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Beseitigung ist teuer

Förster beklagen immer mehr Müll im Wald in Bruchsal und Philippsburg

Erst waren es fünfzig alte Autoreifen, die der Leiter der Bruchsaler Forstverwaltung, Michael Durst, zwischen Untergrombach und Büchenau kürzlich von seinen Mitarbeitern aus dem Wald räumen lassen musste. Und kaum waren die Reifen weg, lagen dreißig neue da.

Immer mehr Menschen entsorgen ihren Müll in der Natur. Die Förster ärgert das. Foto: lec

Erst waren es fünfzig alte Autoreifen, die der Leiter der Bruchsaler Forstverwaltung, Michael Durst, zwischen Untergrombach und Büchenau kürzlich von seinen Mitarbeitern aus dem Wald räumen lassen musste. Und kaum waren die Reifen weg, lagen dreißig neue da. „Es sah fast so aus, als hätte der Täter nur darauf gewartet, dass wir den alten Abladeplatz für ihn wieder freiräumen“, sagt Durst.

Von unserem Mitarbeiter Franz Lechner

Er ist sich sicher, dass beide Reifenlager den gleichen Verursacher hatten. Gefunden wurde der Kriminelle nicht. Und das, obwohl Altöl und Ölfilter, die zwischen den vielen Reifen bei der Autobahn lagen, den Täterkreis deutlich einschränken, wie Durst glaubt. „Achtzig Altreifen, Ölfilter und Altöl hat schließlich nicht jeder zu Hause rumliegen“, sagt der Förster.

Der Altreifenberg an der Autobahn war zwar so ziemlich die größte Schweinerei, der Durst und seine Mitarbeiter in den letzten Monaten im Bruchsaler Wald begegneten, aber bei weitem nicht die einzige. Die Zeiten, in denen es verpönt war, seinen Müll einfach im Wald abzuladen, scheinen vorbei zu sein. Immer mehr Menschen haben immer weniger Skrupel, ihren Müll irgendwo in der Natur zu entsorgen.

Auffällige Problemzonen

Überall da, wo man mal schnell und unauffällig ein kleines Stück in den Wald reinfahren kann, müsse man heute ständig mit Abfall rechnen, berichtet Durst. Er nennt außer der Stelle an der Autobahn zwischen Bruchsal und Untergrombach noch den Waldparkplatz zwischen Obergrombach und Helmsheim und die Waldränder zwischen Heidelsheim und Oberacker als besonders auffällige Problemzonen.

Der Philippsburger Förster, Christian Hautz, hat das gleiche Problem wie sein Bruchsaler Kollege. „Jede Woche muss ich inzwischen meine Mitarbeiter losschicken, um die Abfälle aus dem Wald zu sammeln“, sagt der Philippsburger Revierleiter. Er bestätigt, dass der Wald für manche nur noch eine Art Müllkippe ist. Dabei sind Getränkeflaschen, Verpackungen aus dem Schnellimbiss, Zigarettenschachteln und anderer Kleinabfall vor allem an Waldparkplätzen zwar die Regel, aber es sind längst nicht die schlimmsten Auswüchse einer zunehmend asozialen Einstellung. „Wir finden vom Farbeimer und Bauschutt über Möbelstücke bis hin zu Kühlschränken, Altreifen und Ölresten so ziemlich alles in unseren Wäldern“, ärgert sich der Forstbeamte.

Besonders beliebt ist dabei das Beseitigen von oft sorgfältig in Plastiksäcken verpackten Gartenabfällen an Waldrändern. Für Michael Durst ist auch das alles andere als ein Kavaliersdelikt. „Mit diesem Grüngut breiten sich viele schädliche Neophythen in unserer heimischen Natur aus“, betont Durst. Neophyten sind nicht-heimische Pflanzenarten, für deren Bekämpfung allein die Kommunen und die Forstverwaltungen – sprich: die Steuerzahler – im Landkreis inzwischen einen sechsstelligen Betrag jährlich ausgeben müssen.

Jeder Bürger zahlt für die Beseitigung des illegal entsorgten Mülls

Aber auch für die Beseitigung des illegal entsorgten Mülls zahlt jeder Bürger einer Kommune. Wie viel, weiß zwar niemand so genau, aber Christian Hautz weiß immerhin, dass seine Mitarbeiter jährlich 300 Arbeitsstunden allein für die Beseitigung der Spuren dieses asozialen Verhaltens aufwenden müssen. „Bei 45 Euro pro Arbeitsstunde sind das allein schon 13.500 Euro und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs“, sagt er.

In Bruchsal sieht das ähnlich aus. Aber der Müll muss ja in Philippsburg, Bruchsal und in allen anderen Gemeinden nicht nur von Forstleuten aus dem Wald, sondern auch von Gemeindemitarbeitern aus den Feldern, Parks, Baggerseen und an vielen anderen Stellen eingesammelt und dann noch kostenaufwendig entsorgt werden. Mindestens ein hoher fünfstelliger Betrag wird das allein die Bruchsaler Bürger im Jahr wohl kosten.

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