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Untersuchung in der Kälte

Fieberambulanz in Bruchsal behandelt wieder Patienten – und das ist oft unangenehm

In der Fieberambulanz in Bruchsal läuft es anders als in einer Hausarztpraxis. Selten kennen die Ärzte und Helfer hier ihre Patienten, die von überall her zum Corona-Test kommen. Und auch eine heimelige Wartezimmer-Atmosphäre sucht man hier vergeblich.

Die Mitarbeiter der Fieberambulanz bereiten sich auf ihren Dienst in den Containern vor. Foto: Armin Herberger

Ohne Termin läuft nix. Wer zur Fieberambulanz in der Lußhardtstraße in Bruchsal kommen will, braucht eine Anmeldung über den Hausarzt. Die Sprechstunden finden statt in Containern auf dem Parkplatz eines ehemaligen Möbelhauses. Hier werden Patienten untersucht, die möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert sind.

Dafür gibt es neben den üblichen Hausärzten auch Schwerpunktpraxen, etwa in Bruchsal, Gochsheim, Gondelsheim, Graben, Karlsdorf und Münzesheim, wie auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung zu sehen ist. Mit den steigenden Fallzahlen hat die Fieberambulanz vergangene Woche wieder den Betrieb aufgenommen.

Betrieb nach der „Sommerpause“ nun wieder aufgenommen

Der hatte im Frühjahr in der Altenbürghalle in Karlsdorf-Neuthard begonnen und wurde im April wieder eingestellt, als der Bedarf abgeklungen war. In den Container nebenan sind vormittags die Kollegen von der zentralen Abstrichstelle Corona (ZAC) tätig, an drei Nachmittagen jeweils vier Stunden lang die Fieberambulanz.

„Wir haben einen Pool von sehr motivierten Mitarbeitern“, sagt Michaela Metz, Koordinatorin für den nördlichen Landkreis. Als Ärztin übernimmt sie selbst manche Schicht und wird dabei jeweils von zwei Helfern unterstützt. Diese sind Medizinische Fachangestellte, Ehrenamtliche Helfer des Deutschen Roten Kreuzes oder Honorarkräfte, die die Kassenärztlichen Vereinigung eingestellt hat.

Die Ärzte sind aus verschiedenen Fachrichtungen, manche kommen aus dem Ruhestand und wollen helfen. Pro Patient sind zehn Minuten vorgesehen. Die Mitarbeiter in ihren Schutzanzügen nehmen die Daten auf, im Gegensatz zur ZAC dürfen die Patienten ihr Auto dann parken und gehen in einen der beiden Container.

Einrichtung ist auf das Nötigste beschränkt

Die Einrichtung ist gleich und übersichtlich: Eine Behandlungsliege, ein Materialschrank, ein Schreibtisch mit Notebook und Drucker. Dazu jede Menge frische Luft: Nach jedem Patienten erfolgt nicht nur eine Wischinfektion, sondern auch die Fenster werden weit geöffnet. „Bei der Untersuchung mit freiem Oberkörper sitzt hier jeder mit Gänsehaut“, bedauert Metz.

Das Team dagegen legt sich ein paar Kleiderschichten mehr an, um durch den kompletten Nachmittage zu kommen. Die Helfer nehmen schon mal erste Untersuchungen vor wie Herzfrequenz, Blutdruck und Temperatur, bevor Arzt oder Ärztin dann die Lunge abhört und den Rachenraum inspiziert.

„Anders als in einer Hausarztpraxis, wo man Patienten über viele Jahre kennt, ist hier jede Begegnung neu“, nennt Metz einen weiteren Aspekt, der die besondere Behandlungssituation kennzeichnet. Autokennzeichen aus Baden-Baden, Heidelberg oder Ravensburg sieht man zwischen denen aus Karlsruhe.

„Massenabfertigung“ hat Vorteile

Zur Herausforderung wird es, wenn Sprachbarrieren dazukommen oder wenn Vorerkrankungen berücksichtigt oder gar erkannt werden müssen. In diesen Fällen ist eine engmaschige Überwachung notwendig, die Rücksprache mit dem überweisenden Kollegen erfordert: „Was jetzt funktioniert, kann drei Stunden später problematisch sein“, weiß Metz.

Auch wenn es nach Massenabfertigung aussieht, so erkennt sie doch die Vorteile einer solchen zentralen Einrichtung: In einer normalen Praxis müsste bei einem Verdachtsfall zwischen regulären Patienten die ganzen Schutzausrüstung erst an- und dann wieder abgelegt werden, hier kann effektiv durchgearbeitet werden. Noch sind die Kapazitäten nicht ausgeschöpft, die Zusammenarbeit mit dem Labor läuft, Polizeieinsätze wie ein anderen Einrichtungen waren in Bruchsal nie nötig.

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