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Mehr als eine große Leinwand

Bruchsaler Cineplex-Chef Steffen Amend glaubt trotz Corona an die Zukunft des Kinos

Kein Popcorn, keine Filme: Seit November ist das Cineplex Bruchsal geschlossen, zum zweiten Mal seit dem Lockdown im Frühjahr. An Leiter Steffen Amend nagt die Ungewissheit.

Muss weiter abwarten: Steffen Amend vom Bruchsaler Kino hofft auf die Zeit nach Corona und auf Blockbuster wie James Bond, die die Menschen in die Säle locken. Foto: Nicole Jannarelli

Mit James Bond soll es 2021 endlich klappen. „Anfang April“, nennt Steffen Amend, Theaterleiter im Bruchsaler Cineplex, den aktuell geplanten Veröffentlichungstermin. Doch was ist noch planbar in Corona-Zeiten? Seit November sind die Kinos wieder dicht, Wiedereröffnung ungewiss.

Für den Moment bleibt das Hoffen auf das Gutscheingeschäft, das an Weihnachten normalerweise auch in den Kinos boomt. „Wir haben noch keine Auswertung für Bruchsal, das wird zunächst deutschlandweit erfasst“, sagt Amend zu den Zahlen.

Es nagt also die Ungewissheit. „Es ist schwierig, wenn man nicht reagieren kann.“ Beim letzten Lockdown im Frühjahr hatte man in Bruchsal noch Popcorn im Außer-Haus-Verkauf angeboten. Dieses Mal jedoch nicht. „Es hat sich nicht wirklich gelohnt.“

Verträge von 35 Minijobbern ruhen

Die Verträge von 35 Minijobbern ruhen, manche arbeiten jetzt bei der Post, um ihre Miete bezahlen zu können, berichtet Amend. Er selbst ist in Kurzarbeit. Und das im Jahr 2020, das eigentlich das erste Jahr nach dem großen Umbau des Kinos sein sollte.

Die Arbeiten, unter anderem wurden zwei neue Säle gebaut, gestalteten sich schwierig und zogen sich hin, rund 3,5 Millionen Euro wurden investiert. Endlich war alles geschafft, dann kam Corona. „Das war wirklich sehr frustrierend.“

Jetzt muss Amend warten, ob er will oder nicht. Auf Lockerungen, auf die Zeit nach Corona und auf „Filmware“, womit er vor allem die großen Blockbuster wie eben James Bond meint. Und er muss abwarten, ob die Filmverleiher künftig anders mit ihrer „Ware“ umgehen als vor Corona.

Ob zukünftig Filme wie Disneys „Mulan“ nur im Internet bei einem Streamingdienst laufen oder wie in einem anderen Fall der Film in ein paar Kinos kommt und gleichzeitig für ein paar Wochen online verfügbar ist. „Ist das nur eine Reaktion auf die aktuellen Ereignisse oder beginnt damit ein Umbruch?“, fragt sich Amend.

„Es war schön, nach dem ersten Lockdown zu merken, dass die Leute wieder regelmäßig zu uns kommen.“
Steffen Amend, Bruchsaler Cineplex

Mit Langläufern, die schon vor Corona Premiere feierten, Kinderfilmen und Neustarts wie dem Agentenfilm „Tenet“ oder der Romanze „After Truth“ hielt man sich in Bruchsal über Wasser, als zwischen Juni und Ende Oktober die Säle wieder offen waren und eine neue Normalität einkehrte, die von Maskenpflicht im Foyer und Abstandsgebot in den Sälen bestimmt wurde. Saal zwei ist der größte in Bruchsal mit 324 Plätzen. In Corona-Zeiten durften höchstens 100 rein.

Trotzdem schöpfte man im Cineplex Hoffnung: „Es war schön, nach dem ersten Lockdown zu merken, dass die Leute wieder regelmäßig zu uns kommen“, sagt Amend. Es sei nie vorgekommen, dass ein Gast seinen Kinobesuch abgebrochen habe, weil er sich unwohl gefühlt habe. Im Gegenteil, es habe sich die Zahl der Kinogänger kontinuierlich gesteigert.

Kino kein Auslaufmodell

Doch wie wird es in Zukunft weitergehen? Wird das Kino durch Corona zum Auslaufmodell? Auf keinen Fall, sagt Amend. Streamingdienste gibt es schon länger, die Branche hat darauf reagiert, das Programm umgestellt. In Bruchsal zeigt man zum Beispiel Live-Übertragungen aus Opernhäusern der Welt und bietet Dokus und Spartenfilmen eine Nische.

Und überhaupt gehe es um viel mehr als einen Film auf großer Leinwand. „Man will gemeinsam etwas unternehmen. Trifft seine Freunde, geht Essen, anschließend ins Kino. Besonders für Kinder ist ein Kinobesuch ein außergewöhnliches Erlebnis. Und Blockbuster wollen die Leute immer noch sehen.“ Es muss nur neue Ware her.

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