Skip to main content

Zeit der Nächstenliebe

Bruchsalerinnen haben eine Weihnachtsidee für Bedürftige – und jeder kann mitmachen

Für viele der Menschen mit nur sehr wenig Geld können wichtige Lebensmittel schon zur Monatsmitte knapp werden – das wissen Michaela Schott und Manuela Peters vom Verein „Brusl zeigt Herz“. Daher haben sie sich eine besondere Adventskalender-Idee überlegt.

Für leuchtende Augen wollen Michaela Schott (links) und Manuela Peters und ihre Mitstreiter vom Verein „Brusl zeigt Herz“ mit ihrer Weihnachtsaktion bei wohnungslosen und anderweitig bedürftigen Menschen in Bruchsal sorgen.
Für leuchtende Augen wollen Michaela Schott (links) und Manuela Peters und ihre Mitstreiter vom Verein „Brusl zeigt Herz“ mit ihrer Weihnachtsaktion bei wohnungslosen und anderweitig bedürftigen Menschen in Bruchsal sorgen. Foto: Hansjörg Ebert

Ein Adventskalender, der ganz anders funktioniert als die üblichen: einpacken statt auspacken, geben statt nehmen, schenken statt beschenkt werden. Mit der Idee des „umgekehrten Adventskalenders“ wollen Manuela Peters und ihre Mitstreiterinnen vom Verein „Brusl zeigt Herz“ wohnungslosen Menschen eine Weihnachtsfreude bereiten.

Das Ganze funktioniert so: Man nimmt ab dem 1. Dezember einen Karton und legt jeden Tag etwas Schönes und Nützliches hinein. Späteinsteiger sind natürlich ebenfalls willkommen. „Das kann ein haltbares Lebensmittel sein, ein Päckchen Knabberzeug oder ein Hygieneartikel, sehr beliebt sind selbst gebackene Plätzchen“, sagt Michaela Schott, die im Verein für die Finanzen zuständig ist.

Für die Menschen sichert so ein Paket die Versorgung für die letzte Woche des Jahres.
Manuela Peters
Verein „Brusl zeigt Herz“

„Denkbar sind auch Kosmetika oder Tierfutter, die meisten unserer Klienten haben einen Hund oder eine Katze“, ergänzt Peters. Das Sahnehäubchen wäre dann noch eine Karte mit ein paar persönlichen Zeilen. Schön einpacken wäre überdies ein Zeichen der Wertschätzung. Am 23. oder 24. Dezember können die Pakete dann bei den Maltesern in der Alten Bruchsaler Feuerwache abgegeben werde. Dort werden sie bei der Weihnachtsfeier für Wohnungslose und anderweitig Bedürftige, die an Heiligabend am gleichen Ort stattfindet, verteilt.

Zum Ende des Monats wird das Geld oft knapp

„Für die Menschen sichert so ein Paket die Versorgung für die letzte Woche des Jahres“, erklärt Peters. Oft gingen bei ihren Leuten die Lebensmittel schon zur Monatsmitte zur Neige. „Und es wäre doch kaum zu ertragen, wenn Leute an Weihnachten nichts mehr zu essen haben“, erklären die Herz-Damen, die sich schon seit vielen Jahren in Bruchsal für Wohnungslose und anderweitig Bedürftige engagieren. Seit 2021 hat sich die Initiative zum Verein „Brusl zeigt Herz“ formiert, Manu Peters, wie sie alle nennen, ist die Vorsitzende.

Obdachlos im eigentlichen Sinn sind die meisten ihrer Schützlinge zwar nicht, doch die Lebensverhältnisse sind oft mehr als prekär: Manche hausen in Gartenhütten, Wohnwagen oder Kellern, andere in Notunterkünften, Schuppen oder Bauwagen. „Nur eine macht Platte“, erklärt Peters, die im Hauptberuf eine Kita in Eggenstein leitet. Für ihre „Oddls“, wie sie die Obdachlosen liebevoll nennt, engagiert sie sich in ihrer Freizeit.

Bedürftige sind oft in einem Teufelskreis gefangen

Was motiviert sie und ihre Mitstreiter? „Man muss nur die Dankbarkeit dieser Menschen einmal erleben, wie sie sich freuen, dass da jemand ist, der sie sieht, der sich kümmert und der auch ganz praktisch hilft“, sagt Peters, das sei Motivation genug. Denn die Leute fühlten sich ja selbst oft wertlos, weil sie ihr Leben nicht auf die Reihe bekämen und im Teufelskreis feststecken: Partner weg, Arbeit weg, Wohnung weg. Und wenn dann noch der Alkohol dazukomme, werde es oft ganz schlimm.

Doch die Leute vom Verein „Brusl zeigt Herz“ wollen Wertschätzung vermitteln, Mut machen und Unterstützung anbieten. So gibt es einmal im Monat eine Lebensmittelausgabe im Kontaktladen der Streetworker hinter der Bruchsaler Stirumschule. Am Ende des Monats wird ein Vespertisch gedeckt mit schönem Essen, Salaten und Kuchen – für jeden, der Hunger hat.

Im dritten Jahr läuft nun auch schon die Wunschzettelaktion, bei der Bedürftige Weihnachtswünsche aufschreiben können. So kam schon der eine oder die andere zu einer neuen Herdplatte, einer warmen Kuscheldecke oder einem gebrauchten Fernseher.

Weihnachtsfeier in der Alten Feuerwache in Bruchsal geplant

Höhepunkt des Jahres soll dann die Weihnachtsfeier an Heiligabend in der Alten Feuerwache werden. „Bruchsaler Weihnachtswunder 2023“ haben die Organisatoren als Motto dafür gewählt. Rund 80 bis 100 Leute kommen jedes Jahr zwischen 11 und 14 Uhr dort zusammen.

Die rund 15 Aktiven des Vereins und ihre Familien bereiten die Feier vor. „Es gibt ein richtig gutes Festessen, wir sitzen zusammen und reden und dann werden die Pakete verteilt“, kündigt Manu Peters an. Das ist sozusagen das letzte Türchen des Kalenders, der bei manchem für leuchtende oder feuchte Augen sorgen wird.

nach oben Zurück zum Seitenanfang