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Gastronomen und Hoteliers sind verzweifelt

Die Vorbereitungen für den Lockdown laufen

Wegen der Corona-Pandemie müssen unter anderem Cafés, Restaurants und Hotels ab Montag für einen Monat schließen. Das haben Bund und Länder kürzlich beschlossen. Gastronomen in der Region suchen nach Alternativen, um Geld zu verdienen. Einige Gäste zeigen Unverständnis für die Zwangsschließungen.

Unter Schock: Wegen der Corona-Pandemie muss Alexander Erck das Restaurant „Erck“ in Bad Schönborn ab Montag für vier Wochen dicht machen. Nur Außer-Haus-Verkauf wird praktiziert. Foto: Martin Heintzen

Noch brummt im Café Extrablatt in der Bruchsaler Fußgängerzone das Geschäft. Wie am Fließband wandern Getränke, Suppen und Salate über die Theke. Erst kürzlich seien mehrere Paletten mit Lebensmitteln geliefert worden, berichtet Geschäftsführer Ramo Ertürk: „Die müssen wir irgendwie weg kriegen.“ Denn am Montag macht Ertürk die Schotten dicht. Wegen der Corona-Pandemie müssen unter anderem Cafés, Restaurants, Hotels und Theater für einen Monat schließen.

Die bestellte Ware will Ertürk per Lieferservice an den Kunden bringen. In zwölf Heizstrahler und einen Windschutz für die Terrasse hatte er außerdem bereits investiert, damit die Gäste auch bei kaltem Wetter draußen sitzen können, wo die Infektionsgefahr niedriger ist. Sollte der Lockdown wie angekündigt nach vier Wochen enden, könnten diese noch zum Einsatz kommen.

Schon seit Angela Merkel eine warnende Rede hielt, ohne Maßnahmen konkret zu machen, bemerkte Alexander Erck verstärkte Reservierungen für sein Restaurant in Bad Schönborn. Inzwischen ist der Samstagabend vor dem Lockdown ausgebucht. Das ist für den Küchenchef von „Der Erck“ und Hotelbetriebswirt nur ein kleiner Trost. „Auch wenn der zweite Stillstand absehbar war, ist das ein neuer Schock gewesen. Jetzt heißt es noch stärker, Ärmel hochkrempeln und kämpfen für unseren Familienbetrieb und die 15 Mitarbeiter.“

Das ist Alexander Erck wichtig, der zweiter Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Bruchsal ist: „Es sind ja nicht nur die Wirte betroffen, sondern ihre Mitarbeiter, die Küchenhilfe, die dringend auf das Geld angewiesen ist oder der Kellner mit Familie“. In politische oder juristische Aktionen möchte Erck keine Energie investieren, nur darauf hinweisen, dass die Gastronomie nie Pandemietreiber war. „Sondern viel in Sicherheit investiert hat. Viele Kollegen haben sogar schon Luftreinigungsgeräte für über 3.000 Euro bestellt.“

Umstellung auf Außer-Haus-Verkauf

Der Außer-Haus-Verkauf, den das Lokal beim ersten Lockdown im Frühjahr eingeführt hatte, soll fortgesetzt werden. „Auch wenn der Ertrag überschaubar ist. Das zeigt unseren Leuten und den Gästen: Wir sind noch da und geben noch lange nicht auf“, sagt Erck.

Im Gran Caffè in Bruchsal gibt es Kuchen und Torten ab Montag auf Bestellung To Go - Eis dagegen nicht. „Dafür ist es zu kalt, das rentiert sich nicht.“ 2,5 Kilogramm Eis von jeder Sorte sei die Mindestbestellmenge am Tag. „So viel geht nicht weg“, glaubt Salvador.

Gastronomen zweifeln an Umsatzerstattungen

Beim Café Pavillon in Bruchsal will man die Zwangsschließung nutzen, um die Schanktechnik auf Vordermann zu bringen. „Eigentlich wollten wir das im Januar machen“, erklärt Verwaltungskraft Norman Brackwehr. Der Bund will Gastronomen bis zu 75 Prozent ihrer Umsätze erstatten. „Wir glauben nicht, dass wir das Geld in voller Höhe bekommen“, so Brackwehr. Er rechnet mit hohen Hürden bei der Antragstellung.

Gäste verärgert über Lockdown

Bei vielen Passanten ist das Unverständnis über den zweiten Lockdown groß. Jeden Mittag trinkt Ali Demir seinen Kaffee im Café Freiraum in Bruchsal: „Das tägliche Ritual muss jetzt ausfallen.“ Andere gehen mit den Maßnahmen härter ins Gericht: „Das ist Verarschung hoch zehn“, ärgert sich Pedro Patoulidis. „Natürlich muss man vorsichtig sein“, sagt Heinz Gehri. Zwangsschließungen findet er aber übertrieben: „Die ganze Gastronomie geht kaputt.“

Hoteliers in Sorge

Die Hoteliers leiden genauso unter dem Lockdown. „Das Telefon klingelt nicht mehr“, sagt Dorothee Eckes, Geschäftsführerin des Hotels Scheffelhöhe. Nur einzelne Gäste erwartet sie in den nächsten Wochen - unaufschiebbare Geschäftsreisen sollen weiterhin erlaubt sein. Veranstaltungen und Tagungen fallen dagegen weg. „Für uns wäre es günstiger, den Laden zuzumachen.“



Hintergrund:

Nicht betroffen von den verschärften Corona-Regeln sind die Sitzungen der städtischen Ausschüsse und des Gemeinderats Bruchsal. Obwohl Präsenzsitzungen weiterhin erlaubt seien, sollen Mitglieder von Verwaltung und Politik demnächst die Möglichkeit haben, per Videochat von zuhause aus an den Sitzungen teilzunehmen. Das teilte Wolfgang Müller, Hauptamtsleiter der Stadt, auf Anfrage mit. Wer virtuell teilnimmt, darf laut Müller allerdings nicht mit abstimmen. In der Ausschusssitzung am Dienstag soll das „hybride Angebot“ erstmals getestet werden.



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