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Corona-Pandemie

Kliniken im Kreis Karlsruhe am Limit: RKH-Klinikchef fordert „Lockdown der Vernünftigen“

Die vierte Corona-Pandemie-Welle trifft die RKH-Kliniken mit voller Wucht – auch die Belastung der Kliniken in der Region Karlsruhe stößt an ihre Grenzen. Der Klinikchef fordert die Menschen zum freiwilligen Lockdown auf.

Mitarbeiter sind am Anschlag: Die vierte Pandemie-Welle trifft die RKH-Kliniken mit voller Wucht. Foto: Benjamin Stollenberg/RKH-Kliniken

Es ist ein Arbeiten am Limit: Die Kapazitäten in den RKH-Kliniken, zu denen die Krankenhäuser in Bretten, Bruchsal und Mühlacker gehören, sind durch die vierte Pandemie-Welle ausgeschöpft. Volle Intensivstationen, erschöpftes Klinikpersonal, und es zeigt sich kein Licht am Ende des Tunnels. Nun drohen Versorgungsengpässe.

„Die Lage spitzt sich zu“, sagte Jörg Martin. Der Geschäftsführer der RKH-Kliniken sprach in einer Pressekonferenz am Donnerstag von einer „Pandemie der Ungeimpften“ und forderte nicht nur einen freiwilligen „Lockdown der Vernünftigen“, sondern sprach sich auch für eine Impfpflicht aus. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, wie lange die Klinikmitarbeiter noch durchhalten könnten.

Von insgesamt 104 Intensivbetten in den RKH-Kliniken sind aktuell (Stand Donnerstag, 25. November) 96 belegt, davon 41 mit Covid-Patienten. Und der Bedarf wird weiter steigen, wie Stefan Weiß, Katastrophenschutzkoordinator und Leiter des Corona-Krisenstabmanagements in den RKH-Kliniken deutlich machte.

Davon betroffen sind auch die RKH-Kliniken im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis: An der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal sind 20 von 25 Betten belegt, davon sieben mit Covid-Patienten. An der Rechbergklinik in Bretten werden aktuell alle acht Intensivplätze in Anspruch genommen, drei davon von Covid-Patienten. Mühlacker verfügt über neun Intensivbetten, von denen ebenfalls alle belegt sind, fünf davon mit Covid-Patienten.

Schon jetzt müsse unter den Patienten priorisiert und entschieden werden, welche Intensivpatienten auf der Normalstation behandelt werden, führte Krisenstabmanager Weiß aus. „Sub-Standard-Medizin“ bedeutet das im Konkreten: Die Versorgung sei bei dieser vollen Auslastung zwar gewährleistet, aber nicht in der gleichen Qualität. Gleiches gelte für die Notfallversorgung. Operationen, die planbar seien, würden zudem aktuell reduziert.

Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie im RKH-Klinikum Ludwigsburg und Koordinator der Versorgungscluster in Baden-Württemberg, wies darauf hin, dass Patienten aus Karlsruhe, Pforzheim und Langensteinbach bereits in Krankenhäuser nach Rheinland-Pfalz verlegt werden mussten, weil für sie keine Kapazitäten mehr vorhanden waren.

Seit Mitte November verzeichnen die RKH-Kliniken einen deutlichen Anstieg der Covid-Patienten, sowohl auf den Normal- als auch den Intensivstationen. Aktuell sind in Baden-Württemberg über 500 Intensivbetten belegt. Krisenstabmanager Weiß rechnet mit einem weiteren Anstieg und einem Bedarf von 700 Intensivbetten in den nächsten zwei Wochen. „Wir erwarten nicht, dass der Druck vor dem Jahreswechsel nachlässt“, sagte er. Es bräuchte eine Impfrate von über 90 Prozent, besser noch 95 Prozent, um die Pandemie zu brechen. Ein „kurzfristiger durchschlagender Effekt“ sei deshalb nicht zu erwarten.

Auf den Intensivstationen lägen fast ausschließlich Ungeimpfte, führte Weiß aus. Geldner ergänzte, dass er sicher nur von einem Geimpften wisse, der intensiv behandelt werden müsste. Dieser sei mit einem chinesischem Impfstoff doppelt geimpft worden.

Die RKH-Kliniken schulen aktuell Ärzte, Pflegekräfte und sogar Mitarbeiter, die eigentlich in der Verwaltung tätig sind, um an den Brennpunkten, aber vor allem auf den Covid-Stationen das Personal zu unterstützen. Eine Intensivpflegekraft hat eine spezielle Ausbildung absolviert, die über Jahre erlernt wird. Dies lasse sich in so kurzer Zeit nicht kompensieren, aber die Kollegen könnten so zumindest entlastet werden.

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