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Die Devise lautet: Raus ins Freie

Bruchsaler suchen an Ostern auf dem Michaelsberg Erholung

Die Bruchsaler zieht es an Ostern in den Stadtteil Untergrombach und dort in die Höhe. Was Pfarrer, Ausflügler, Polizei und Wirt über das Osterwochenende auf dem Michaelsberg berichten.

Osternachtgottesdienst mit Abstand auf dem Michaelsberg. Foto: Martin Heintzen

Irgendetwas muss dieser Michaelsberg an sich haben, dass immer wieder Menschen zu ihm hoch pilgern. Schon in grauer Vorzeit zog es die Menschen auf den fast 270 Meter hohen Berg, wie die Infotafeln auf dem Gipfel verkünden.

Dass es heute kaum anders ist, verkünden eher die vielen Menschen, die drum herum auf Picknickdecken oder Parkbänken sitzen. Oder die in finsterster Nacht mit einem Feuer die Auferstehung von Jesus feiern.

So jedenfalls hatte sich das Pfarrer Thomas Fritz gedacht, als er am späten Karsamstag zum Gottesdienst vor die Kapelle rief.

Der Fußballverein unterstützt den Pfarrer

Die Jungs vom nahen Fußballverein hatten ihre Maschine ausgeliehen, sodass Fritz Kreidemarkierungen aufbringen konnte. Damit seine Schäfchen auch die notwendigen Abstände einhielten.

Die Idee war, dass an der frischen Luft weniger passieren kann.
Thomas Fritz, Pfarrer

„Wir drängen niemanden zu kommen“, hatte er vorher gesagt. „Wer zu Hause bleibt, ist kein Christ zweiter Klasse.“ Aber klar ist auch: „Ostern ist das höchste Fest für uns“, das müsse eben gefeiert werden. „Die Idee war, dass an der frischen Luft weniger passieren kann.“ Und so versammelten sich doch einige auf dem Berg, trugen kleine Kerzchen in die Höhe, als Zeichen der Hoffnung.

An normalen Osternfesten aufgrund der Auferstehung Jesu, in einem Corona-Jahr gleich mit doppelter Symbolik.

Ostern ohne Verwandte und Kirchenchor

Diese Normalität trotz Corona galt auch am Tag danach noch an Ort und Stelle. Seinen klassischen Osterspaziergang etwa verbrachte das Ehepaar Kolb aus Stutensee in der Höhe. Wie zum Beweis kramt Dagmar Kolb eine Handvoll Ostereier hervor, die sie pflichtschuldigst dabei hat.

Dabei nehme man das Coronavirus durchaus ernst. „Deshalb sind wir auch ein bisschen früher hier, vor der großen Masse“, sagt sie mit Blick auf die recht volle Wiese vor sich. „Normalerweise wären wir jetzt bei Verwandten und Karfreitag hätten wir uns mit Freunden zum Fischessen getroffen.“ Gerade ihre eigene Verwandtschaft wohnt doch etwas weiter weg, Kolb stammt aus Nordrhein-Westfalen. Und dann fehle auch noch der Kirchenchor. „Es ist ja nicht nur das Singen, es ist auch die Gemeinschaft, die fehlt“, klagt sie.

Manchmal muss man den Blick schweifen lassen.
Dagmar Kolb, Stutensee

Und so haben ihr Mann und sie sich ein Programm gegeben, die nahe Region zu erkunden. Vor allem auch der Michaelsberg ziehe sie immer wieder an. „Man kann hier einmal von oben runtergucken“, sagt sie. „Manchmal muss man den Blick schweifen lassen.“ Aber so, dass man rechtzeitig wieder weg ist. „Nachmittags wird das nichts mit der Corona-Flucht, wenn die Massen hier sind.“ Ihnen sei nur zu gut bewusst, dass die Mutanten des Virus noch gefährlicher und ansteckender sind und eine gewisse Gefahr auch im Freien existiert. „Die Menschen sind auch einfach mürbe“, sagt Kolb.

Auch das To-Go-Geschäft läuft

Oder sie kämpfen, so wie Georg Tsiouprou, dessen Frau Grigoria das Panoramacafé neben der Kapelle gehört. Und der auch am Ostersonntag im Einsatz ist. Es riecht nach Gyros, Bratwurst, Bier und Eis werden verkauft. Natürlich nicht so, dass man sich bequem hinsetzen kann. „An so einem Tag wie heute wäre der Biergarten voll. Das wären 300 Gäste“, sagt Tsiouprou.

Man muss kämpfen.
Georg Tsiouprou, Panoramacafé Michelsberg

Zwar hat er auch an diesem Tag gut zu tun, aber „wir können hier nicht wirklich von großen Umsätzen sprechen“. Lamentieren allerdings bringe nichts. „Man muss kämpfen. Für die Mitarbeiter, dass die ihr Geld bekommen“, sagt er. Insofern sei er froh über jeden, der kommt. Und das sind einige. „Ich bin hier, um die Leute zu unterstützen“, sagt ein Passant aus Obergrombach. „Seit die hier sind, geht es auch dem Michaelsberg aufwärts. Das liegt alles nur an ihnen.“

Und ein anderer Passant wirft ein: „Ich komme aus Karlsruhe. Ich hätte nicht gedacht, dass hier irgendetwas auf hat.“

Wenn das Wetter schlechter ist, sind die Menschen hier vorsichtiger und angespannter, das merkt man richtig.
Georg Tsiouprou, Panoramacafé Michelsberg

Tsiouprou selbst ist vor allem froh, dass die Menschen „so diszipliniert“ sind und tatsächlich auf die Abstände achten. „Die frische Luft nehmen sie gerne mit, und das gibt zusätzliche Sicherheit.“ Allerdings verleite das schöne Wetter auch zu etwas Leichtsinn. „Wenn das Wetter schlechter ist, sind die Menschen hier vorsichtiger und angespannter, das merkt man richtig“, sagt der Wirt. Er könne nur bedauern, wie viele Kollegen bereits in Bruchsal aufgegeben haben. Er will weiterkämpfen.

Ruhig bleibt es aus Sicht der Polizei Karlsruhe. Dort sind keine Verstöße gegen die Corona-Verordnung durch die Ausflügler auf dem Michaelsberg bekannt.

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