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Seit vier Jahrzehnten Feuerwehrmann

Ein Schwabe vom Rande der Alb: So tickt der neue Chef der Bruchsaler Feuerwehrschule

Bei seiner „alten Liebe“ gelandet ist Frieder Lieb. Der neue Chef der Feuerwehrschule Bruchsal wollte schon immer an diese Landeseinrichtung in Bruchsal. Mit 19 Jahren entschied er sich für einen Beruf im Rettungswesen. Und begann über die Freiwillige Feuerwehr und ein passendes Studium seine Karriere. Signaltöne begleiten seinen Weg, privat pflegt er ganz andere Klänge.

Der Chef im Übungsraum: Frieder Lieb, neuer Direktor der Feuerwehrschule Bruchsal, an der Stadt aus Modellhäuschen. Führungskräfte lernen dort weiterhin die richtige Anfahrt bei Einsätzen. Und die Steuerung der Fahrzeuge wird per Kamera auf die Tafel übertragen. Foto: Martin Heintzen

19 Jahre alt war Frieder Lieb, als er zum ersten Mal ins Feuerland geschickt wurde. In seinem Heimatort Dettingen brannte eine Kunststoffe verarbeitende Fabrik. „Der Brand hielt zwei Tage an. Es war mein erster Großbrand bei der Freiwilligen Feuerwehr, und der war schon prägend. Vor allem bekommt man Respekt vor diesen Flammen und was sie bewirken können“, sagt der neue Chef der baden-württembergischen Feuerwehrschule in Bruchsal.

Zwischen damals und heute liegen 41 Jahre – und ein Leben für den Dienst in dunkelblauer Uniform. Schon im Alter von neun Jahren begann Lieb die Familientradition fortzusetzen. Sein Vater war stellvertretender Kommandant in Dettingen/Erms, der Sohn trat also früh in die Jugendfeuerwehr ein. Und noch eines verbindet Lieb mit den Vorfahren. Nach dem Abitur 1979 am Gymnasium Bad Urach trat er eine Lehre als Zimmermann an. Natürlich im Holzbau-Betrieb, den der Großvater aufgebaute, der Vater weiterführte und nun der Bruder leitet.

Der Schwabe landete drei Mal in Baden

„Dass ich Beruf und Leidenschaft verbinden könnte, wurde mir klar, als ich Bauingenieur studierte“, erinnert sich Lieb. „An die Universität Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Holzbau ging ich als zweite Station nach Stuttgart und schrieb dann meine Abschlussarbeit über Brandschutz im Holzbau.“ Den Wechsel von Württemberg nach Baden wiederholte der Feuerwehrmann gerade wieder.

Nach 23 Jahren als Bezirksbrandmeister für Stuttgart und Nordwürttemberg landete er bei seiner „alten Liebe“, der Feuerwehrschule Bruchsal. „Dorthin wollte ich schon nach meiner Ausbildung für den höheren Dienst, weil die Berufsfeuerwehr nicht mein Ziel war. Ausbilden und die Wehren mitentwickeln an einem Ort, wo sich alles trifft – das ist genau meines“, sagt der Leiter des Feuerwehr-Campus „Am Wendelrot“.

Dort begegnete er Kollegen wieder, die schon bei seinem ersten Bruchsaler Gastspiel unterrichteten. Am alten Standort der landesweiten Einrichtung, in der Steinackerstraße, trat er 1991 als Sachgebietsleiter an. „Gleich am Tag nach meiner Prüfung zum höheren feuerwehrtechnischen Dienst beim Regierungspräsidium in Darmstadt“.

Feuerwehrschule Bruchsal wird noch größer werden

Diszipliniert vollzog Lieb alle beruflichen Schritte. Sachlich-ruhig und prägnant erzählt der 60-Jährige davon. Dazu blitzt immer mal wieder etwas mehr von der Persönlichkeit auf. Etwa wenn er sagt: „Natürlich bin ich Schwabe.“ Er scheint sich über die Frage zu wundern. „Aber ich kenne auch sehr nette Badener“, scherzt der Branddirektor und betont: „Schwabe vom Rand der Alb“, schließlich gebe es da große sprachliche Unterschiede.

Seine Begeisterung fürs Skifahren („Natürlich alpin“) klingt durch, und er verrät, was ihm neben dem Familienleben mit Frau und drei Kindern am Herzen liegt. Nach dem Dienst ist er Feuer und Flamme für die Musik, beispielsweise von Chopin. Aber nicht als Konsument, sondern als Ausführender. Das Klavierspiel und die Verfeinerung der eigenen Fingerfertigkeit pflegt Lieb mit Leidenschaft. Als Lieblingsfächer am Gymnasium nennt er in dieser Reihenfolge: Musik, Sport und Mathe. Joggen gehört zum Programm am Wohnort im Stromberg, gleich hinter der badisch-württembergischen Grenze. Und rationales Berechnen passt zur neuen Aufgabe in Bruchsal.

Die Feuerwehrschule, die eigentlich eine Art Feuerwehr-Hochschule ist, weil sie Führungskräfte ausbildet, wird wachsen. Personell und räumlich. Bereits beschlossen vom Land ist: Die Kapazität wird um 25 Prozent erhöht. „Das ist die große Aufgabe in den nächsten Jahren, damit war für mich klar, ich verwalte nicht nur, sondern kann etwas voranbringen, wenn ich komme. Wir brauchen mehr Lehrgänge, müssen die Räume bereitstellen, und auch eine eigene Sporthalle gehört zum Konzept“. Um all das langfristig unter einen Helm zu bringen, agiert der Branddirektor mit Feuereifer – am Schreibtisch und in Konferenzen.

Hintergrund

Die Feuerwehrschule Baden-Württemberg ist seit 1952 in Bruchsal zu Hause. Aus- und fortgebildet werden dort die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren sowie alle Berufsfeuerwehrleute in den unterschiedlichen Laufbahnen. Auf dem 2017 vollständig bezogenen Feuerwehrcampus „Im Wendelrot“ finden die Kurse statt. Die Theorie wird ergänzt durch Übungen in einer riesigen Halle, im Brandhaus, an Autowracks, Personen- und Güterzügen, an nachgebauten Industrieanlagen oder am und im Wasser. Rund 100 Menschen arbeiten an der Schule, davon sind 41 Ausbilder für jährlich rund 6.5000 Lehrgangsteilnehmer. Die Gäste können im größten Hotel Bruchsals übernachten – die Feuerwehrschule hat in drei Gebäuden 210 Einzelzimmer parat. Die 2020 teilweise praktizierten Online-Seminare sollen beibehalten werden. Mit Abend- und Wochenendkursen erreicht die Schule noch mehr Interessenten. Der Bedarf an Ausbildung steigt ständig, weil mehr Kommandanten oder Spezialisten der Freiwilligen Feuerwehren benötigt werden. Es ist nicht mehr üblich, dass Führungskräfte jahrzehntelang ihr Amt ausüben. Eine Akademie für Gefahrenabwehr dient der Weiterbildung des gesamten Blaulicht-Metiers. lie

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