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Geschenkekäufer müssen sich beeilen

Bruchsal vor dem Lockdown: Die meisten bleiben gelassen

Selten ist es so ruhig in Bruchsal wie in den ersten Nächten der nächtlichen Ausgangssperre. Und selten ist in der Innenstadt so ein Trubel, wie an diesem Montag, dem vorletzten Shopping-Tag für alle Geschenkekäufer. So bereitet sich die Region auf den harten Lockdown vor.

Bruchsal macht die Schotten dicht: Die ersten Nächte mit Ausgangssperren verliefen bereits sehr ruhig. Kaum jemand war auf der Straße unterwegs. Sowohl Polizei als auch Ordnungsamt waren auf Streife. Foto: Thorsten Wisser

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Bruchsal Sonntagsabends 20 Uhr, Totenstille. Es herrscht Ausgangssperre. Und Bruchsal, Montagvormittag, 11 Uhr, erster Tag, nachdem verkündet wurde, dass Deutschland ab Mittwoch wieder im harten Lockdown ist. Wer jetzt seine Weihnachtsgeschenke noch nicht hat, hat’s eilig.

„Ich bin zum Glück schon eingedeckt“, erklärt die Verkäuferin einer Parfümerie. Gerade macht sie Mittagspause, dann geht es zurück in den Trubel. Zwei Tage lang wird durchgearbeitet. Fürs eigene Einkaufen bleibt dann ohnehin keine Zeit mehr.

Alexandra Machauer hatte sich bereits am Sonntag auf alles eingestellt. Die Chefin eines Friseursalons in Oberhausen hat ihre Kunden angerufen, umgeschichtet, einige dazwischengeschoben. „Wir machen, was geht“, erklärt sie. Am Montag steht ihr Telefon kaum still. Was ist mit der Festtagsfrisur? Der Ansatz muss nachgefärbt werden. Andere Kunden bieten an, auf ihren Termin zu verzichten. „Es muss etwas passieren“, findet Machauer. Der Lockdown sei angebracht, auch wenn sie jetzt wieder einige Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken muss. Die Friseurin gibt sich gelassen, und das obwohl ihr ein Teil des ansonsten guten Weihnachtsgeschäft wegbricht.

Auf Geschenke-Tour: Am Montag zog es viele in die Bruchsaler Innenstadt. Es ist der vorletzte Tag vor dem Lockdown, an dem der Einzelhandel noch offen hat. Ab Mittwoch sind dann die meisten Läden wieder dicht. Foto: Christina Zäpfel

Beim Juwelier rechnet man noch mit dem Ansturm

Gelassen ist auch Achim Schmitt. Tiefenentspannt sogar, wie er sagt. Er ist am Montag nicht wegen der Geschenke in der Stadt, sondern weil er seine Brille abholen musste. Der Heidelsheimer lässt dieses besondere Fest einfach auf sich zukommen. „Es geht uns wirtschaftlich gut, unsere Familie ist gesund.“

Und auch bei einem Mutter-Tochter-Gespann, das sich kurz auf einer Bank ausruht, scheint langsam aber sicher Ruhe einzukehren. Das „Cinderella“-Parfum für die Enkelin ist eingepackt, sicherheitshalber hat man bei Tchibo noch einen Radiowecker gekauft. Die Hektik lässt nach. Bis Dienstagabend wird beim Juwelier Brombacher in Langenbrücken hingegen noch einiges los sein. „Wir rechnen schon noch mit einem Ansturm“, sagt Verkäuferin Tanja Duwald.

Wir hatten nur drei Verstöße am Sonntag.
Bürgermeister Andreas Glaser über die Kontrolle der nächtlichen Ausgangssperre

Sonntagsarbeit war schließlich auch im Bruchsaler Rathaus angesagt: Es galt Verordnungen von Bund und Land zu studieren. Was darf, was muss, wer kann öffnen? Außerdem waren Ordnungsamt und Polizei am Wochenende unterwegs, um die Ausgangssperre ab 20 Uhr zu kontrollieren. „Wir hatten nur drei Verstöße am Sonntag“, berichtet Bürgermeister Andreas Glaser, Chef des Corona-Stabs.

Ein Sonnenstudio und zwei Schnellimbisse hatten zu lange offen - „sie zeigten sich aber einsichtig.“ An diesem Montag gilt der Fokus der Ordnungskräfte vor allem den Geschäften. Sind überall nur so viele Kunden im Laden, wie erlaubt? Bei Douglas etwa gibt es eine Art Türsteherin. Andernorts darf nur rein, wer einen Einkaufswagen hat. Schon am Morgen haben sich beim Gewerbegebiet „Am Mantel“ lange Autoschlangen gebildet.

Keine Feste - keine Festtagsgarderobe

Michael Zeibig, der Filialleiter von Mode Jost, spricht für die Einzelhändler: „Ich rechne damit, dass jetzt schon nochmal ein großer Run auf die klassischen Geschenkartikel losgeht, Elektronik oder Spielwaren.“ Im Textileinzelhandel halte es sich noch in Grenzen. „Die Feste fallen ja flach. Daher brauchen die Leute keine große Festgarderobe“, so Zeibig. Was gefragt ist, sind aber die klassischen Geschenke: Socken, Wäsche und Gutscheine.

Es geht um die letzten Geschenke: Am Montag war der Trubel in der Bruchsaler Innenstadt groß. Viele Einkäufer waren auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken, bevor der Einzelhandel ab Mittwoch in den Lockdown geht. Foto: Christina Zäpfel

Und nachgefragt ist jetzt auch wieder die Notbetreuung für die Kinder, deren Eltern weiterhin arbeiten müssen. „Wir haben die Anmeldeformulare vom Frühjahr wieder herausgeholt“, berichtet Glaser. „Etwa ein Viertel der Kinder in Kitas werden wohl eine Betreuung benötigen“, schätzt die Abteilung. Auch die Schulen seien gut vorbereitet. Lehrer werden für die Betreuung in Kleingruppen abgestellt.

An der Balthasar-Neumann-Schule II etwa wurden Eltern und Schüler bereits per Mail über die vorgezogenen Weihnachtsferien informiert. Lediglich für die Prüfungsklassen gilt jetzt wieder Fernunterricht. Das kann per Videokonferenz, per Mail oder auch mal mit Arbeitsblättern funktionieren, erklärt der stellvertretende Schulleiter Andreas Beisecker. „Ich denke, angesichts des Infektionsgeschehens gab es wenig Alternativen zum harten Lockdown.“ Seine Schule sei bisher gut durchgekommen, aber gerade in vollen Bussen und Bahnen gehe es oft kritisch zu.

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