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Beschluss des Gemeinderats

Bibliothek und VHS sollen Herzstück des Bruchsaler „Denkorts Fundamente“ werden

Vor der Sommerpause hat der Bruchsaler Gemeinderat einen Knopf dran gemacht. Das Großprojekt auf dem alten Synagogengelände kann weiter vorangetrieben werden.

Stadtbibliothek
Noch ist die Bruchsaler Stadtbibliothek im Bürgerzentrum zu Hause. Künftig soll sie aber zentraler Bestandteil des neuen „Denkorts Fundamente“ in der Friedrichstraße werden. Foto: Martin Heintzen

Bruchsals Bibliothek zieht um. Und mit ihr die Volkshochschule. Irgendwann, in noch ferner Zukunft, sollen die beiden Einrichtungen vom Bürgerzentrum in den neuen „Denkort Fundamente“ wandern. Der muss freilich erst noch gebaut werden. Dort, in der Friedrichstraße, wo einst die Synagoge und später das Feuerwehrhaus standen.

Langsam aber sicher nimmt das städtebauliche Großprojekt Formen an. Der Gemeinderat hat erst vergangene Woche weitere Entscheidungen auf den Weg gebracht.

Befürwortet hat er die Idee, Bibliothek und VHS zu verlagern. Um auf halber Strecke zwischen Bahnhof und Innenstadt einen einladenden Ort zu schaffen, soll auch der Weg dorthin städtebaulich aufgewertet werden.

Erste Ideen zeigen, wie der Denkort künftig aussehen könnte. Einige Stadträte sprachen sich für den Erhalt des alten Feuerwehrhauses aus.

Zum Denkort Fundamente gehören mehr als ein halbes Dutzend Partner

Mit allen Beteiligen, und das sind mittlerweile mehr als ein halbes Dutzend, soll bis Ende 2023 ein Nutzungsvertrag ausgehandelt werden. Da wäre etwa die Handelslehranstalt, die sich vergrößern will. Da sind die jüdischen Nachfahren. Es sind zwei Israelitische Religionsgemeinschaften, das Bürgertheater Bruchsal oder die Landesfeuerwehrschule.

Entschieden wurde, dass die Fundamente der Synagoge, die noch im Boden sind, erhalten bleiben sollen und die einstige Grundfläche nicht überbaut werden soll.

Des Weiteren soll ein Lernort Zivilcourage entstehen, der sich um Demokratie-Bildung für Jugendliche und Erwachsene kümmert. Befürwortet wurde außerdem die Gründung eines „Hauses des Jüdischen Lebens in Baden“. Um all das zu realisieren, hofft man auf Unterstützung des Landes.

Bibliothek und VHS an dem neuen Bildungsort zu integrieren, sieht Hauptamtsleiter Wolfgang Müller als Schlüssel für das Projekt an. „Das kann den Ort mit Leben füllen.“

Die gute Absicht alleine reicht nicht.
Werner Schnatterbeck
CDU-Stadtrat

„Wo ist das Fundament, das alles trägt?“, fragte sich zunächst CDU-Stadtrat Werner Schnatterbeck. Es soll jedenfalls keine Pflichtübung werden, sondern etwas Lebendiges.

„Auch kein Sammelsurium“. Für ihn gehöre das alte Feuerwehrhaus zur städtebaulichen Kultur. „Es gilt den richtigen Ton zu treffen“, so Schnatterbeck, auch in der Zusammenarbeit mit den Angehörigen. „Die gute Absicht alleine reicht nicht.“

Grüne wollen keine öffentlich, private Partnerschaft

Für die Grünen-Fraktionssprecherin Ruth Birkle sind noch einige Fragen offen. Abgelehnt werde ein neues städtisches Museum an der Stelle. „Ja zur Bibliothek, ja zur VHS, ja zu den Fundamenten“, stellte Birkle klar.

Eine öffentlich-private Partnerschaft als Organisationsform lehnte man hingegen ab. Das ist eine Organisationsform als Kooperation zwischen öffentlicher Hand und privater Wirtschaft. Hier gebe man Gestaltungsspielraum auf und habe am Ende keine Kosten gespart.

SPD erinnert an Täter von einst

Zu einem lebendigen Ort will auch die SPD-Fraktion den Denkort werden lassen. Fraktionschefin Anja Krug hofft auf einen Ort des Miteinanders, unter der Koordination der VHS.

Auch ein gastronomisches Angebot soll geschaffen werden. Den Tätern und Mitläufern von einst, die die Synagoge abgefackelt haben, wolle man heute einen klaren gesellschaftlichen Gegenentwurf aufzeigen. „Ein Ort, an dem erinnert, gelebt und die Zukunft gestaltet wird.“

Freie Wähler mahnen andere Pflichtaufgaben an

Roland Fools, Sprecher der Freien Wähler hofft, dass die Akzeptanz für das Projekt noch steigt. Das Projekt sehe er aber als „sehr zukunftsweisend“ an. Nicht immer fühlte sich der Gemeinderat von der Verwaltung ausreichend mitgenommen, kritisierte er.

Foos sieht in der Bildungseinrichtung einen neuen „kulturellen Kristallisationspunkt“ in der Stadt. Allein die Finanzierung müsse auf eine tragfähige Basis gestellt werden. Die Stadt habe andere, wichtige Pflichtaufgaben, mahnte er.

Auch Jürgen Wacker, Sprecher der FDP-Fraktion mahnte, was die Finanzen angeht, zu Demut. Man stehe aber zu dem nun beschlossenen Ort der Bildung. Auch das Thema der Aufklärung sehe er thematisch gut an dem Ort aufgehoben, brachte Wacker einen weiteren Aspekt ins Spiel.

Für die AfD/UBiB-Fraktion stellt der Denkort ein „Mammutprojekt“ dar. Die Fraktionschefin Gabriele von Massow befürwortete die Aufwertung der Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt. Sie fragte sich angesichts von Plänen, Nachbargrundstücke für die Bibliothek zu kaufen: „Können wir uns das leisten?“ Und: Was passiert dann mit dem Bürgerzentrum?

Frei werdendes Bürgerzentrum soll der Verwaltung Platz verschaffen

Dort soll, so erklärte es Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) ohnehin benötigter Raum für die Verwaltung frei werden. Kritisch sah von Massow die Idee eines Lernorts Zivilcourage. Sie wünsche sich, dass weniger offensiv eine vorgefertigte Meinung übermittelt werde.

Für Dela Schmitt von Aufbruch Bruchsal war das Projekt schließlich „völlig überdimensioniert.“ Ob beim Thema Zivilcourage auch die Montags-Corona-Demonstranten mitgedacht seien, stellte sie als Frage in den Raum.

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