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550 bei Corona-Protest

Etwa 250 Teilnehmer bilden solidarische Menschenkette rund ums Bruchsaler Rathaus

Erstmals gab es an diesem Montag in Bruchsal nicht nur eine Corona-Demo, sondern auch eine Gegenveranstaltung. Am Ende trafen die Teilnehmer mitten in der Innenstadt aufeinander.

Corona Gegendemo
Einmal rund ums Bruchsaler Rathaus: Die Menschenkette hatte etwa 200 bis 250 Teilnehmer, die teils in Zweierreihen standen und mit Schals, Schirmen und Tüchern Abstand zwischen sich hielten. Foto: Martin Heintzen

Die Konfrontation vor dem Bruchsaler Rathaus blieb friedlich: Als gegen 17.45 Uhr die Corona-Demonstranten kurz vor dem Ende ihres Aufzugs durch die Stadt dort vorbeikamen, war die Menschenkette der Gegenseite rund ums Rathaus schon aufgelöst. Nur einige Teilnehmer standen noch da und ließen die lautstarke Demo an sich vorbeiziehen.

Erstmals fanden sich am Montagabend in Bruchsal Menschen zu einer Solidaritäts-Kundgebung zusammen, die den Corona-Protesten und sogenannten Spaziergängen der vergangenen Wochen etwas entgegensetzen wollten.

Knapp 250 Teilnehmer, nach Schätzungen des Veranstalters, umrundeten so, teils in Doppelreihen, das Rathaus und bildeten mit Schals verbunden eine Menschenkette. Das Wort Vernunft fiel an diesem Abend mehrfach und zwar auf beiden Seiten. Christian Holzer, der als Veranstalter der Menschenkette und Kreis-Vorsitzender der SPD auftrat, appellierte daran, gemeinsam und durch Zusammenhalt die Pandemie zu beenden.

„Aufklärung und Wissenschaft statt Hustensaft“, bekundete ein Teilnehmer auf einem Plakat. Auf einem anderen stand „Impfen statt verunglimpfen.“ Aber auch die Gegenseite war kreativ: „Geimpfte haben einen milderen Diktaturverlauf“, stand da etwa zu lesen.

„Wir sind eine offene Gesellschaft, und keine Diktatur“, rief hingegen Holzer seinen Teilnehmern zu. Angelika Nosal von der Arbeiterwohlfahrt appellierte: „Bitte, lasst euch nicht vor den Karren spannen, von Leuten, die die Demokratie in Frage stellen oder zu Gewalt aufrufen.“ Dreiviertel der Deutschen hielten die Corona-Maßnahmen für angemessen oder sogar zu schwach. Auf diese Statistik machte vor dem Rathaus der DGB-Vertreter Lars Treusch aufmerksam. „Geht aufeinander zu“, forderte er aber auch. „Bleibt gesund, und bleibt Mensch.“

Veranstalter zufrieden mit der Teilnehmerzahl der Menschenkette in Bruchsal

„Wir wollen Haltung zeigen und Flagge“, sagte Sabina Stemann-Fuchs. Die Bruchsaler Caritas-Chefin reihte sich stellvertretend für ihre Mitarbeiter und ihre Einrichtungen in die Menschenkette ein. Noch bevor die andere Demo, die vom Kübelmarkt losgezogen war, das Rathaus erreichte, löste sich die Menschenkette unter Applaus auf. Holzer zeigte sich zufrieden, ob der Resonanz. Eine Wiederholung sei aber vorerst nicht geplant.

Derweil waren nach Schätzungen der Polizei an diesem Montag bei der angemeldeten Demonstration an die 550 Menschen, so viele wie noch nie, durch die Stadt gezogen. Den Teilnehmern hier gehen die Corona-Maßnahmen zu weit, und sie demonstrierten gegen eine Impflicht. 2G und 3G müssten sofort abgeschafft werden, ebenso die Maskenpflicht, forderte ein Redner. Die nahm beim Aufzug nicht jeder so genau, weshalb die Polizei zwischenzeitlich den Zug stoppte .„Wir haben keine Pandemie“, stellte ein anderer Redner unter Applaus fest.

Für Bruchsals Polizeirevierleiter Jürgen Conrad und seine Dutzenden Kollegen verlief der Abend weitgehend ruhig. Sicherheitshalber hatten sich einige Beamte am Marktplatz zwischen den beiden Kundgebungen positioniert, ohne eingreifen zu müssen. Nächste Woche wollen die Maßnahmengegner wieder protestieren, kündigten sie an.

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