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Volle Fässer wegen Lockdown

Bruchsaler Brauer: „Danach muss ich alles ins Abwasser laufen lassen“

Während des Corona-Lockdowns bleibt im Bruchsaler Brauhaus „Wallhall“ der Zapfhahn zu. Inhaber Christian Hochhaus glaubt: Einige Brauereien werden die Zwangsschließung nicht überleben.

Auf dem Trockenen: Im Brauhaus „Wallhall“ bleibt der Zapfhahn während des Lockdowns zu. „Wallhall“-Chef Christian Hochhaus rechnet damit, dass viele kleinere Brauereien die Zwangsschließung nicht überleben. Er hofft auf 2021. Foto: Marie Orphal

Bierbrauer sitzen während des Corona-Lockdowns auf dem Trockenen. Seit die Gastronomie zu hat, ist vor allem der Fassbier-Verkauf eingebrochen.

Während Industriebrauer weiterhin Flaschenbier an den Großhandel liefern, bleibt bei vielen kleinen Hausbrauereien der Zapfhahn zu.

Unser Redaktionsmitglied Marie Orphal sprach mit Inhaber Christian Hochhaus über die Probleme, die er und viele andere Brauer nun haben.

Herr Hochhaus, wann haben Sie das letzte Bier getrunken?
Christian Hochhaus

(überlegt) Vielleicht vor zwei Monaten. Ich trinke wenig Alkohol – das widerspricht meinem Beruf, ich weiß. Ich bin mehr der Genusstrinker.

…und gezapft?
Hochhaus

Gestern. Einmal in der Woche kontrolliere ich die Leitungen. Dabei zapfe ich immer einen Schluck Bier ab und nippe daran. So überprüfe ich, ob das Bier noch gut ist.

Ist die Branche durch Corona in Gefahr?
Hochhaus

Man muss zwischen Industriebrauereien und kleinen Hausbrauereien unterscheiden. Bei Industriebrauern ist zwar der Fassbier-Verkauf eingebrochen, weil die Gastronomen zu haben. Ihr Hauptgeschäft ist aber die Belieferung des Großhandels mit Flaschenbier. Dort verzeichnen sie sogar Zuwachs: Seit Corona kaufen die Leute mehr Bier im Supermarkt. Hausbrauereien verkaufen ihr Bier überwiegend in der eigenen Wirtschaft. Daher liegt der Umsatz momentan nahezu bei null.

Ist das das Aus für viele kleine Brauereien?
Hochhaus

Man rechnet damit, dass ein Viertel der Gastronomie den zweiten Lockdown nicht überlebt. Bei den Brauereien ist die Quote hoffentlich etwas besser. Viele haben mehrere Standbeine, wir haben zum Beispiel noch ein Hotel. Wir sind gut aufgestellt, haben solide gewirtschaftet. Ich kann ein bisschen gelassener sein. Für Brauer, die noch keinen „Speck“ angesammelt haben, gerade Investitionen getätigt haben oder Pacht zahlen müssen, wird es eng.

Gelten die Corona-Hilfen des Bundes auch für Brauereien?
Hochhaus

Ja, wir als Hausbrauerei bekommen die Hilfen. Bisher haben wir eine Abschlagszahlung bekommen, die volle Summe soll erst im Januar ausbezahlt werden. Für die Kollegen, denen das Wasser schon bis zum Hals steht, dauert das zu lange.

Brauen Sie im Lockdown weiter?
Hochhaus

Nein, wir haben die Handbremse gezogen und die Produktion stillgelegt. Im Oktober haben wir das letzte Bier gebraut. Da war noch nicht klar, dass wir im November schließen müssen. Auch auf unser Weihnachtsbier haben wir verzichtet. Das tat mir in der Seele weh. Im Nachhinein muss man sagen: Gott sei Dank. Sonst hätten wir fünftausend Liter Bier wegschütten können. Weihnachtsbier kann man ja nicht mehr im Februar verkaufen. Wenn absehbar ist, wann wir öffnen dürfen, fangen wir an zu brauen. Dabei müssen wir etwa vier Wochen vorausdenken: Das Bier muss gelagert werden und gären, bevor die Produktion losgeht.

Haben Sie noch genug Bier auf Lager?
Hochhaus

Im Keller lagern ungefähr viertausend Liter Restbestände. Die kann ich noch bis Februar oder März ausschenken. Danach werde ich den Hahn aufdrehen müssen und alles ins Abwasser laufen lassen. Unser Bier ist nicht geklärt, sondern naturtrüb. Hefe und Trübstoffe sinken mit der Zeit ab. Deshalb ist das Bier nur ungefähr drei Monate haltbar – anders als Industriebiere, die sich bis zu zwei Jahre halten.

Brummt während des Lockdowns der Außerhaus-Verkauf?
Hochhaus

Nein, der macht nur einen Bruchteil unseres Umsatzes aus. Im Moment haben wir gar keinen. Der Aufwand ist zu groß. Wir müssten acht Stunden am Tag jemanden bezahlen, der das Bier abfüllt und verkauft. Das rentiert sich nicht. Aber es rufen immer wieder Leute an und fragen nach Bier. Denen zapfen wir etwas ab. Die Leute sollen wissen, dass sie auch in schweren Zeiten ihr Bier bei uns bekommen.

Ihr Fazit zum Corona-Jahr?
Hochhaus

November und Dezember sind mit die umsatzstärksten Monate für uns, der zweite Lockdown reißt also ein noch größeres Loch als der erste. Am Ende des Jahres werden wir bei 70 bis 75 Prozent weniger Umsatz sein.

Hoffen Sie auf 2021?
Hochhaus

Wir müssen durchhalten. Ich glaube nicht, dass wir vor Ostern öffnen dürfen. Wenn es wärmer wird und man wieder draußen sitzen kann, wird sich die Lage hoffentlich normalisieren.

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