer aus Umzugskartons optisch abgetrennt. Sie wurde von den am Bau Beteiligten symbolisch eingerissen. Foto: Martin Heintzen

Die eigentliche Öffnung dauerte nur Sekunden: Mit kräftigen Schubsern wurde am Freitagnachmittag die symbolische Mauer aus mit Graffiti besprühten Umzugkartons eingerissen.

Die Kartons versperrten bei der Einweihung der Gleisquerung am Bahnhof Bruchsal die Sicht auf die bestehende Unterführung. Dahinter verfolgten einige Schaulustige die Einweihung des „epochalen Projekts“.

Wie wichtig die direkte Verbindung für die Entwicklung Bruchsals ist, das würdigte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) in ihrer Ansprache. 100 Jahre trennten die Gleise das Stadtgebiet. Da fällt auch das Jahr Verzögerung durch einen Statikfehler im Vordach nicht wirklich ins Gewicht.

Gelände beim alten Güterbahnhof war jahrzehntelang Brache

Mit Bedacht wurde der Baggerbiss auf den 1. März 2019 gelegt: Am 1. März 1945 zerstörte ein alliierter Bombenangriff große Teile der Innenstadt. Das Gelände des alten Güterbahnhofs war jahrzehntelang eine große Brachfläche.

Mit dem Bau des ADAC-Gebäudes nahm die Vision von der neuen Bahnstadt Gestalt an, die Petzold-Schick zusammen mit Stadtplaner Professor Hartmut Ayrle entwickelte.

Landrat Christoph Schnaudigel verwies in seinem Grußwort auf die 30.000 Besucher jährlich im ADAC-Haus, in dem auch Behörden des Landratsamtes untergebracht sind, sowie auf Beschäftigte im Landwirtschaftsamt und dem Triwo-Technopark. Die Behörden seien nun deutlich besser zu erreichen.

Das gleiche gilt für die Bewohner der neuen Bahnstadt. Ihr Fußweg durch die neue, 43 Meter lange Unterführung, verkürzt den Weg in die Innenstadt und zu den Gleisen. Auch Gewerbe, das sich in Bauphase zwei noch in der Bahnstadt ansiedeln soll, werde von der guten Verkehrsanbindung profitieren.

Kleiner Schönheitsfehler am Rande: Wegen Lieferschwierigkeiten einer Platine verzögert sich die Inbetriebnahme des großen, für Fahrräder geeigneten Aufzugs am West-Portal bis Ende Januar.

„Der Mehrwert für die Stadtentwicklung ist nicht zu ermessen“, sagte OB Petzold-Schick. Auf 13,5 Millionen Euro belaufen sich die Gesamtkosten für das Projekt. Dies sei der völlig überhitzen Baukonjunktur geschuldet. 3,5 Millionen Euro kamen als Förderung vom Land.

Bei der durchaus umstrittenen Entscheidung für das Millionenprojekt hätten die Mitglieder des Stadtrats viel Verantwortung getragen – und einige schlaflose Nächte gehabt.

Kosten von 13,5 Millionen Euro

„Es hätte locker auch teurer werden können“, lobte sie die bautechnische Leistung unter Leitung von Oliver Krempel. So mussten bereits 2016 für den Einbau der Hilfsbrücken die Sperrzeiten für die Züge festgelegt werden – auf den Tag und die Minute genau. Oberleitungen mussten versetzt, Signalanlage neu errichtet werden. Eine Meisterleistung sei die Herstellung der Unterführung im Einschubverfahren gewesen.

Form und Farbe der Oberlichter im Stil der Nierentisch-Zeit unterstreichen laut OB nun den Charakter der Stadt in der Nachkriegszeit. Landrat Schnaudigel fühlte sich gar an die Raumpatrouille Orion erinnert. Die Wände sind weiß gestrichen. Oberlichter erhellen den breiten Gang. Keine Spur von „Angsträumen“, wie zwischenzeitlich befürchtet wurde.

Aber auch von den am Bau beteiligten Firmen und der Deutschen Bahn gab es positive Rückmeldung: für die gute Zusammenarbeit bei der Planung und die Umsetzung. Sie stellte höchste Anforderungen an Technik und Logistik.

Und das Beste: „Trotz Arbeiten im Schichtbetrieb und bei laufenden Bahnverkehr gab es keinen Unfall.“ Darauf war Joachim Riesterer, Technischer Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft PU Bahnhof Bruchsal, stolz.

Die Einweihung umrahmten das musikalische Duo IQ mit Ilka und Quentin sowie das Team Combo aus Karlsruhe und Bruchsal, das mit Hip-Hop-Einlagen Bewegung in die Unterführung brachte. Philipp Wiener hatte die Umzugskarton mit Graffiti gestaltet, die einige Teilnehmer der Einweihung als Andenken mit nach Hause nahmen.

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