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Bundestagswahl am 26. September

Nur eine Direktkandidatin in Bruchsal-Schwetzingen hat eine zweite Chance

Bei der Bundestagswahl kämpfen die Direktkandidierenden in Bruchsal-Schwetzingen oder Karlsruhe-Land um die Erststimme. Manche der Politiker haben dazu eine zweite Chance, über die Landesliste ihrer Partei in den Bundestag zu kommen.

Bei der Wahlwerbung der Parteien geht es um die Erststimme für die regional Kandidierenden und die Zweitstimme für eine Partei. Wer über diese Zweitstimme aus Baden-Württemberg in den Bundestag kommt, das hängt vom Platz der Politiker auf de Landesliste ihrer Partei ab. Foto: Martin Heintzen

Vor vier Jahren konnte Olav Gutting neben dem Sieg im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen noch ein zweites persönliches Erfolgserlebnis abholen. Der CDU-Kandidat war bei der Bundestagswahl 2017 regional beliebter als seine Partei.

Gutting erhielt im Spargelwahlkreis rund 63.000 Erststimmen, bei den Zweitstimmen wurde die CDU dagegen nur 53.000 Mal angekreuzt. In Prozentanteilen ausgedrückt: 41,5 Prozent sowie 34,8 Prozent.

Auch bei der Wahl in diesem Jahr schauen alle, die sich bewerben, später auf diesen Vergleich zwischen Persönlichkeit und Partei. Also zwischen Erst- und Zweitstimme in ihrem Wahlkreis.

Manche Kandidaten haben zwei Möglichkeiten gewählt zu werden

Es ist immer ein Prestigeerfolg, persönlich besser abzuschneiden. (Aus welchen Gründen auch immer, es kann auch mehr mit der Taktik der Wähler zu tun haben.)

Aber es gibt weit handfestere Zusammenhänge zwischen Erstkandidaten- und Parteien-Stimme. Manche Bewerber haben nämlich ein weitere Möglichkeit, in den Bundestag zu kommen.

Wenn sie auf der Landesliste ihrer Partei abgesichert sind. In diesem Fall auf den baden-württembergischen Listen, die jede Partei selbst mit Abstimmungen festlegt.

SPD-Bewerberin auf Platz 25 der Landesliste

Wer ist von den Erstkandidaten aus dem Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen (Nr. 278) auf einer Landesliste vertreten? Nur eine Bewerberin. Neza Yilderim von der SPD hat am 26. September eine zweite Chance auf das Ticket nach Berlin.

Aber wohl nur, wenn ihre Partei in Baden-Württemberg besser abschneidet als 2017. Denn Yilderim steht auf Rang 25 der SPD-Liste. Und diese Partei schickte vor vier Jahren 16 Männer und Frauen auf der Liste nach Berlin. Das SPD-Zweitstimmenergebnis damals in Baden-Württemberg: 16,4 Prozent.

Wie viele Prozent diesmal für Yilderim für einen Erfolg auf dem Umweg nötig wären, ist schwer vorauszusagen. Denn es kommt nicht nur auf das eigene Ergebnis an, sondern auch, ob Ausgleichsmandate ergattert werden. Davon profitierten 2017 SPD, Grüne, FDP, AfD und Linke. Weil die erfolgreiche CDU alle 38 Direktmandate in Baden-Württemberg durch Erststimmen gewann. Aber laut Zweitstimmen nicht so viele Abgeordnete gestellt hätte.

Für CDU-Bewerber war die Landesliste bislang nachrangig

Die aktuellen Kandidatinnen von Grünen (Nicole Heeger), AfD (Ruth Rickersfeld) und Linken (Alina Schmitt) oder der FDP-Bewerber Christopher Gohl sind auf keiner Landesliste vertreten, wenn sie in Bruchsal-Schwetzingen antreten.

Der Titelverteidiger, CDU-Abgeordneter Olav Gutting, steht ebenfalls nicht auf der Liste seiner Partei. Dieses Privileg haben auch nur elf von 38 CDU-Kandidaten in Baden-Württemberg. Und vor allem die Parteiprominenz, angeführt von Wolfgang Schäuble. Vor vier Jahren schickte die CDU keinen einzigen Aspiranten zusätzlich von der Landesliste in den Bundestag.

Viele Namen aus der Region auf den Parteilisten

Warum wurde von den Christdemokraten trotzdem für 2021 eine Landesliste von 60 Personen erstellt?

Dazu erklärt Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung: „Es ist zum einen ein Signal der Demokratie. Niemand hat eine Garantie, das Direktmandat für seine Partei zu erringen. Zum anderen zeigen die Parteien durch die Liste, dass sie gute personelle Angebote haben. Und schließlich ist die Liste mit Rücksicht auf innerparteiliche Konstellationen erstellt.“

Deshalb sind Frauen, junge Leute, Menschen mit Migrationshintergrund oder regionale Parteispitzen austariert vertreten, sagt Wehner. Tatsächlich finden sich auf der CDU-Landesliste auf Rang 17 Annette Dietl-Faute aus Oftersheim im Spargelwahlkreis, auf 21 Lily Hummel aus Bad Schönborn oder auf Rang 55 Daniel Kößler aus Bretten.

Auf der Grünen-Landesliste tauchen Sibylle Klenzendorf (Platz 46) und Björn Bohnemkampf auf Rang 47 auf. Beide wohnen in Forst.

Hintere Plätze auf den Parteilisten

Listenkandidaten sind außerdem Jens Dänner aus Ubstadt-Weiher (für „Die Partei“, Platz 31); Rüdiger Ott und Giorgio Mariotti aus Bruchsal (für „Die Basis“, Platz 23 und 27.)

Die Gemeinden Kraichtal, Gondelsheim und Graben-Neudorf gehören zum Wahlkreis Karlsruhe-Land. In diesem Wahlkreis Nr. 272 haben mehr Direktkandidaten der größeren Parteien (hintere) Plätze auf den Landeslisten bekommen. Nicht Nicolas Zippelius (CDU), aber Patrick Diebold (SPD, Platz 34), Sebastian Grässer (Grüne, Platz 41) und Jörg Rupp (Die Linke, Platz 18).

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