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Nach der Bund-Länder-Konferenz

Bruchsaler haben nur wenig Verständnis für den Oster-Lockdown

Es ist Lockdown und kein Ende in Sicht. Die Infektionszahlen steigen weiter und die Bund-Länder-Konferenz zieht die Notbremse. Dass es weiter keine Perspektive für Gastronomie, Einzelhandel und Kultur gibt, wird zwischen Waghäusel, Ubstadt-Weiher und Bruchsal sehr bemängelt.

Shoppen? Nein, das wird nichts. Auch das Modehaus Jost in der Bruchsaler Innenstadt musste am Dienstag wieder schließen. Zwei Wochen nachdem der Ladenbesuch mit Termin eingeführt worden war. Foto: Nicole Jannarelli

Cornelia Sluk hat aufgegeben, auf einen Stichtag hinzuleben. „Den gibt es sowieso nicht“, sagt die Chefin des Zeuterner Weinschlauchs. Seit November ist ihr Restaurant zu, die jüngste Bund-Länder-Konferenz hat wieder keine Perspektiven für Gastronomie, Einzelhandel oder Kultur gebracht. „Es ist kein Land in Sicht“, sagt die 57-Jährige. „Ich kann die Beschlüsse nicht mehr nachvollziehen.“

Existenzangst setzt seit Monaten zu

Seit Monaten nage die blanke Existenzangst an ihr. „Das zermürbt“, sagt sie. Doch noch schaffe sie es, sich selbst immer wieder zu motivieren. Sie hat Mehrweggeschirr für den Außer-Haus-Verkauf angeschafft und lässt sich gerade von der Dehoga beraten, welche Möglichkeiten sie im Marketing noch ausschöpfen könnte. Und dennoch: „Viel länger kann das nicht mehr gehen, psychisch und auch finanziell nicht.“

In den Rathäusern wurden die Entscheidungen aus Berlin und Stuttgart erwartet, schließlich müssen sie auf kommunaler Ebene umgesetzt werden. Der Oster-Lockdown komme nicht überraschend, sagt Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick: „Ich hoffe, dass diese radikale Entscheidung eine signifikante Verbesserung bei den Infektionszahlen bringen wird.“ Anschließend müsse der Fokus ganz auf das Impfen gelegt werden. „Das scheint allein eine verlässliche Öffnungsperspektive bringen zu können.“

Die Leute werden vorher umso eifriger einkaufen gehen.
Walter Heiler, Oberbürgermeister von Waghäusel

Die Sinnhaftigkeit des geschlossenen Gründonnerstags stellt sie genauso wie Waghäusels Oberbürgermeister Walter Heiler (SPD) in Frage. „Die Leute werden vorher umso eifriger einkaufen gehen“, so Heilers Einschätzung. Generell fehle es an Perspektiven von Bund und Land für die Gastronomie und den Einzelhandel. „Die Verzweiflung bei den Betroffenen ist groß“, berichtet er von den Rückmeldungen aus Waghäusel. Dort wollen die Gastronomen am Samstag mit einer Demonstration auf ihre Situation aufmerksam machen.

Einen Schritt zurück ging es am Dienstag für den Einzelhandel. Am Montag hatten die Kunden noch mal ordentlich eingekauft: „Reduzierte Ware und die Frühjahrskollektion – wir haben gute Umsätze gemacht“, erklärt Michael Zeibig, Filialleiter vom Modehaus Jost in Bruchsal. Der Frust ist nach der Verschärfung der Corona-Regeln trotzdem groß. Gerade mal 14 Tage hatte man nach dem Prinzip „Click & Meet“ geöffnet. Es war aufwändig, Kontaktdaten zu erfassen und Termine zu vergeben, so der Filialleiter. Aber es sei ein Anfang und ein Stück Normalität gewesen.

Die Stimmung im Einzelhandel ist mittlerweile unterirdisch.
Michael Zeibig, Filialleiter vom Modehaus Jost in Bruchsal

„Die Stimmung im Einzelhandel ist mittlerweile unterirdisch“, erklärt Zeibig, der im Vorstand des Branchenbunds Bruchsal sitzt. Für die Händler gebe es keine Planungssicherheit, sie säßen auf vollen Lagern für das Ostergeschäft. Kunden sind verunsichert. Und warum nicht gleiche Regeln für alle Branchen gelten, erschließe sich ihm mit Blick auf Gartencenter und Buchhandlungen auch nicht. Das Modehaus ist nun wieder zu. „Click & Collect“ rechne sich angesichts des Aufwands nicht. Knapp 60 Jost-Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Mitte April, so hofft er, könne man bei sinkenden Corona-Zahlen wieder öffnen.

Keine Gottesdienste an Ostern, so lautet die Bitte aus Berlin an die Kirchen. Bruchsals Dekan Lukas Glocker kann diese Entscheidung nachvollziehen. „Der Druck ist groß.“ Auch wenn die katholischen Kirchen im Dekanat gut eingespielte Hygienekonzepte bei ihren Gottesdiensten anwenden, gehe es jetzt um Solidarität, so Glocker. Nach einem Jahr Corona gibt es im Dekanat kreative Alternativen zu den klassischen Präsenzgottesdiensten. Auch bei der Erstkommunion werde man im zweiten Corona-Jahr wieder improvisieren.

Falsche Sicherheit durch Tests

„Mehr Homeoffice geht nicht. Alle, die nicht in der Produktion arbeiten, sind zuhause“, sagt Ralf Lenge, Sprecher von John Deere. Das werde man konsequent so weiterführen. Bisher habe man nur wenig Corona-Fälle unter den 1.276 Mitarbeitern am Standort Bruchsal gehabt. Von zusätzlichen Mitarbeiter-Tests hält man beim Landmaschinen-Hersteller weniger. Vor allem die Schnelltests seien zu unsicher und würden die Mitarbeiter in einer falschen Sicherheit wiegen. Stattdessen setzt man laut Lenge weiter auf ein Zwei-Schichtsystem, Abstand, Schutzschirme und Masken.

Weiter keine Vorstellungen für die Badische Landesbühne in Bruchsal, dazu erklärt Intendant Carsten Ramm: „Dass wir noch einmal entscheiden mussten, unsere Vorstellungen abzusagen, ist sehr bitter. Aber die Entwicklung der Corona-Pandemie hat uns als einem Theater ohne eigenes Haus keine andere Möglichkeit gelassen.“ Die BLB hofft auf Vorstellungen ab Mai. Ramm: „Wir lassen uns unseren Optimismus nicht nehmen.“

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