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Denkmal erhält Narrenmütze

Ersatz für Rathaussturm: Bruchsaler Narren wollen wenigstens Flagge zeigen

So richtig närrisch ist am Schmutzigen Donnerstag selbst eingefleischten Fasnachtern nicht. Der Bruchsaler Narrenrat zeigt trotzdem Flagge und würdigt einen einst verfolgten Ober-Fasnachter.

Enthüllt: Eine überdimensionale Narrenmütze enthüllte Graf Kuno zusammen mit Rüdiger W. Lupp von Narrenrat Bruchsal am Otto-Oppenheimer-Denkmal zum 70. Todestag. Foto: Martin Heintzen

Das dreifache „Brusl Ahoi“ schallt dieses Jahr einsam über den Kübelmarkt. Wo sonst am Schmutzigen Donnerstag pünktlich um 11.11 Uhr kostümierte Narren das Rathaus stürmen und Konfetti schmeißen, steht im Corona-Lockdown Graf Kuno fast allein am Otto-Oppenheimer-Denkmal. „

Wer von uns Fasnachtern hätte je gedacht, dass ein Virus uns das Licht aus macht“, reimt Kuno alias Heimfried Werner stattdessen.

Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, haben die Fastnachter selbst auf Treffen mit Abstand verzichtet.

Hommage an Erfinder des Brusler Dorscht

Aber wenigstens Flagge zeigen wolle man, wie Rüdiger W. Lupp, Vorsitzender des Narrenrats Bruchsal, stellvertretend für die 900 Mitglieder sagt. Der 70. Todestag von Otto Oppenheimer am 8. Februar ist Anlass, den von den Nazis ins Exil vertriebenen Fasnachter (Mitglied der Großen Karnevalsgesellschaft) und Verfasser der Hymne vom „Brusler Dorscht“ zu würdigen.

Nach der erzwungenen Flucht war er zusammen mit seiner Frau im Dezember 1941 in den USA gelandet. Im Mai 1946 zogen die Familie nach New York in die Bronx, wo er im Alter von 76 Jahren starb.

Narrenmütze bleibt bis Aschermittwoch

Graf Kuno enthüllte deshalb am Donnerstag als Hommage an seinen Erfinder eine überdimensionale Narrenmütze in den Farben gelb und grün. Die Holzkonstruktion des städtischen Bauhofs wurde auf einer der Betonstelen des Denkmals verankert, das den Bruchsaler Oppenheimer, seine Verdienste um das Vereinsleben und seine Vertreibung thematisiert.

Im September war das Denkmal „Narrenschiff“ mit Fliesen des Künstlers Wolfgang Thiel eingeweiht worden. Die Narrenmütze soll Aschermittwoch wieder abgebaut werden.

Tafel fehlt weiterhin

Die Stadt Bruchsal und Künstler Thiel hatten zuvor grünes Licht für die Aktion gegeben. Er habe kein Problem mit der Aktion, so Wolfgang Thiel. Die Arbeit an Kunstwerken sei immer zeitlich begrenzt.

Weil nach wie vor die Flaggen, die erläuternde Tafel und QR-Codes sowie die Hinweise auf die Spender fehlen, sei das Kunstwerk für ihn aber noch nicht fertig. Ab und zu schaue er vorbei.

Laut Wolfgang Müller von der Stadtverwaltung Bruchsal sind die Erläuterungen für die Tafel abgestimmt und fertig. Unklar sei noch, wie die Tafel befestigt werde. Auch wie die Spender gewürdigt werden, ob auf der Tafel oder einer Kachel, sei noch offen.

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