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Sybille Klenzendorf ausgezeichnet

Einsatz für Artenschutz: Forscherin aus Forst gibt düstere Prognose für den Eisbären

Die Wildbiologin Sybille Klenzendorf aus Forst hat die „Goldene Henne“ verliehen bekommen. Ein Grund zur Freude, doch ihre Warnung ist ernst: Bis 2100 könnte der Eisbär ausgestorben sein – wenn sich nicht schnell etwas ändert.

Sybille Klenzendorf wird in Leipzig mit dem Medienpreis „Goldene Henne“ ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Meteorologe Sven Plöger. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Sybille Klenzendorf freut sich. Natürlich. Der Artenschützerin aus Forst wurde kürzlich in Leipzig eine „Goldene Henne“ verliehen. Der MDR hat die Show mit Moderator Kai Pflaume übertragen. Erstmals gab es den Medienpreis in der Kategorie „Unsere Zukunft“.

Doch Klenzendorf hat den Preis gewonnen, weil diese Zukunft in Gefahr ist und sie mit ihrer Arbeit immer wieder darauf hinweist. Die Forster Wildbiologin arbeitet seit 2002 für die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF und beschäftigt sich unter anderem mit dem Eisbären und seinem Lebensraum, die Arktis.

Seine Zukunftsaussichten sind düster. Für ihn geht es längst ums Überleben; bis 2100, so die Befürchtung, könnte er ausgestorben sein. „Wir haben nicht mehr viel Handlungsspielraum“, sagt Klenzendorf.

Das schmelzende Meereseis erschwert die Futtersuche von Eisbären. Ohne Eis können sie keine Robben jagen und müssen andere Nahrungsquellen suchen. Foto: Predictive Ecology Lab/dpa

In den nächsten zehn Jahren müssten politisch die Weichen gestellt werden, sonst seien die Entwicklungen des Klimawandels unumkehrbar. „Das Pariser Abkommen muss unbedingt eingehalten werden. Die Erderwärmung darf zwei Grad nicht überschreiten.“

Das Meereis schmilzt: Bis 2100 könnte der Eisbär ausgestorben sein

Der Eisbär ist ein Symbol. Seine Situation steht stellvertretend für das ganze Ökosystem, in dem er lebt. Könne er darin nicht mehr existieren, gelte das für viele andere Arten ebenso. Seine Lage soll Emotionen wecken, die Menschen aufrütteln.

Stirbt der Eisbär aus, heißt das für uns, dass sich unser Leben deutlich verschlechtert hat.
Sybille Klenzendorf, Klima- und Artenschutzaktivistin

Ohne das Meereis wird er keine Robben mehr jagen können. Und das schmilzt – viel schneller als zunächst prognostiziert. „Bis 2030 könnte die Arktis eisfrei sein“, sagt Klenzendorf. Dann sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der Eisbär verschwunden sein werde. „Stirbt der Eisbär aus, heißt das für uns, dass sich unser Leben deutlich verschlechtert hat.“

Klenzendorf will mehr Bewusstsein für den Klimawandel und dessen Folgen

Sie hat den Preis gern angenommen. Mit solchen Auftritten möchte Klenzendorf auf Klima- und Artenschutz aufmerksam machen. Auch in der Entertainment-Branche, wo Moderatoren, Sängerinnen, TV-Größen ihre Bekanntheit für dieses Thema nutzen könnten. Die Laudatio auf die Forsterin hielt Sven Plöger. „Wir brauchen Kämpfernaturen wie Sie“, bescheinigte ihr der bekannte Fernseh-Meteorologe. „Ich hoffe, die Menschen lassen sich von Ihnen inspirieren.“

Es ist ganz knapp vor zwölf.
Sybille Klenzendorf, Klima- und Artenschutzaktivistin

Auf regionaler Ebene, zum Beispiel in Bruchsal oder in Karlsruhe, sind Fridays for Future oder auch Critical Mass örtliche Zeichen für das wachsende Bewusstsein für den Klimawandel und dessen Folgen. „Diese Bewegungen haben dazu beigetragen, dass der Klimaschutz bei fast jeder Partei auf der Agenda steht“, sagt Klenzendorf. Bei ihrer Rede in Leipzig wird sie am Ende emotional. Sie appelliert an alle wählen zu gehen. „Es ist ganz knapp vor zwölf“, sagt sie eindringlich.

Klimaschutz: Forscherin aus Forst erhofft sich politischen Richtungswechsel

Inzwischen laufen die ersten Gespräche zur Regierungsbildung an, die Parteien positionieren sich. „Die Grünen müssen jetzt alles dafür tun, dass schnelle Entscheidungen getroffen werden. Sie müssen die anderen zur Verantwortung ziehen.“ Klenzendorf hatte sich mehr erhofft, ein größeren politischen Richtungswechsel hin zum Klimaschutz.

Sie ist selbst bei den Grünen, hat in Forst den Ortsverein mitgegründet und ist im dortigen Gemeinderat. Auch auf der Landesliste war sie vertreten, jedoch weit hinten. Noch. „Ich kann mir später vorstellen, wenn es die familiäre Situation zulässt, mich stärker zu engagieren.“

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