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Rückblick

Critical Mass in Bruchsal: Auf der kleinen Route gibt es große Probleme

Die Critical Mass rollt wieder in Bruchsal. Nach einem Jahr rollender Demos blicken die Radler zurück.

Blechlawine der anderen Art: Seit über einem Jahr radelt die Critical Mass durch Bruchsal, um auf die Anliegen der Radfahrer aufmerksam zu machen. Doch getan hat sich aus Sicht vieler Teilnehmer seitdem nur wenig.
Blechlawine der anderen Art: Seit über einem Jahr radelt die Critical Mass durch Bruchsal, um auf die Anliegen der Radfahrer aufmerksam zu machen. Doch getan hat sich aus Sicht vieler Teilnehmer seitdem nur wenig. Foto: David Heger

Ob heute denn die große oder kleine Strecke gefahren werde, möchte eine Frau gleich zu Beginn wissen. „Die kleine“, antwortet Svenja Gensow und schwingt sich auf’s Rad. Damit rollt an diesem Mittwoch Bruchsals insgesamt elfte Critical Mass an – mit rund 20 Teilnehmern vorbei auf kleiner Route an den großen Problemstellen für den Radverkehr.

Und die sind aus Sicht der rollenden Demonstranten zahlreich: „Gleich hier am Bahnhof fängt’s an“, erklärt Svenja Gensow, die den Fahrrad-Protest seit über einem Jahr mitorganisiert und an diesem Tag den Demo-Zug durch die Innenstadt anführt.

„Am Saalbachcenter vorbei braucht es einen beidseitigen Radweg“, fordert sie. Und: Die dortige Parkhaus-Ausfahrt sei für Radfahrer „brandgefährlich“, ergänzt Lukas Trunk, einer der Demoteilnehmer der ersten Stunde.

Seit einem Jahr in Bruchsal

Der Gedanke hinter dem Radfahr-Protest: Allein oder zu zweit haben Radler im Autoverkehr meist die schlechteren Karten. Was aber, wenn sich viele zusammentun, eine „kritische Masse“ bilden und so den Autoverkehr für einen Moment ausbremsen, um den öffentlichen Raum für Unmotorisierte zurückzuerobern?

Seit einem Jahr läuft dieser Versuch in Bruchsal – inzwischen mit einem festen Kern aus rund 15 Radlern und Velo-Fahrern, schätzt Mitinitiatorin Nina Wienhöfer. „Vor einem Jahr waren wir nicht sicher, ob eine Critical Mass in Bruchsal überhaupt laufen würde“, erinnert sie sich. Es mache sie stolz, „dass wir jetzt schon über ein Jahr fahren“, sagt sie.

Dabei sind die Forderungen der Bruchsaler Critical Mass dieselben wie zu Beginn. „Klimaschutz das ist nicht schwer, mehr Geld für den Radverkehr“, lautet noch immer der Schlachtruf der rollenden Demonstranten. Was sagt das über den Erfolg des Protests? „Als Radfahrer in der Autofahrer-Nation Deutschland gibt es immer etwas zu tun“, glaubt Lukas Trunk. Doch: Die konkreten Erfolge bleiben in Bruchsal überschaubar, findet Svenja Gensow.

„Es habe sich wenig getan“

Getan habe sich etwas in puncto Einführung von Tempo 30 in Untergrombach und der verbesserten Verkehrsführung in der Innenstadt vorbei an der Kreuzung am Schönborplatz, zählt sie auf.

„Eigentlich ziemlich wenig“, sagt Gensow und schiebt nach: „Wir sollten diesen Stillstand dringend transparent machen. Andere messen den Erfolg in der Aufmerksamkeit für ihre Anliegen: „Über das Thema Radverkehr ist heute sehr viel besser im Gemeinderat zu diskutieren“, beschreibt es der Bruchsaler Kreisrat Eberhard Schneider – vielleicht auch deshalb, weil so mancher Stadtrat im vergangenen Jahr bereits selbst zum rollenden Demonstranten geworden ist.

„Das ist sicher einer unserer Erfolge“, sagt er. Dass die Bilanz der konkreten Verbesserungen für den Radverkehr bislang mager ausfalle, wundere ihn nicht: „Bruchsal braucht mehr Stadtplanung aus Sicht der Radfahrer“ – und dafür mehr Personal im Rathaus.

Und noch etwas ist seit Beginn der Critical Mass für die Protestler unverändert: Ihre Blechlawine der anderen Art stößt nicht nur auf Verständnis – mancher Autofahrer lässt sich im Feierabendverkehr zu waghalsigen Überholmanövern hinreisen. Davon ausbremsen lassen will sich die rollende Demonstration nicht: „Genau wegen dieser Autodominanz braucht es die Critical Mass“, gibt sich Mitorganisatorin Nina Wienhöfer kämpferisch. Der nächste Termin stehe schon fest – jeden letzten Mittwoch im Monat soll auch künftig geradelt werden.

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