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Wiesental vor 75 Jahren

Die Bomben für Waghäusel-Wiesental waren für Mannheim bestimmt

Vor 75 Jahren, am 21. Januar, 1945, wurde das Dorf Wiesental Opfer eines militärischen Versehens. Um 12.06 Uhr und 12.10 Uhr wurde die tödliche Fracht über dem heutigen Waghäusler Stadtteil abgelassen. Dabei starben 37 Einwohner, an die 30 Häuser und über 100 Scheunen wurden zerstört. Die Pfarrkirche St. Jodokus brannte vollständig aus. Erst in den Jahren 1947 bis 1953 wurde sie wieder aufgebaut.

Wiesentals Pfarrkirche St. Jodokus wurde am 21. Januar 1945 bei einem Bombenangriff ebenso getroffen wie über 30 Häuser. Foto: Stadtarchiv Waghäusel

Das eigentliche Ziel war noch viereinhalb Minuten entfernt. Doch im Führungsflugzeug wurde die Bombenklappe vorzeitig geöffnet. Was zur Folge hatte, dass eine weitere Maschine der amerikanischen Luftwaffe 24 Sprengbomben und 24 Behälter mit je 110 Stabbrandbomben ausklinkte. Sie trafen nicht den vorgesehenen Rangierbahnhof Mannheim, sondern Wiesental, 17 Meilen südlich des zugewiesenen Zielpunkts.

Vor 75 Jahren, am 21. Januar, 1945, wurde das Dorf Opfer eines militärischen Versehens. Um 12.06 Uhr und 12.11 Uhr wurde die tödliche Fracht abgelassen. Dabei starben 37 Einwohner, an die 30 Häuser und über 100 Scheunen wurden zerstört. Die Pfarrkirche St. Jodokus brannte vollständig aus. „Zwei Säulen des Mittelschiffs sind eingestürzt. Orgel, Kirchengestühl, Altäre sind alle vollständig vernichtet, ebenso alle Statuen mit Ausnahme des heiligen Franziskus“, steht im Bericht von Pfarrer Gramlich.

Nicht der erste Bombenabwurf im Krieg

Im von Nazi-Deutschland begonnenen und längst schon verlorenen, aber immer noch von todbringenden Endsiegphrasen begleiteten Zweiten Weltkrieg erlebten die Wiesentaler an jenem Sonntag die schwersten Folgen der militärischen Gewalt von außen. Von Bomben getroffen wurden Wiesental und Philippsburg bereits im Mai 1942. Doch am 21. Januar waren die Opferzahlen am höchsten. Allein aus einem Haus wurden acht Tote geborgen: Die Schneidermeisterin Anna Müller, ihre Schwester mit den beiden Kindern, die Mutter sowie eine Nachbarsfrau mit ihren beiden Töchtern. So beschreibt es Peter Huber in seinem Buch „Als der Himmel Feuer spie“, das der frühere BNN-Redakteur aus einer Artikelserie 1995 zusammenstellte. Fast 300 Flugzeuge waren auf das Erstziel, die Mannheimer Lanzwerke, angesetzt. Einige wenige Bomber hatten Zweit- oder Gelegenheitsziele im Visier.

Bruchsal an jenem Tag ebenfalls "Gelegenheitsziel"

Ein anderes Geschwader flog Ziele in Heilbronn und Aschaffenburg sowie den Bahnhof Pforzheim an. Eine Maschine wurde dort ihre Fracht nicht los. Dafür traf es ein "Gelegenheitsziel", wie es im Militärjargon hieß – es war Bruchsal. In der Kreisstadt starben heute vor 75 Jahren 18 Menschen durch Luftangriffe, die meisten wurden in Häusern oder Kellern verschüttet. Die Bomben fielen im Gebiet Kasernenstraße, Durlacher Straße, Bismarckstraße und St. Paul. Der nächste Angriff folgte am 30. Januar. Es gab 25 Tote. Und am 1. März wurde die ganze Stadt zerstört.

An die Opfer in Wiesental erinnert die Große Kreisstadt Waghäusel am 21. Januar mit einer Gedenkstunde und der Enthüllung einer Gedenktafel vor der Heimatstube. Außerdem beginnt um 18.30 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst.

Nach der Zerstörung ihrer Kirche hielten die Katholiken ihre Gottesdienste im Pfarrhaus ab. Mit dem Wiederaufbau von St. Jodokus wurde 1947 begonnen. Bei der Einweihung 1949 fehlte noch viel an heimeliger Einrichtung. Es dauerte bis 1953, um die Kriegsfolgen baulich zu bewältigen.

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