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Ich hätt do mol e Frog

Eine Untergrombacher Straße sucht man in Bruchsal vergebens

In Straßennamen steckt eine Würdigung. Und der Stadtteil Untergrombach wird in ganz Bruchsal nicht durch eine Straße gewürdigt. Während alle anderen Stadtteile bei Straßenbenennungen vertreten sind. Ein neuer Anlauf ist gerade fehlgeschlagen.

Richtungsweisend: Die Bruchsaler Straße in Untergrombach führt in die Kernstadt. Die Büchenauer nach Büchenau. Eine Untergrombacher Straße sucht man aber in der ganzen Stadt vergebens. Foto: Martin Heintzen

Elke Becker aus Untergrombach hat zufrieden festgestellt, dass es in Eggenstein-Leopoldshafen eine Untergrombacher Straße gibt. „Das ist doch nett, wenn unser Ort so gewürdigt wird“, meint die BNN-Leserin und hat sich im Anschluss die Frage gestellt, ob denn irgendwo in Bruchsal eine Untergrombacher Straße verläuft. Elke Becker fand keine, wundert sich darüber und möchte jetzt wissen, ob es einen Grund dafür gibt.

Viele „Hauptstraßen“ mussten verschwinden

Schaut man sich die Liste der Straßennamen in ganz Bruchsal an, fällt tatsächlich die fehlende Untergrombacher Straße auf und aus folgender Reihe: In Helmsheim gibt es eine Heidelsheimer Straße. In Obergrombach findet man die Helmsheimer Straße. Sogar dreimal ist die städtische Nachbarschaft in Untergrombachs Straßennetz vertreten. Büchenau, Obergrombach und Bruchsal prangen auf wichtigen Straßenschildern. „Es gab zudem früher in Bruchsals Kernstadt eine Büchenauer und auch eine Obergrombacher Straße“, weiß Stadtarchivar Thomas Moos nach schnellem Blick auf Pläne der 1950-er Jahre.

Die alte Obergrombacher Straße wurde in Friedhofsstraße umbenannt. Das war in den 1970-er Jahren, als die Gebietsreform ein Aufräumen bei den Benennungen erforderte. Durch die Eingemeindung Untergrombachs hätte es in Bruchsal zwei Obergrombacher Straßen gegeben - eine musste also den Namen verändern. Umbenennungen waren damals an der Tagesordnung. Meist gab es überall dörfliche Hauptstraßen, viele mussten in den Fusionszeiten den Status abgeben. Geblieben ist die Hauptstraße immerhin den Obergrombachern.

„Wenn es einmal wieder eine Untergrombacher Straße in Bruchsal geben würde, wäre das schön“
Elke Becker, BNN-Leserin und Untergrombacherin

Ob einmal eine Untergrombacher Straße weichen musste und umbenannt wurde? Das konnte das Stadtarchiv derzeit nicht klären, ohne viele Ratsprotokolle zu sichten. „Wenn es einmal wieder eine Untergrombacher Straße in Bruchsal geben würde, wäre das schön. Aber natürlich hängt unser Herz nicht nur daran. Vielleicht wird es ja mal anders“, gibt sich BNN-Leserin Elke Becker trotzdem zufrieden. Dass es anders geht, zeigt Bruchsals Französische Partnerstadt Sainte Marie-aux-Mines mit ihrer „Rue d’ Untergrombach“.

Dass Beckers Thema brandaktuell ist, zeigte sich gerade erst in der Bruchsaler Gemeinderatssitzung. Wie soll die neue Straße im Untergrombacher Neubaugebiet „Am Bahnhof/Ernst-Renz-Straße“ künftig heißen? Das war die Frage. Und siehe da: Einer von fünf Vorschlägen lautete „Untergrombacher Straße oder Weg“. Um es nicht allzu spannend zu machen: Der Vorschlag hat es nicht geschafft. Es wird auch künftig in ganz Bruchsal keine Untergrombacher Straße geben.

Die neue Straße heißt künftig Am Tabaklager. Dafür hatten sich bereits vier Ortschaftsräte ausgesprochen und jetzt auch 18 Stadträte. Der Ortschaftsrat hatte die Richtung vorgegeben: Vier Stimmen für Am Tabaklager, vier für An der Bahn und zwei gab es für die Winkelgasse. Der Vorschlag Untere-Wiesen-Straße fiel raus, weil es eine ähnlich lautende bereits in Büchenau gibt.

Und die Untergrombacher Straße war ebenfalls schnell passe. Es entbehrte wohl etwas der Logik in Untergrombach eine Untergrombacher Straße zu haben. Normalerweise führen diese Straßen ja in Richtung des jeweiligen Ortes. Zudem handelt es sich bei der neuen Straße um eine Sackgasse, erklärte Ortsvorsteherin Barbara Lauber.

Kurzer Name spart Schilderkapazität

Die CDU-Stadträtin und Büchenauer Ortsvorsteherin Marika Kramer machte sich fürs Tabaklager stark, weil dies zur Geschichte des Ortes passe. Mit der jüdischen Familie Meerapfel zum Beispiel hat man einen wichtigen Tabakhändler im Ort. Die Meerapfels gehörten früher zu den bekanntesten Tabakhändlern der Welt, bis die Nazis sie ins Exil getrieben haben. Peter Garbe wiederum plädierte für seine Grünen für An der Bahn. Augenzwinkernd bemerkte er, dass dies der kürzeste Name sei, man für Nachhaltigkeit stehe und man so Schilder-Kapazität spare. Mit dieser Logik erreichte er allerdings nur Platz zwei.

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