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Eine Entscheidung muss her

Beschicker bangen: Der Weihnachtsmarkt in Bruchsal ist ein großes Fragezeichen

Alle Jahre wieder - von wegen! Corona könnte so manchen Weihnachtsmarkt verhindern. Die Beschicker aber auch die Veranstalter bangen um Glühweinduft und adventliche Geselligkeit.

Im Zentrum des Bruchsaler Weihnachtsmarktes steht die Pyramide: Ob sie sich jedoch in diesem Jahr am Kübelmarkt drehen wird, ist derzeit noch ungewiss. Foto: Martin Heintzen

„Alle Jahre wieder” - so erklang es aus Dutzenden Kinderkehlen, und viele Erwachsene stimmten ein. Sie rückten enger zusammen, denn der nasskalte Dezember-Wind ließ sie frösteln. Die Szene ist noch kein Jahr alt. Und doch wirkt sie wie aus einer lang vergangenen Zeit.

Rumänische Saisonkräfte

Wird es dieses Jahr überhaupt einen Weihnachtsmarkt geben? Ingrid Alt klingt ernüchtert: „Wir harren der Dinge.” Alt ist die Hauptbeschickerin des Bruchsaler Weihnachtsmarktes. Ihre Glühweinpyramide prägt den Markt seit Jahren. Ihre Familie ist seit Jahrzehnten vertreten, mit Glühwein, mit Imbiss und mit Süßigkeiten.

Der Bruchsaler Markt ist das Hauptstandbein der Familie. „Im September läuft die Vorbereitung normalerweise an”, berichtet sie. Dann stellt Alt Personal ein und ordert die Waren. Ob ihre rumänischen Saisonkräfte überhaupt kommen können? „Alles ist ein großes Fragezeichen. Im Moment kann man gar nichts planen.”

Carmen Krüger klingt ähnlich: „Die Entscheidung fällt in ein bis zwei Wochen”, erklärt sie. Fürs Kraichtaler Rathaus ist sie in der Organisation des Weihnachtsmarkts. Erst im vergangenen Jahr haben die Kraichtaler mit ihrer neuen Schlossweihnacht in Gochsheim auf sich aufmerksam gemacht. Frisch gestartet, schon wieder tot?

„Uns ist jedenfalls allen klar, dass es so wie im vergangenen Jahr nicht stattfinden kann”, erklärt Krüger. Dicht gedrängte Menschenmassen in engen Gassen - 2020 unvorstellbar.

Resonanz unter den Beschickern ist gemischt

Kraichtal hat jetzt bei den Beschickern vom vergangenen Jahr angefragt, das sind Vereine genauso wie kommerzielle Anbieter. „Die Resonanz ist gemischt”, erklärt Krüger. Manche wollen gerne mitmachen, andere winken schon jetzt ab. Unsicherheit macht sich breit.

Und auch in Bruchsal ist noch keine Entscheidung gefallen. „Das passiert in den nächsten Wochen”, erklärt Pressesprecherin Ina Rau. Das Thema sei Chefinnensache. Man spreche natürlich verschiedene Optionen durch, mehr Einblick will Rau nicht geben. Wie der Bruchsaler Weihnachtsmarkt in seinem Jubiläumsjahr, dem 50., aussehen soll, ist wenige Wochen vor seiner potenziellen Eröffnung also noch völlig offen.

Dicht gedrängt durch die Stände: So ging es in der Vergangenheit bei der Bruchsaler Schlossweihnacht zu. Unter Pandemie-Vorzeichen allerdings ist das nicht zu verwirklichen. Foto: Martin Heintzen

Wird der Markt entzerrt, um mehr Abstand zwischen den Ständen zu schaffen? Gibt es ein Einlass-System, um sich vorab anzumelden, wie im Schwimmbad? Oder sagt man am Ende lieber ganz ab, weil doch ein heimeliges Adventsgefühl unter diesen Bedingungen gar nicht erst aufkommen kann?

Im Landkreis Calw beispielsweise fallen zwar die Festtage nicht aus, aber die dazugehörigen Märkte. Darauf haben sich Städte und Gemeinden vor wenigen Tagen geeinigt. Auch Schwetzingen und Sinsheim haben ihre Märkte abgesagt. In Heidelberg hingegen plant man mit Einbahnstraßenregelung, hat aber immer noch im Blick, dass das Land womöglich ein generelles Verbot ausspricht.

Auch in Rastatt haben die Planungen für einen abgespeckten Weihnachtsmarkt begonnen. Dort will man eine reine Schlossweihnacht ausrichten. Die sollte es in diesem Jahr nach zweijähriger Pause eigentlich auch in Bruchsal geben.

Michael Hörrmann, Chef der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg mit Sitz in Bruchsal, sagt: „Die Chancen stehen 50:50. Ich möchte es gerne versuchen”, erklärt er für Bruchsal. Er weiß aber auch, dass eine Entscheidung bald her muss. Sabine Franzreb wollte eigentlich die Wiederauferstehung der Schlossweihnacht - dieses Jahr erstmals im Ehrenhof - feiern.

Die Veranstalterin aus der Pfalz hatte das Konzept mehrere Jahre in Rastatt auf die Beine gestellt. Kann sie ihre Beschicker buchen? „Wir wollen Mitte September eine Entscheidung treffen”, sagt Hörrmann. Das Thema ist gerade in vielen Schlössern Thema. In Tettnang etwa, in Mannheim, in Schwetzingen, in Rastatt oder an der frisch eröffneten Festungsruine Hohentwiel.

„Es ist ernüchternd. Es macht wenig Spaß”, gibt Hörrmann einen Einblick in seine Gefühlswelt. Weil das Infektionsgeschehen in der Pfalz entspannter ist als am Oberrhein, die Weihnachtsmärkte dort wohl eher stattfinden, wandern die ersten Beschicker schon ab.

Schlossweihnacht als Drauflegegeschäft

„Wenn wir trotz großem finanziellem Einsatz kein befriedigendes Erlebnis hinbekommen, sollten wir es lieber lassen”, findet der Schlösser-Chef. Schon jetzt war die Schlossweihnacht in Bruchsal meistens ein Drauflege-Geschäft. „Dann stehen Kosten und Ertrag in keinem Verhältnis mehr”, gibt Hörrmann zu bedenken, dass die Corona-Auflagen noch mehr kosten als das ohnehin bereits teure Sicherheitskonzept.

Nächstes Problem: Wenn viele Märkte abgesagt werden und nur einzelne stattfinden, könnte es sich dort zu sehr ballen. „Wir haben das im Schlossgarten Schwetzingen gemerkt. Viele Gärten waren geschlossen, Schwetzingen wollten wir eigentlich offen lassen. Aber plötzlich kamen alle nach Schwetzingen. Da waren wir in der Hochphase von Corona gezwungen, ebenfalls zu schließen”, erzählt Hörrmann.

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