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Start für Stadtbus war im Jahr 2000

Der robuste Max-Bus bringt seit 20 Jahren die Bruchsaler zueinander

Seit 20 Jahren rollen in Bruchsal städtische Busse durch die Stadt und die Stadtteile. Das Konzept hat sich bis heute als erstaunlich robust erwiesen. Der Max genannte Stadtbus auf heute sechs Linien ist eher stärker als schwächer geworden. Und trotz finanzieller Sorgen im Coronajahr gibt es noch Wünsche.

Der Bruchsaler Stadtbus in Heidelsheim: Zwei Ringlinien verhinden die Stadtteile mit dem Zentrum. Foto: Martin Heintzen

Rund eine Viertelstunde dauert es laut Fahrplan mit dem Stadtbus Bruchsal von Büchenau in die Kernstadt. Für Inge Stille ist es die ideale Verbindung mitten ins städtische Leben. Und noch weiter in andere Ecken von Bruchsal, wenn sie möchte. „Das ist das Beste, was mir passieren konnte vor 20 Jahren. Ich bin seitdem treue Kundin des Stadtbusses, mehrmals in der Woche und am Wochenende.“

Die Büchenauer Rentnerin nutzt die Linie 185 oder die Linie 186 zum Edeka in Untergrombach. „Nach einer halben Stunde habe ich alles und fahre zurück.“ Dass nach 20 Uhr die Rückfahrt nach Büchenau nicht mehr möglich ist, kann Inge Stille akzeptieren. „Sonst würde es ja noch teurer für die Stadt. Wir haben dann schon mal das Taxi genommen.“

Seit September 2000 ist der Stadtbus unterwegs

Seit 20 Jahren rollt eine Stadtbusflotte durch Bruchsal. Den Namen Max hat die Agentur Artbox dem Projekt mitgegeben. Im September 2000 begannen die Stadtwerke mit eigenen Fahrzeugen, Menschen zum Umstieg zu bewegen und zu verbinden. Die Linien 180 und 181 bieten heute einen Halbstundentakt zur Südstadt sowie auf den Weiherberg.

Die Nummer 182 und 183 holen stündlich weiter aus. Die Nummer 184 gibt es nicht mehr, und hinter den Linien 185 und 186 stecken stündliche Ringlinien nach Büchenau, Untergrombach, Obergrombach, Helmsheim und Heidelsheim mit gegenläufiger Fahrtrichtung. Alle Busse rollen im Prinzip von 6 bis 20 Uhr an Werktagen. Nur die Stadtteile werden sonn- und feiertags alle zwei Stunden bedient.

Zentrale Drehscheibe und Umsteigestelle für die acht eigentlich blauen und mittlerweile auch roten Busse ist das „Rendezvous“ in der Bahnhofstraße. Dieser Platz war das Herzstück im Konzept von 2000, das sich bis heute als erstaunlich robust erweist. Manche Linien haben sich geändert, aber Max ist eher stärker als schwächer geworden.

Am Anfang war am Samstag noch kein Betrieb bis in den Nachmittag. Der Sonntagsverkehr in die Stadtteile ist gerade mal sechs Jahre alt. „Einmal stündlich in die Stadtteile ist nicht ideal, da wäre mehr zu wünschen. Dazu sollten wenigstens an Freitagen oder Samstagen die Busse abends etwas länger fahren, um für junge Leute attraktiver zu sein“, findet Hakim Berdaoui. Der 18-jährige Heidelsheimer Busnutzer gehört dem Jugendgemeinderat an.

Abfahrt am Rendezvous: Die Stadtbuslinien treffen an einem Platz zwischen Bahnhof und Zentrum zusammen. Noch. Geplant ist die Verlegung an den Bahnhof. Foto: Martin Heintzen

Für die Menschen in Heidelsheim und Helmsheim erwies sich der Bus besonders wichtig, als die Stadtbahn durch Abellio 2019 lange unzuverlässig war. Darauf weist Valentin Gölz hin. Er war Heidelsheimer Ortsvorsteher, als das Max-Konzept an den Start ging. „Mit bleibenden Gewinn für die Stadt und die Stadtteile.“

Städtische Linien mittlerweile gut in KVV integriert

Gölz erinnert sich, dass der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) gar nicht erfreut war, als Bruchsal eigene Busse aufstellte. Mittlerweile gelten die städtischen Linien als gut integriert in die Netzspinne des KVV. Und führen dessen Stadtbahnen Nutzer zu, beispielsweise, wenn Obergrombacher und Büchenauer gut zum Bahnhof in Untergrombach kommen.

Die Nutzung der Stadtbahnen auf Bruchsaler Gebiet ist mit dabei, wenn man die Max-Monatskarte für 49,50 Euro erwirbt. Rund eine Million Fahrgäste nutzten die Stadtbusse jährlich bis 2018. Schon 2019 kam gab es nur noch 868.000 Nutzer. Das Corona-Jahr wird weiteren Rückgang bescheren.

Beim Bus muss mit 600.000 Euro weniger Einnahmen gerechnet werden, hieß es im Juli im Gemeinderat. Dabei hatten es die Stadtwerke 2017 geschafft, dass “nur“ rund 500.000 Euro für den Betrieb zugeschossen werden mussten. Ansonsten wurde schon mal eine Million zur Kostendeckung benötigt.

Erhalten die Büchenauer wenigstens eine überdachte Haltestelle? Oder bremst das Corona-Jahr neue Ziele des Stadtbusses? Es gibt kleine und große Zukunftsfragen. Bereits beschlossen ist der Abschied vom Rendezvous zwischen Schlossstraße und Europaplatz, wo 2014 der lange schadhafte Straßenbelag saniert werden musste.

Trotz Gehbehinderung mit dem Bus mobil?

Die „Maxe“ sollen einmal an eine gebündelten Busbahnhof direkt am Bahnhof umziehen. Veränderung fährt mit im Max. Helmsheims Ortsvorsteherin Tatjana Grath weiß vom Wunsch vieler älterer Bürger, trotz Gehbehinderung mit dem Bus mobil sein zu können. Lässt sich dieser Wunsch erleichtern?

„ Es gibt ein System, das in der Schweiz gerade in einem Basler Bus ausprobiert wurde“, berichtet Grath. Dabei handelt es sich um eine Fixierung des Rollators im Bus. Aus einer Halterung in der Nähe des Einstiegs kann man eine Art Teppich ausrollen. Der wird über den Sitz des Rollators gelegt und macht ihn stabil.

Mit einer internen Geburtstagsfeier blicken die Stadtwerke an diesem Mittwoch, 23. September, auf 20 Jahre Stadtbus zurück. Dann sind auch Bernd Doll und Peter Solberg dabei, die als Oberbürgermeister sowie Geschäftsführer der städtischen Tochter den Stadtbus mit heute acht Fahrzeugen und 100 Haltestellen kräftig mit angeschoben haben.

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