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Großes Fest in zwei Jahren

Die Heidelsheimer lassen sich von der Pandemie das Feiern nicht verderben

Ein Feier-Gen wird den stolzen Heidelsheimern nachgesagt. Dass sie sich von Corona ihr 1.250-Jähriges verderben lassen würden, daran hatte niemand geglaubt. Am Wochenende wurde also trotz allem gefestelt.

Mit Fackeln und Trommeln: So ist die Heidelsheimer Bürgerwehr am Samstagabend durch den Ort gezogen, um das 1250-Jährige nicht ganz sang-und klanglos zu begehen. Foto: Martin Heintzen

Wer die Heidelsheimer kennt, der weiß, dass sie sich ungern vom Feiern abhalten lassen, auch nicht von einer weltweiten Pandemie. Nun hat Corona aber das 1.250-jährige der stolzen Reichsstadt doch kräftig vermasselt.

Im kleinen Kreise an vielen Ecken des Stadtteils gefeiert

Das eigentliche Festwochenende fiel dennoch nicht ganz ins Wasser. An vielen Ecken und Enden des Bruchsaler Stadtteils wurde trotzdem gefeiert, im kleinen Kreise eben.

Im Hinterhof, im Garten oder an der Straße. Am Freitag schon luden Odenwaldclub und Melkkiwwlreider zur Weinprobe, am Samstag verteilten die Fotofreunde ihr Jubiläums-Plakat, und auch der Jubiläumswein kam an den Mann und die Frau.

Die Reichsstädter lassen sich nicht so einfach unterkriegen.
Martina Chadde, Heidelsheimerin

Auf dem Kanzelberg bei Chaddes sitzt man gemütlich im Hof und wartet am Abend auf die Musik: „Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren noch dabei sind”, stapelt Ute Trautwein tief. Dann soll das Jubiläum nachgeholt werden. Die Reichsstädter, so bestätigt Martina Chadde, lassen sich nicht unterkriegen.

Heidelsheimer loben ihr Gemeinschaftsgefühl

Überall im Ort haben sich kleine Gruppen versammelt zum Musizieren. Am Kanzelberg spielt der Posaunenchor - nicht nur zum 1250-Jährigen, sondern auch, weil hier an diesem Festtag Martina Chaddes Enkelin zur Welt gekommen ist. Es geht also weiter.

Eigentlich wären heute 2.000 Leute am Sportplatz und würden feiern bei Mea and the heat.
Uwe Freidinger, Heidelsheimer Ortsvorsteher

Währenddessen versammelt sich die Bürgerwehr am Marktplatz. Als die Dämmerung einsetzt, werden die Fackeln angezündet. Mit Cocktails in der Hand warten die Reichsstädter auf den kleinen Ersatzumzug.

„Eigentlich wären heute 2.000 Leute am Sportplatz und würden feiern bei Mea and the heat”, ruft Ortsvorsteher Uwe Freidinger den Leuten zu. Und: „Bitte haltet die Abstände ein.”

Dann zieht der kleine Tross trommelnd los. Es geht einmal durch den Ort, bis zur neuen Behelfsbrücke am Bahnhof und wieder zurück. Das Gemeinschaftsgefühl sei das, was die Heidelsheimer ausmache. Ihr Feier-Gen und die netten Menschen, so heißt es in der kleinen Truppe oben am Kanzelberg bei Chaddes im Hof.

Friedensstein ergänzt die neuen und alten Friedenslinden

„So isch’s worre”, entfährt es Freidinger an diesem verhinderten Festtag mehrfach. Am frühen Abend hat er zusammen mit Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und der Ideengeberin Marliese Schwedes einen Friedensstein bei den Friedenslinden am Schützenhaus gesetzt.

Was Bleibendes: Der Sandstein-Findling soll an die lange Zeit des Friedens erinnern. Gesetzt haben ihn die Ideengeberin Marliese Schwedes, Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, Türmer Peter Schwedes, Nachtwächter Julius Metzger, Ortsvorsteher Uwe Freidinger und Steinmetz Stefan Spiegel (von links). Foto: Martin Heintzen

Kräftig haben die Hühner im Hintergrund die kleine Feierstunde stimmlich umrahmt. „Jetzt verschieben wir es ein bisschen, und dann greifen wir 2022 wieder an”, stellt Freidinger in Aussicht.

Der Stadtführerin Schwedes war es ein Anliegen, 75 Jahre Frieden in Europa zu würdigen. Der Sandstein-Findling, der nun neben einer neuen Friedenslinde sitzt, soll daran erinnern.

Für diese „große Idee” bedankte sich Petzold-Schick bei Schwedes. „Die Heidelsheimer Geschichte war geprägt von Krieg und Auseinandersetzungen”, erklärte die Oberbürgermeisterin. Davon zeugten noch heute Befestigungen und Türme. Leidtragende war die Bevölkerung.

Großes Jubiläum in Heidelsheim auf 2022 verschoben

Umso schöner sei es, dass man nun in Mitteleuropa bereits seit 75 Jahren im Frieden lebe und zu den europäischen Nachbarn freundschaftliche Kontakte pflege. Seit 1648 hätten die Heidelsheimer immer wieder Friedenslinden gepflanzt. Der neue Gedenkstein symbolisiere nun etwas Bleibendes.

Die Heidelsheimer haben ihr Jubiläum auf 2022 verschoben, weil 2021 das Reichsstadtfest gefeiert wird. In diesem Jahr allerdings will man noch 1.250 Bäume pflanzen.

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