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Vielseitig einsetzbar

Feuerwehr Bruchsal setzt in brenzligen Situationen auf einen Löschroboter

Statt auf zwei Beinen bewegt sich dieser Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Bruchsal wie eine Planierraupe fort. Das Löschunterstützungsfahrzeug sieht aus wie eine Mischung aus Schneekanone, Panzer und Traktor.

Das Löschunterstützungsfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Bruchsal wird auf den Abrollbehälter aufgeladen, daneben stehen zwei Feuerwehrleute.
Das Löschunterstützungsfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Bruchsal wird auf den Abrollbehälter aufgeladen Foto: Leonie Schwarz

Jedes Mal, wenn der Meldeempfänger am Gürtel Alarm schlägt, muss es für die Feuerwehrleute schnell gehen. Ob sie sich beim Einsatz in Lebensgefahr begeben werden, wissen sie da noch nicht. „Feuerwehrmann zu sein ist ein gefährlicher Job“, meint Patrick Wiench von der Freiwilligen Feuerwehr Bruchsal.

Unterstützung bekommen er und die anderen Feuerwehrkräfte seit einiger Zeit von einem neuen Kollegen: Statt auf zwei Beinen bewegt der sich aber wie eine Planierraupe fort. Das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) sieht aus wie eine Mischung aus Schneekanone, Panzer und Traktor. 

 

Es lässt sich aus bis zu 300 Meter Entfernung mit einer Fernbedienung steuern und kann zum Beispiel bei Gebäudebränden mit Einsturzgefahr eingesetzt werden. „Das macht unsere Arbeit sicherer“, sagt Wiench. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dominic Ille ist er bei der Bruchsaler Feuerwehr für das LUF zuständig. 

Bedienungsanleitung ist dick wie ein Telefonbuch

Mehr als die Hälfte der 105 ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte haben die beiden schon im Umgang mit dem Gerät ausgebildet. Wie das LUF funktioniert, haben sie sich zusammen erarbeitet. Die Bedienungsanleitung bei einem solchen Gerät gleicht dabei einem Heft von der Dicke eines Telefonbuchs. 

Das Einlesen lohnt sich aber, denn das Löschunterstützungsfahrzeug ist enorm vielseitig. „Es kann alles – außer fliegen“, meint Wiench und lacht. 

Tatsächlich kann das LUF nicht nur Wasser aus Tiefgaragen pumpen und eine Wasserförderung aufbauen. Angeschlossen an das Löschfahrzeug hat das Gerät auch eine Wasserwurfweite von 80 Metern. Das Wasser kann dabei entweder durch viele Düsen geschossen, gebündelt oder vernebelt werden. 

„Das LUF kann auch be- und entlüften“, ergänzt Wiench. So kam das Gerät zuletzt in einer Halle in Bruchsal zum Einsatz, die mithilfe der großen Turbine des LUFs von Rauch befreit wurde. Insgesamt siebenmal seit der Anschaffung 2016 hat das Gerät schon geholfen.

Zum ersten Mal forderte die Leitstelle das LUF 2020 beim Brand einer Kunststofffirma in Ladenburg an. „Da waren wir schon ein bisschen aufgeregt“, berichtet Wiench. Nach dem Einsatz des LUFs beim Großbrand der Bäckerei Rutz in Walldorf Ende 2022 möchte nun auch der Rhein-Neckar-Kreis ein solches Gerät anschaffen. 

Die Firma John Deere verhalf der Bruchsaler Feuerwehr zudem besonderen Mitarbeiter

Die Bruchsaler Feuerwehr kam durch die Firma John Deere zu ihrem 200.000 Euro teuren Mitarbeiter. In einem Gebäudeteil des John Deere-Ersatzteilzentrums in Bruchsal wurde eine schlechte Rauchableitung festgestellt. Daraufhin hatte die Firma die Wahl zwischen einem speziellen Entlüftungssystem – oder der Anschaffung eines Löschunterstützungsfahrzeugs. 

Nun kommt ihre Entscheidung auch anderen zugute. „Es ist etwas besonderes. Wir waren erst die zweite Freiwillige Feuerwehr in Baden-Württemberg, die ein LUF bekommen hat“, sagt Ille.

Zum Einsatzort kommt das LUF mithilfe eines sogenannten Abrollbehälters. Der erinnert an einen offenen Lastwagen-Container und wird von einem Fahrzeug der Feuerwehr transportiert. Am Einsatzort sollten im besten Falle bis zu sechs Feuerwehrkräfte das LUF begleiten. „Schon alleine wegen des Schlauchmanagements“, erläutert Ille. 

Das Gewicht von bis zu 100 Metern Schlauch kann das LUF hinter sich herziehen. Das Gerät selbst wiegt mehr als zwei Tonnen. „Es ist aber recht simpel“, sagt Wiench. Mit Hebeln und Joysticks könnten auf der Funkfernsteuerung unter anderem die Drehzahl, Richtung und Geschwindigkeit gesteuert werden. Die Höchstgeschwindigkeit betrage sieben Kilometer pro Stunde, so Ille. 

Nach getaner Arbeit muss das Gerät wieder sorgfältig getrocknet werden. Dann fährt Dominic Ille sein Lieblingsfahrzeug wieder auf den Abrollbehälter, wo es fest angekettet auf den nächsten Einsatz wartet. 

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