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Jahresrückblick – Januar bis März

Bruchsaler Zukunftsforschung: Wenn der Paketroboter drei Mal klingelt

Thomas Anderer aus Bruchsal nennt sich Tomorrow-Coach und erforscht, ob uns kleine Roboter künftig die Pakete anliefern anstatt der Paketfahrer mit dem Diesel-Fahrzeug.

Noch namenlos unterwegs: Dieser autonom fahrende Paketwagen soll künftig im Campus-Quartier in Bruchsal unterwegs sein. Projektkoordinator Maximilian Winter, SEW-Manager Johann Soder, Efeu-Campus Chef Thomas Anderer und der Projektverantwortliche Frank Schönung (von links) haben ihren Prototypen vorgestellt.
Noch namenlos unterwegs: Dieser autonom fahrende Paketwagen soll künftig im Campus-Quartier in Bruchsal unterwegs sein. Projektkoordinator Maximilian Winter, SEW-Manager Johann Soder, Efeu-Campus Chef Thomas Anderer und der Projektverantwortliche Frank Schönung (von links) haben ihren Prototypen vorgestellt. Foto: Martin Heintzen

Im Frühjahr 2021 musste noch ein junger Ingenieur mit einer Fernbedienung den kleinen Paketroboter durch die Straßen am Bruchsaler Campus-Gelände steuern. Mittlerweile fahren die innovativen Lieferanten tatsächlich autonom. „Wir haben jetzt bewiesen, dass unsere Roboter ihre Strecke durch das Wohngebiet eigenständig zurücklegen können“, sagt Thomas Anderer und freut sich.

Er nennt sich selbst Tomorrow-Coach und ist Chef im Efeu-Campus. Unter diesem Stichwort forscht und entwickelt ein Konsortium aus Firmen, Hochschulen und der Stadt Bruchsal an der Güterlogistik von morgen. Endlich, im Frühjahr bekommt auch die Öffentlichkeit erstmals zu sehen, was seit Jahren unter ziemlich abstrakten Begriffen weitgehend im Verborgenen entwickelt wurde.

In Bruchsal ist nun also seit einigen Wochen Deutschlands erster autonom fahrender Lieferroboter unterwegs. Am Ende soll er an gut 240 Bewohner Päckchen ausliefern und Müll einsammeln. Der Prototyp ist ein hüfthohes Wägelchen auf vier eng stehenden robusten Gummireifen, es hat zwei grüne Transportboxen geladen. Im kleinen, überschaubaren Wohngebiet an der ehemaligen Dragonerkaserne wird der bisher noch namenlose Roboter künftig Päckchen von einem Depot am Eingang des Viertels bis an die Haustür liefern. Im März 2022 soll das Depot fertig gebaut sein.

„Seit Frühjahr haben wir das Fahrzeug nochmal umgebaut, ebenso die Dockingstationen. Das ist später ein Kostenfaktor“, berichtet Anderer über die Fortschritte. Das Thema Güterverkehr auf der letzten Meile ist alles andere als trivial. Für autonome Fahrzeuge gibt es erstmals überhaupt Gesetze. „Wir haben uns jetzt um eine Ausnahmegenehmigung bemüht“, erklärt Anderer.

Roboter müssen Hindernisse eigenständig erkennen

Fünf Roboter sollen später die Lieferungen im Realdurchlauf stemmen, sie müssen untereinander kommunizieren. Vor allem aber müssen sie anhalten, wenn ein Kind die Straße quert oder ein Auto ums Eck kommt. „Wir werden die Roboter am Anfang natürlich weiterhin begleiten“, sagt Anderer. Ab März will man aber in ein neues Stadium eintreten. Dann sollen die ersten Empfänger, die Stadt Bruchsal mit ihren Büros am Campus und die SEW die Roboter bereits einsetzen. „Wir wollen nun in den Echtbetrieb kommen.“

„Im Schnitt wird ein Paket drei Mal angeliefert, bis es beim Empfänger landet“, hat Frank Schönung aus der SEW-Forschungsabteilung vorgerechnet. Das wäre nur ein Vorteil gegenüber dem heutigen Paketzustellsystem. Weil man den Roboter mit seinem Päckchen minutengenau per Smartphone anfordern kann, spart man viele Wege. „Wir stehen mit dem Bundesverband der Paketdienste im Kontakt“, so Anderer.

Beliefert uns irgendwann eine Lastendrohne aus der Luft?

Wenn die Roboter erst im Echtbetrieb laufen und viele Privatkunden im Quartier bedienen, ist das Thema für Bruchsal längst nicht beendet. Anderer und sein Team arbeiten an der Fortsetzung, haben bereits weitere Millionen eingeworben und träumen schon von der Lastendrohne von Volocopter. Sie soll - so die Vision - an der Autobahn Container mit Päckchen aufnehmen und in die Quartiere bringen. „Das ist auch Grundlagenforschung“, betont Anderer. Ob das jemals zur Serienreife kommt - der Tomorrow-Coach ist kein Hellseher. „Da sind noch viele Gespräche nötig.“ Auch andere Transportsysteme sollen am Campus erprobt werden und anderen Akteuren, etwa Städten und Gemeinden, als Anschauungsobjekte dienen.

Derweil freut sich der Efeu-Campus-Chef, dass die Idee mit den Paketrobotern auch bei Otto-Normalverbraucher gut ankommt. Eine ältere Frau fiebere regelrecht daraufhin, berichtet Anderer. Bislang muss sie immer die Päckchen vieler Nachbarn annehmen. Künftig solle den Job doch bitte der Roboter erledigen, hofft sie.

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