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Aufklärung gegen Trickbetrüger

Brötchen und Prävention: Polizei will mit Botschaften Senioren rund um Karlsruhe vor dem Enkeltrick schützen

Immer wieder fallen Senioren auf Betrüger rein, die sich als ihre Enkel ausgeben und um Geld bitten. Die Polizei hat nun gemeinsam mit regionalen Bäckerinnungen eine unübliche Aufklärungskampagne gestartet.

Zu den frischen Backwaren gibt es warnende Worte gratis mit dazu. Foto: Armin Herberger

Zu Betrug am Telefon gäbe es eine Menge zu sagen. Aber es finden sich nur zwei Kernbotschaften auf den Brötchentüten, die die Polizei zusammen mit den Bäckerinnungen Karlsruhe und Bruchsal-Bretten entwickelt hat. Auf der einen Seite „Die Polizei holt nie ihr Geld ab!“, auf der anderen als Zitat eine der Haupt-Maschen von Betrügern: „Omi, ich brauch Geld!“ Dazu die Anweisung, bei entsprechenden Anrufen sofort aufzulegen und die 110 zu wählen.

„Es ist etwas ganz Übles, wenn Senioren um ihre Ersparnisse gebracht werden“, sagt Remigius Kraus, Referent für Kriminalprävention. 750.000 Tüten wurden gedruckt und verteilt an Bäckereien im Stadt- und Landkreis Karlsruhe, um für die vermeintlich bekannte, aber immer noch oft erfolgreiche Betrugsmasche aufmerksam zu machen.

2020 schon 720 Fälle des Enkeltricks in der Region Karlsruhe/Bruchsal

Alleine in diesem Jahr gab es in der Region 720 bekannte Fälle. Davon waren zwar nur 16 erfolgreich, aber die Betrüger haben dabei 200.000 Euro erbeutet. „Es geht uns aber nicht nur um Senioren, sondern um alle, auch um Familienangehörige“, sagt Kraus.

Die Polizei sucht präventiv auch Kontakt zu Banken, die hellhörig werden sollten, wenn betagte Kunden ihr Konto leerräumen wollen. Auch Taxifahrer werden angesprochen, die schon oft als Kuriere missbraucht wurden.

Papiertüten gehören nicht zu unserem Tagesgeschäft.
Björn Heybl, Polizeikommisar

Bis es die Botschaft letztlich auf den Frühstückstisch geschafft hat, war ein breites Bündnis notwendig. „Papiertüten gehören nicht zu unserem Tagesgeschäft“, sagt Polizeikommisar Björn Heybl. Unterstützung gab es von der Bäcker- und Konditorengenossenschaft BÄKO, die bei der grafischen Gestaltung und Druck hilfreich zur Seite stand.

Finanziert wurde das Projekt von der BB-Bank, den Fördervereinen „Sicheres Karlsruhe“ und „Sicherer Südlicher Landkreis Karlsruhe“ sowie „Nessi“ (Netzwerk schafft Sicherheit), dem Verein zur Förderung Kommunaler Kriminalprävention.

Andreas Glaser, als Vorsitzender dieses Vereins der Gemeinden Bruchsal, Forst und Karlsdorf-Neuthard sowie als Bürgermeister von Bruchsal in einer Doppelfunktion anwesend, sprach sich für die Aktion und eine weite Verbreitung das Themas aus. Helga Jannakos vom Seniorenrat Bruchsal zeigte sich überaus dankbar für die Aktion, zumal in diesem Jahr der bereits etablierte Sicherheitstag ausfallen musste.

Einige Bäckereien zögerten zunächst

Unter den Arkaden des Rathauses zeigte die Bäckerei Pfeifer aus Oberöwisheim gleich vor Ort, wie man fachgerecht mit frischem Backwerk die Tüten füllt. Die Botschaft auf den Tüten ist bewusst schlicht gehalten: „Wir wollen damit zum Nachdenken anregen“, sagt Heybl. Die Rückmeldungen der Bäckereien waren überwiegend positiv. Einige zögerten zunächst, weil sie lieber ihren Namen auf der Tüte hätten, aber die Aktion ist zunächst nur auf vier Wochen angesetzt.

Da es in der Vergangenheit ja schon ähnliche Kampagnen gab, etwa „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, sind in einer künftigen Zusammenarbeit auch weitere Motive zur Kriminalprävention denkbar. Auf dem Marktplatz informierten anlässlich der Präsentation zudem Polizeibeamte am Infomobil die Passanten über verschiedene Betrugsmaschen.

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