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Meinung

von Christina Zäpfel

Neue Unterführung

Historischer Moment: In Bruchsal wächst zusammen, was zusammen gehört

Bruchsal ist eine geteilte Stadt, sie wird von Schienen zerschnitten. Doch damit ist jetzt Schluss. Mit der neuen Unterführung wächst zusammen, was zusammen gehört, sagt unsere Autorin.

Unterführung ist fertig: Am Bahnhof Bruchsal wird am Freitagnachmittag die neue Gleisquerung für die Öffentlichkeit frei gegeben. Foto: Heike Schaub

Endlich: Die Bruchsaler Bahnhofsunterführung ist durch. Ein Großprojekt wird später fertig, dafür aber teurer. Journalisten werden scherzen: Wo ist hier die Nachricht?

Die Nachricht lautet: Jetzt wächst endlich zusammen, was zusammen gehört. Das ist die emotionale Komponente: Die neue Bahnstadt, aber auch alle anderen Viertel jenseits der Schienen, rücken gefühlt näher an die Innenstadt heran.

Niemand muss mehr durch die laute und dunkle Unterführung beim Siemenskreisel gehen oder über die B35 laufen. Das dunkle, unheimliche Loch, das sich Unterführung beim Schloss nennt, dient fortan als abschreckendes Beispiel.

Die Unterführung war überfällig

Das ist aber nur ein Aspekt der neuen Unterführung. Ihre Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Auch wenn 43 Meter neuer Tunnel für satte 13,5 Millionen Euro auf den ersten Blick das nicht hergeben. Aber dieser Durchbruch ist kein Luxus, kein Nice-to-have. Diese Unterquerung hätte längst Standard sein müssen.

Wie fast überall entlang der Rheintalstrecke oder an anderen Bahnhöfen in der Region. In Wiesloch-Walldorf erfolgte die Anbindung der anderen Seite immerhin schon 1998. Ansonsten sei erinnert an Mingolsheim-Kronau, Bretten oder an Durlach, vom Karlsruher Hauptbahnhof ganz zu schweigen, Rastatt, Baden-Baden – nirgendwo bilden die Schienen derart unüberwindbare Hürden wie im Herzen von Bruchsal.

Die Öffnung war überfällig, denkt man an die zehntausenden Menschen, die täglich am Bahnhof Bruchsal ein-, aus- oder umsteigen.

Unterführung darf nicht zum Angstraum werden

Auf beiden Seiten finden sich fußläufig tausende Arbeitsplätze, Wohnungen, Dienstleistungen und Gewerbe, sowie mehrere große Schulen. Will man ernsthaft weg von mit Autos verstopften Straßen, will man ernsthaft hin zu mehr ÖPNV, Fußgänger- und Radverkehr, zu mehr Lebensqualität in der Stadt, so kommt man an dieser Achse nicht vorbei.

Ja, die obligatorische Kostensteigerung ist bitter, der Baupfusch und der noch nicht funktionierende Aufzug peinlich, dass die Bahn sich nicht an den Kosten beteiligt, schäbig. Alles in allem war es eine späte, aber völlig richtige Entscheidung.

Die Unterführung scheint zudem hell und freundlich, breit und einladend. Sie darf nicht zum Angstraum verkommen, das ist nun die Aufgabe. Eine Belebung der Westseite bei den alten Güterhallen könnte dabei helfen.

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