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Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen

Bruchsaler Bundestags-Kandidaten bespielen verstärkt TikTok, Instagram und Co

Bundestagskandidat Olav Gutting (CDU) ist sogar auf TikTok präsent. Der Videoplattform vor allem für ganz junge Leute. Auf Facebook & Co sich darzustellen ist auch für seine Konkurrentinnen von SPD und Grünen wichtig. Aber die Reichweite ist durchaus unterschiedlich.

Per Klick zu den Bundestagskandidaten: Die Präsenz auf Sozialen Netzwerken kommt im Wahlkampf 2021 verstärkt hinzu. Manche sind neu dabei online, andere nutzen schon lange alle Möglichkeiten. Foto: Yui Mok/dpa/PA Wire

Mit heiteren Videos ist Olav Gutting auf TikTok präsent. Also auf jenem Online-Portal, das von sehr jungen Leuten geschätzt wird. Der erneute CDU-Kandidat bei der Bundestagswahl führt in einem Film aufs Dach des Reichstags.

In einem anderen Streifen macht er ein Spiel mit, das „Put a finger down“ heißt. Er hält zehn Finger hoch und muss immer einen senken, wenn er Fragen mit Ja beantwortet. Dabei bekennt er, schon mal im Bundestag eingenickt zu sein und gegen seine Partei gestimmt zu haben. Aber nein, nie dachte er daran, Bundeskanzler zu werden.

Über 370 Leute folgen „dem Olav mit Vogel-V“, wie er sich vorstellt, auf TikTok. Und auf 3.000 Likes kommt er dort.

Seit zehn Jahren ist CDU-Kandidat Olav Gutting auf Twitter und Co

„Die Präsenz auf TikTok ist der jüngste Schritt meiner schon zehnjährigen politischen Aktivität auf solchen Netzwerken“, erläutert der langjährige Abgeordnete für den Raum Bruchsal.

Instagram und Facebook sind für Kontakte im Wahlkreis wichtig.
Olav Gutting, CDU-Politiker

Früh schon war er auf Twitter und auf anderen Kanälen präsent. „Instagram und Facebook sind für Kontakte im Wahlkreis wichtig, bei Twitter geht es mehr um meine Arbeit als Finanzpolitiker in Berlin, außerdem tummeln sich dort viele Journalisten“, sagt der langjährige Parlamentarier mit über 3.000 Followern auf Twitter. Seinen Facebook-Account haben über 800 im Abo angeklickt.

Neue Kanäle bespielen – das machen alle Kandidaten der großen Parteien im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen. Allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Und alle betonen: Das persönliche Gespräch am Wahlstand oder der Mailkontakt sind weiter enorm wichtig, um den wählenden Menschen Rede und Antwort zu stehen. Guttings ergänzende Bilanz lautet: Auf Social Media muss man viel persönlich machen und authentisch sein.

Politiker auf Instagram und Co: „Nur echte Anliegen und Botschaften zählen“

Neza Yildirim, SPD-Kandidatin im sogenannten Spargelwahlkreis, hat ebenfalls festgestellt, dass in den Netzwerken der Mensch gefragt ist, der wirklich etwas zu sagen habe. Und nicht nur mit irgendwas regelmäßig die Welt beliefere, ohne etwas mitzuteilen. Genau das letztere sei jedoch bei der Konkurrenz zu erkennen.

Yildirim glaubt, dass Nutzer „den Unterschied spüren, ob auf Social Media nur deswegen kommuniziert wird, weil man glaubt, es eben machen zu müssen, oder weil man sie ernst nimmt, ein echtes Anliegen und eine Botschaft hat.“ Die Sozialdemokratin trat bereits 2017 für den Bundestag an und kann vergleichen: Instagram nutzte sie 2017 noch nicht im Wahlkampf.

Die Follower-Zahlen dort hätten sich 2021 verdoppelt. Heute kommuniziere sie nicht nur über ein Profil auf Facebook (FB) mit 2.000 Usern, sondern über eine FB-Seite mit 2.000 Nutzern. Dennoch hält sie ihre „Zuhör-Tour“ zu Pflegeheimen oder der Gastronomie für gleichermaßen wichtig, ebenso wie gedruckte Werbung möglichst in jedem Briefkasten. Beispielsweise durch die Tageszeitungen.

Direkte Gespräch und Anzeigen bleiben neben Social Media wichtig

Nicole Heger findet, es habe sich in ihrem Wahlkampf als Bewerberin der Grünen bewährt, bei der Bundespartei ein Social-Media-Paket zu buchen. „Durch eine sehr gute Reichweite stiegen die Zugriffe auf die eigene Webseite signifikant an“, berichtet die Waghäuslerin. „Auf Facebook sind 15 Prozent an Abonnenten dazu gekommen, auf Instagram 30 und auf Twitter 50 Prozent.“

Schaut man auf die Accounts, dann werden in absoluten Zahlen dort zwischen 220 und 1.560 Followern angegeben. Heger trat in diesem Jahr bereits im Wahlkreis Bruchsal bei der Landtagswahl an. Und kratzte am ersten Platz. „Die Anfragen, meist per Mail, kommen nun in ähnlicher Zahl wie damals“, so Heger. Telefonsprechstunden, Marktgespräche oder direkte Treffs bleiben ebenso wichtig.

Schattenseite der Social-Media-Präsenz der Bundestagskandidaten: Anfeindungen

Die Schattenseite der Online-Netzwerke erleben sowohl Heger als auch Yildirim immer wieder. Falschbehauptungen über Grüne und Anfeindungen aller Art sind dabei. Oder rassistische und ausländerfeindliche Hassbotschaften. „Andererseits habe ich auf Social Media auch einen überwältigenden Zuspruch erhalten, als ich den Brandanschlag auf mein Wahlplakat publik gemacht habe“, so die SPD-Kandidatin.

Entscheidend bleibt dabei der Dialog. Die Leute wollen Fragen persönlich klären.
Christopher Gohl, FDP-Politiker

Christopher Gohl ist der FDP-Bewerber im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen. Er freut sich über mehr als 3.000 Follower auf Twitter und erklärt das durch seine langjährige Vernetzung in der Bundespartei. Nimmt man alle Kanäle, spricht Gohl von 2.500 Menschen, die in den vergangenen Monaten für seine Statements gewonnen hat. „Entscheidend bleibt dabei der Dialog. Die Leute wollen Fragen persönlich klären.“

Erst vor wenigen Monaten ins Online-Geschäft eingestiegen ist die spät nominierte AfD-Kandidatin Ruth Rickersfeld. Entsprechend gering sind die Zahlen ihrer Community auf Facebook. Kritische Kommentare würden dort weiter dokumentiert, betont Rickersfeld. Auch sie musste nach Beschimpfungen schon User sperren.

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