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Schausteller meutern

Bruchsaler Weihnachtsmarkt: Die ersten Beschicker wollen offenbar aufgeben

Nach der Pforzheimer Absage des Weihnachtsmarktes nun auch Bruchsal? Bis Mittwochabend brodelte die Gerüchteküche in der Stadt wild. Nun gibt es Klarheit. So geht es mit dem Bruchsaler Marktgeschehen weiter.

Das Markenzeichen des Weihnachtmarktes: In Bruchsal dreht sich seit Dienstag die Glühweinpyramide. Doch Beschickerin Ingrid Alt will die Reißleine ziehen. Womöglich baut sie ihren Stand bald wieder ab. Foto: Martin Heintzen

Für Ingrid Alt war der erste offizielle Tag des Bruchsaler Weihnachtsmarkt womöglich auch der letzte. Seit 50 Jahren kommt die Beschickerin nach Bruchsal, seit zehn Jahren stellt sie hier die bekannte Glühweinpyramide auf.

Doch nun zieht sie die Reißleine, will ihre Stände am liebsten schon wieder abbauen. „Es macht mit 2G-plus für uns keinen Sinn“, sagt sie am Mittwochabend gegenüber den BNN.

Sie und ihr Mann sind frustriert. „Wir haben schon heute am ersten Tag so viel Ärger der Kunden abbekommen“, erzählt Alt. Auch andere Beschicker wollten ihre Zelt wieder abbauen. Noch am Mittwochabend hat sich das Gerücht auch via Facebook verbreitet, dass der Bruchsaler Weihnachtsmarkt schon wieder ganz schließt. Ähnlich also wie in Pforzheim, wo aber die Stadt die Schließung angeordnet hatte. Auch in Ettlingen hat man sich am Mittwochabend für eine Absage des Sternlesmarkt entschieden.

Doch Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) dementiert. „Von Seiten der Stadt gibt es keine Absage.“ Schon bei der Eröffnung am Dienstagabend sei allen die neue 2G-plus-Regel bekannt gewesen.

Noch am Abend hätten Branchenbund und Stadtverwaltung Absprachen getroffen, dass man möglichst bald Teststationen vor den Eingang des Weihnachtsmarkts bekommt, um die 2G-plus-Regeln niederschwellig umsetzen zu können.

Ich hätte mir gewünscht, dass man zumindest die ersten Tage abwartet und schaut, wie es läuft.
Cornelia Petzold-Schick, Bruchsaler Oberbürgermeisterin

„Ich hätte mir gewünscht, dass man zumindest die ersten Tage abwartet und schaut, wie es läuft“, erklärt Petzold-Schick, die von den sich überschlagenden Ereignissen sichtlich überrascht wurde. Sie habe Verständnis dafür, dass die 2G-plus-Regel nicht sofort am ersten Tag funktioniere. „Das kam einfach so plötzlich. Das ist eine Herausforderung für alle. Selbstverständlich.“

Sie verweist aber auf den Freitag: Da werden etwa bei der langen Einkaufsnacht „Brusl leuchtet“ viele Menschen in der Innenstadt sein. Davon könnten die Schausteller des Weihnachtsmarkts profitieren, ist sie sich sicher.

Wir hatten heute viele unzufriedene Kunden. Die Leute haben dafür kein Verständnis.
Ingrid Alt, langjährige Beschickerin des Bruchsaler Weihnachtsmarktes

Für Alt wohl keine Option. „Es geht nicht. Das funktioniert so nicht“, sagt sie. Sie will nicht länger warten: „Wir haben auch heute keine Leute am Platz“, berichtet sie am Mittwochabend. Unter diesen Umständen rechne sich das Ganze einfach nicht. Ihre Kunden bräuchten einen Impfausweis, einen aktuellen negativen Test und dann auch noch das grüne Bändchen.

„Wir hatten heute viele unzufriedene Kunden. Die Leute haben dafür kein Verständnis“, sagt Alt. „Bei uns lassen sie dann ihren Frust los“, so die Erfahrung der Schaustellerin, die neben der Glühweinpyramide auch einen Imbissstand betreibt. Ihr täten es weitere Beschicker nach, berichtet sie. Wer tatsächlich abbaut oder doch noch bleibt, darüber hatte die Stadt am Mittwochabend noch keine Erkenntnisse. „Ich habe Verständnis, dass überall die Nerven blank liegen“, so Petzold-Schick. Man versuche jetzt noch, die Beschicker zu überzeugen, erstmal zu bleiben. Auch Ingrid Alt meldet sich am Mittwochabend nochmal bei der Redaktion: Erst an diesem Donnerstag will sie eine endgültige Entscheidung treffen, sagt sie.

Grünes Bändchen heißt genesen oder geimpft. Wer etwas verzehren will, muss auf dem Weihnachtsmarkt einen Nachweis vorlegen. Seit Mittwoch zudem auch einen aktuellen negativen Test. Die Bändchen bekommt man an allen Verzehrständen. Foto: Martin Heintzen

Noch einen Abend zuvor ging es recht stimmungsvoll zu in Bruchsal: Der Posaunenchor Heidelsheim spielte am Marktplatz adventliche Weisen, die OB illuminierte das Rathaus und lud zur adventlichen Runde ein. Hunderte Menschen waren zur Eröffnung gekommen. Man tummelte sich – fast wie in alten Zeiten – am Glühweinstand und bei der Bratwurst- oder Langos-Bude. Die Beschicker an den Ess- und Trinkständen kontrollierten die Impf- oder Genesen-Nachweise.

Am Dienstagabend gab es noch Zuversicht

Es war der letzte Abend, an dem noch 2G galt. Bruchsals Oberbürgermeisterin hatte an die Eigenverantwortung der Menschen appelliert und darauf verwiesen, dass Virologen Treffen im Freien denen in engen Innenräumen vorziehen. „Wir machen das Beste draus“, war etwa Martina Bohner am Glühweinstand von Festprofi aus Ubstadt da noch zuversichtlich.

Die Stadt hatte auf ein entzerrtes Konzept gesetzt, mit Buden, die über die Stadt verteilt sind. Wer etwas verzehren wollte, musste genesen oder geimpft und seit Mittwoch zusätzlich negativ getestet sein. So hat es die Landesverordnung vorgeschrieben.

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