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Vorweihnachtszeit im Lockdown

Endlich besinnlich oder extra-stressig? Wie Bruchsaler die Corona-Adventszeit erleben

Von der Corona-Pandemie wird die eigentlich schönste Zeit des Jahres überschattet, da die Beschränkungen einige Weihnachtstraditionen betreffen. Wie fällt die Vorweihnachtszeit also in diesem Jahr aus? Bruchsaler Passanten erzählen von ihrem bisherigen stillen Advent.

Von der Corona-Pandemie wird die Vorweihnachtszeit 2020 überschattet. Wie nehmen das die Bruchsaler auf? Foto: Martin Heintzen

Wie so vieles in diesem Jahr, hat sich auch die Vorweihnachtszeit 2020 verändert. Wenn man durch die Bruchsaler Innenstadt läuft, erkennt man das beispielsweise am Kübelmarkt: Wo sich sonst alljährlich Menschen mit Glühwein und Lángos an den Buden unterhalten oder dem Weihnachtschor auf der Bühne bei „Alle Jahre wieder“ lauschen, findet sich nun ein leerer und ruhiger Platz vor.

Die derzeitige Corona-Situation zwingt dazu, gewöhnliche Weihnachtsrituale und -traditionen abzulegen. Auch Weihnachtsfeiern können, wenn überhaupt, nur eingeschränkt stattfinden, und von Feiertagstreffen mit der größeren Verwandtschaft sehen viele lieber ab. Wie verändert die Pandemie also die Vorweihnachtsstimmung der Menschen? Bruchsaler Passanten erzählen von ihrem bisherigen stillen Advent.

Elke Roder empfindet diese Zeit tatsächlich als traurig. Schon seit sechs Jahren betreibt sie einen Schokoladenfrucht-Stand, der bisher immer Teil des Bruchsaler Weihnachtsmarktes war. In diesem Jahr verlegte sich der Standort der Bude in die Fußgängerzone bei der Sparkasse. „Ich bin froh, dass ich überhaupt noch diese Verkaufsmöglichkeit habe, aber die Kundschaft ist deutlich weniger geworden“, berichtet sie niedergeschlagen.

Betrübter Advent: Buden-Verkäuferin Elke Roder sieht den Passanten die fehlende Weihnachtsstimmung an. Foto: Eva-Maria Schauer

Man sehe den vorbeigehenden Passanten an, dass ihnen in diesem Jahr die Weihnachtsstimmung fehlt. „Das liegt natürlich an Corona. Sonst herrscht mehr Freude und Menschlichkeit in der Adventszeit.“ Zwar sei es in diesem Jahr weniger stressig für sie, jedoch könne sie trotzdem nicht zur Besinnung kommen. „In den Medien wird gerade nur von Corona gesprochen. Ich glaube, dass die Leute dadurch eher ängstlich als ruhig werden“, vermutet Roder.

„Stiller Advent“ hat für manche auch positive Seiten

Anders geht das Hans Alt, der sich über die positiven Seiten des „stillen“ Advents freut: „Ich bin mit dieser Weihnachtszeit zufrieden, weil es mir gesundheitlich gut geht und ich persönlich noch nicht von der Pandemie betroffen bin.“ Dass Besuche, Treffen und Feiern in diesem Jahr größtenteils wegfallen, stört ihn nicht: „Stattdessen entspanne ich mich gerade sehr und mein Stresslevel sinkt. Ich habe nun Zeit, zum Beispiel wieder ein Buch zu lesen, was ich sehr genieße.“

Endlich wieder lesen: Hans Alt freut sich, dass er nun wieder Zeit zur Entspannung findet. Foto: Eva-Maria Schauer

Obwohl Lea Böser die Corona-Lage beschäftigt, sieht auch sie diese Vorweihnachtszeit als weniger stressig, sondern als besinnlicher an. „Normalerweise herrscht hier in der Innenstadt immer ein ziemliches Gewusel. Da viele Läden schließen mussten, ist dadurch weniger los“, erklärt sie. Durch diese ruhigere Phase habe sie mehr Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen und wichtigen, sinnvollen Gedanken nachzugehen.

Zeit zur Besinnung: Lea Böser nutzt die stille Zeit, um sich mit sich selbst und ihren Gedanken zu beschäftigen. Foto: Eva-Maria Schauer

Für Andy Gerweck dagegen gibt es gerade wenig Auszeit zur Besinnung: Jeden Mittwoch und Freitag betreibt er auf dem Bruchsaler Wochenmarkt seinen Obst-, Gemüse- und Südfrüchte-Stand beim Marktplatz. „In diesem Jahr ist bei uns corona- und situationsbedingt sogar noch mehr zu tun.“ Ansonsten sei der Ablauf auf dem Wochenmarkt mit anderen Adventszeiten vergleichbar. „Wir sind momentan mitten im Weihnachtsgeschäft und blenden die Corona-Umstände hier eher aus.“ Trotzdem sei es nicht schönzureden, dass in diesem Jahr alles anders ist als sonst. „Aber das Leben muss weitergehen und wir wollen hier weiter für unsere Kunden wirken“, schildert Gerweck.

Beschäftigung trotz Corona: Andy Gerweck hat mit dem Weihnachtsgeschäft auf dem Wochenmarkt alle Hände voll zu tun. Foto: Eva-Maria Schauer

Alina Czerwinski vermisst in dieser Adventszeit ihre Familie am meisten. „Wir dürfen uns nicht so treffen wie bisher, weil man nur zu fünft aus zwei Haushalten zusammenkommen darf. Aber wir werden diese Zeit meistern und herumkriegen“, erzählt sie optimistisch. Obwohl sie diese Weihnachtszeit als entspannter wahrnimmt, fehlt ihr der normale Alltag. „Durch diese Zeit ist mir bewusst geworden, wie wichtig mir meine Familie ist und wie sehr sie mir am Herzen liegt.“

Bedeutung von Familie: Alina Czerwinski vermisst die Treffen mit ihren Liebsten. Foto: Eva-Maria Schauer



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