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Medikamentenmangel

Bruchsaler Apotheker über prekäre Situation: „Gesundheit geht uns alle an“

Die Apothekerinnen und Apotheker machen auf ihre Situation aufmerksam und gehen auf die Straße. Ernst Ciupka von der Hirschapotheke Bruchsal berichtet über die Lage in der Region.

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Ernst Ciupka. Foto: Knoch

Am 22. November ruft die Landesapothekenkammer Baden-Württemberg zum Streik auf. Sie fordert Unterstützung durch die Politik und weist auf die prekäre Situation in den Apotheken hin.

Patienten bekommen Medikamentenengpässe zu spüren

Eines der Protestthemen ist der Medikamentenmangel, den Patienten und Patientinnen schon heute zu spüren bekommen. Ernst Ciupka von der Hirschapotheke Bruchsal berichtet über die Lage in der Region. 

Welche Medikamente fehlen in den Apotheken?
Ciupka
Der Medikamentenmangel betrifft nahezu alle Medikamentengruppen. Gegenwärtig sind bestimmte Blutdrucksenker, Kinderarzneimittel, Antibiotika, antibiotische und bestimmte augeninnendrucksenkende Augentropfen, bestimmte Krebsmedikamente und einige Antidiabetes-Medikamente besonders kritisch von Lieferengpässen betroffen.
Wie kommt es zu den Engpässen? 
Ciupka
Kurz gesagt: Durch Unkenntnis und mangelnde Weitsicht der politisch Verantwortlichen. Gestiegene Kosten für Energie, Verpackungsmaterialien, Logistik sowie Wirk- und Hilfsstoffe  führen in Verbindung mit der unflexiblen gesetzlichen Preisregulierung dazu, dass der deutsche Markt für viele Arzneimittelhersteller unattraktiv wird. Hinzu kommen auch Risiken aus der Verlagerung der Arzneimittelproduktion nach Asien. So erfüllen beispielsweise nicht alle Wirkstoffchargen, die für den Weltmarkt produzierten werden, die europäischen Qualitätsauflagen.
Was tun, wenn meine Apotheke mein Medikament nicht vorrätig hat? 
Ciupka
Im Idealfall findet ein Telefonat zwischen Arzt und Apotheker statt und es wird besprochen, ausgehend von den lieferbaren Arzneimitteln, welche Therapie für den Patienten sich am besten realisieren lässt.
Ciupka
In schwerwiegenden Fällen muss sich der Arzt eine andere Therapie überlegen. Die Lieferengpässe können teilweise auch durch die Apotheke kompensiert werden. Als zum Beispiel Ibuprofen Zäpfchen nicht verfügbar waren, wurden auch einige bei uns in der Apotheke hergestellt. Damals scheiterte jedoch die Belieferung durch die Pharmafirmen an der Wirtschaftlichkeit. Jetzt haben wir vermehrt auch die Fälle, dass der Wirkstoff nicht verfügbar ist.
Ist eine Verbesserung der Lage in Sicht? 
Ciupka
Leider nein. So wie viele andere Heilberufen hoffe auch ich auf einen Wandel in der Gesundheitspolitik. Das „Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz“ hat zwar einen vielversprechenden Namen aber keine Wirkung in der wirklichen Welt. Wenn wir als Gesellschaft in einer besseren Zukunft leben wollen, dann ist auch jeder Einzelne gefragt, mitzubestimmen und an der Demokratie teilzunehmen. Gesundheit geht uns alle an.
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